Stadtpräsidium Wetzikon: Bassu und Vettiger treten erneut gegeneinander an
Zweikampf, Richtungsfrage, offenes Rennen: Am 12. April entscheidet Wetzikon, wer die Stadt in den nächsten vier Jahren führt.
Es war ein Wahlkrimi: Weniger als 100 Stimmen gaben 2022 den Ausschlag fürs Wetziker Stadtpräsidium. Pascal Bassu (SP) gewann knapp vor Henry Vettiger (SVP). Am 12. April treten die beiden erneut gegeneinander an.
Die Ausgangslage unterscheidet sich deutlich von früheren Wahlgängen. Bereits 2018 waren die beiden im Rennen, scheiterten damals jedoch an Ruedi Rüfenacht (EVP). 2022 setzte sich Bassu im zweiten Wahlgang knapp durch; neben Vettiger kandidierte damals mit Sandra Elliscasis (FDP) eine weitere bürgerliche Bewerberin.
Dass er von Henry Vettiger herausgefordert werde, gehöre zum politischen Geschäft. «Das Team, das wir jetzt im Stadtrat haben, hat in den letzten vier Jahren viel erreicht und viel auf den Weg gebracht», sagte Pascal Bassu uns gegenüber im vergangenen Dezember. Und er denke, er habe dieses Team gut geleitet.
Hervorzuheben sind zahlreiche grössere Infrastrukturprojekte, die der Stadtrat nicht nur durch das Parlament brachte, sondern die auch den Test an der Urne bestehen konnten. Dazu gehören beispielsweise der Rahmenkredit für den Aufbau des Fernwärmenetzes, das 50-Millionen-Projekt für das Schulhaus Walenbach oder das neue Feuerwehrgebäude.
Bei den Investitionen kommen auf den Stadtrat auch weitere Herausforderungen zu, zum Beispiel die Volksabstimmung zum Masterplan Unterwetzikon oder der geplante Neubau der Sammelstelle im Industriegebiet.
Trotzdem musste die Wetziker Exekutive unter Bassus Führung auch zahlreiche Rückschläge einstecken. Das Prestigeprojekt «Stadtmagazin» fand beispielsweise im Parlament keine Mehrheit, flächendeckendes Tempo 30 wurde vom Volk abgeschmettert, und ein Ersatzneubauprojekt für drei Kindergärten schickte das Parlament zurück an den Absender. Hinzu kommt die Ungewissheit zur Zukunft des GZO Spitals, die allerdings nicht in den Händen der Standortgemeinde liegt.
Kein Schulterschluss der Bürgerlichen
Die zahlreichen Bedürfnisse einer wachsenden Stadt und damit die steigenden Ausgaben unter einen Hut zu bringen, wird auch für den neu zusammengesetzten Stadtrat eine Herausforderung – egal, ob der Präsident Vettiger oder Bassu heisst.
Interessant ist, wie sich die Parteien in dieser Frage positionieren. Bassus Kandidatur wird neben der SP auch von den Grünen sowie der Brücke-Fraktion, die aus EVP, GLP und der Mitte besteht, unterstützt.
Einen geschlossenen bürgerlichen Schulterschluss gibt es dagegen nicht. Henry Vettiger wird einzig von seiner Partei und der EDU unterstützt. Die FDP hat für die Wahl des Stadtpräsidiums Stimmfreigabe beschlossen. Sie begründet dies mit der «Kontinuität in strategisch bedeutenden Ressorts».
Für die Stadtratswahlen unterstützen die Freisinnigen hingegen Henry Vettiger sowie seinen Parteikollegen Bruno Bertschinger. Dieser will für die SVP einen zweiten Sitz im Gremium zurückholen.
Ähnlich positioniert sich die SVP. Sie empfiehlt die Wiederwahl der bisherigen FDP-Stadträte Sandra Elliscasis und Stefan Lenz, verzichtet bei der Wahl des Schulpräsidiums aber auf eine Wahlempfehlung. Einzig die EDU unterstützt alle Kandidaten aus dem bürgerlichen Lager.
Der dritte FDP-Stadtrat, Schulpräsident Jürg Schuler, tritt im April nicht nochmals an. Um seine Nachfolge bewerben sich sein Parteikollege Thomas Ineichen und Andrea Grossen-Aerni (EVP).
Ineichen, der auch Unterstützung von der EDU erhält, leitet seit 2002 die Musikschule Zürcher Oberland und setzt sich seit Jahren für die Kulturszene Wetzikons ein. Grossen-Aerni sitzt seit 2020 im Wetziker Parlament und ist seit Mai 2024 auch Zürcher Kantonsrätin.
Beide sind bereits in stiller Wahl in die Schulpflege gewählt worden. Denn für das Gremium gab es genau neun Kandidierende für neun Sitze. Zum Vergleich: 2022 bewarben sich noch 17 Personen um einen Sitz in der Schulpflege.
Schulpflege oder Parlament?
Grossen-Aerni und Ineichen stellen sich nicht nur fürs Schulpräsidium zur Verfügung, sie wollen auch beide einen Sitz im Wetziker Parlament. Dort führt Grossen-Aerni heute die Brücke-Fraktion an. Als Schulpflegemitglied könnte sie nicht im Parlament sitzen. Was also, wenn es mit dem Präsidium nicht klappt, aber mit der Wiederwahl fürs Parlament?
«Da die Amtstätigkeit der neu gewählten Schulpflege noch nicht begonnen hat, ist es rechtlich zulässig, sich für beides aufstellen zu lassen», sagt sie. Ihr Fokus für den 12. April ist aber klar: «Ich kandidiere für das Schulpräsidium.» Für diese Wahl erhält sie nicht nur Unterstützung von den Brücke-Parteien, sondern auch von der SP und den Grünen.
Letztere wollen ihren Sitz im Stadtrat mit Christine Walter Walder halten, die auch von der Brücke sowie der SP unterstützt wird.
Klar ist bereits jetzt, dass die Mitte ihren Stadtratssitz nicht halten kann. So tritt ihr Mitglied Remo Vogel nicht mehr an. Seinen Sitz für die Brücke-Parteien verteidigen soll Marie-Therese Büsser von der GLP. In den Neunzigerjahren sass sie für die Grünen im Kantonsrat und war von 2014 bis 2022 Gemeinderätin in Rüti. Ihre Kandidatur unterstützen SP und Grüne.
Was kommt nach dem «Linksrütschli»?
Während der Stadtrat in der vergangenen Legislatur eine bürgerliche Mehrheit hatte, sah dies im Parlament anders aus. Vor vier Jahren gab es ein «Linksrütschli», SP und Grüne konnten je einen Sitz zulegen.
Damit kamen die SP, die Grünen und die Alternative Wetzikon (AW) in der vergangenen Legislatur zusammen auf 13 Sitze, die FDP, die EDU und die SVP auf 16. Das Zünglein an der Waage war bei vielen knappen Entscheidungen – beispielsweise bei Tempo 30 oder der Revision der Gemeindeordnung – die politische Mitte. Die in der Brücke-Fraktion zusammengeschlossenen Vertreter der EVP, der GLP und der Mitte waren sich jedoch nicht bei allen Geschäften einig.
Schon vor dem Wahltag ist klar, dass es im Parlament zu Verschiebungen kommen wird. So tritt die Alternative Wetzikon nicht mehr zu den Wahlen an. Und wenn die Ergebnisse der Wahlen vom 8. März in anderen Zürcher Parlamentsgemeinden ein Indikator sind, wird dies nicht die einzige Veränderung sein.
SVP und SP konnten dort vielerorts zulegen. Doch auch die Mitte, die in Wetzikon vor vier Jahren einen Sitz verloren hatte, gewann Sitze dazu. Die grossen Verlierer waren die Öko-Parteien GLP und Grüne. In Wetzikon stellt sich damit am 12. April die Frage: Wer profitiert vom Wegfall der AW?