Ein Links-Rütschli in Wetzikon
Die SVP hat neu nur noch einen Sitz im Wetziker Stadtrat. Der Sitz von Marco Martino geht für die grösste Wetziker Partei verloren. Die Grünen schaffen dagegen mit Christine Walter die Wahl in den Stadtrat.
Was verkürzt aussieht wie ein Linksrutsch, ist in Tat und Wahrheit höchstens ein «Links-Rütschli». Der SVP-Sitz geht an den bürgerlichen Nachbarn, die FDP. Die Grünen gewinnen ihren Sitz auf Kosten der EVP, die in Wetzikon mit der Mitte-Partei eine Fraktion bilden.
Eine Fraktions-Korrektur im Wetziker Parlament
27.03.2022

Grosser Gemeinderat
Die SVP, die Freie Liste Wetzikon und die Mitte verlieren. FDP, SP und Grüne gewinnen. Beitrag in Merkliste speichern Im Stadtrat bleibt damit ein solider bürgerlicher Block aus drei FDPlern und einem SVPler bestehen. Zwar werden mit Walter grüne Themen im Wetziker Stadtrat etwas wichtiger werden.
Doch die erfahrene Parlamentarierin ist eine Realpolitikerin und wird sich problemlos ins Gremium einfügen. Sie wird also denselben Kurs einschlagen, den vor vier Jahren Pascal Bassu von der SP genommen hat. Er hat sich als Teamspieler im Stadtrat hervorgetan. Das bestätigt etwa Stadtratskollege Remo Vogel (Mitte). Bassu ist dafür von den Wählenden mit einem guten Ergebnis belohnt worden.
Im Stadtrat wird Sachpolitik betrieben. Das Führungsgremium muss als Team funktionieren, das betonen am Wahlsonntag alle neu- und wiedergewählten Stadträte.
Ein Links-Rütschli gibt es auch im Parlament und in der Schulpflege. Im Gemeinderat gewinnen SP und Grüne je einen Sitz auf Kosten der Freien Liste Wetzikon (FLW) und der Mitte. Dort wurden arrivierte Politiker wie Parteipräsident Peter Lanciano und Elmar Weilenmann abgewählt. Dafür schafft es die junge Tina Deplazes ins Parlament.
Diese Rochade in der Mitte steht exemplarisch für eine neuerliche Blutauffrischung in der Wetziker Politik. In vielen Fraktionen kommen junge und vor allem neue Kandidaten zum Zug. In der Schulpflege mussten drei Bisherige über die Klinge springen und drei Neuen von Links Platz machen.
Zentral für den Mini-Wahl-Erfolg links der Mitte dürfte deren starke Mobilisierung gewesen sein. Bei einer Wahlbeteiligung von nur rund 29 Prozent machen wenige Stimmen einen grossen Unterschied aus. Das wurde der Mitte im Parlament und der EVP im Stadtrat zum Verhängnis.
Die tiefe Wahlbeteiligung war gut für SP und Grüne und gleichzeitig ist sie ein Armutszeugnis für die Demokratie. Sieben von zehn Wetzikern haben niemanden gewählt – auch darauf müssen die Neugewählten Antworten finden.
Die fehlende Beteiligung dürfte einen Teil der Wahlschlappe der SVP erklären. Allerdings dürfte das etwas zu kurz greifen. Denn am Ende sind Exekutiv-Wahlen Personenentscheide. Die SVP scheiterte da an der FDP. Die SVP muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie auf das falsche Personal gesetzt hat. Rolf Zimmermann war im Parlament zwar als Sachpolitiker anerkannt, allerdings in der breiten Bevölkerung wohl zu wenig bekannt.
Grüne Wahlgewinner und eine zerknirschte SVP
27.03.2022

Stadtratswahlen Wetzikon
Wetzikon hat einen neuen Stadtrat: Die SVP und EVP verlieren einen Sitz, FDP und Grüne gewinnen. href=”/flag/flag/np8_favorites/3281187?destination=batch&token=GayIn50eXdxAWwPv7W7gVLVirL-pGORPzPqQpbv4y08″ title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-3281187 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern So ist die FDP die grosse Wahlsiegerin und die neue starke Kraft im bürgerlichen Stadtrat. Die SVP dürfte im Parlament künftig etwas stärker als Opposition auftreten. Sie muss allerdings aufpassen, dass ihr nicht noch stärker als bis anhin das Etikett als «Nein-Sager-Partei» verpasst wird.
Einziger SVPler, der am Sonntag Grund zur Freude hat, ist Henry Vettiger. Der Finanzvorstand erzielte ein gutes Ergebnis und liegt im Rennen ums Stadtpräsidium vor Bassu und Elliscasis. Er hat gute Chancen das neue Stadtratsteam anzuführen.
Allerdings wird sich Vettiger im zweiten Wahlgang einem Dreikampf stellen müssen. Bassu und Elliscasis werden wohl beide nochmals antreten. Pascal Bassu bestärkt durch sein gutes Ergebnis. Und Sandra Elliscasis von der Wahlsiegerin FDP wird kaum zurückziehen.
Bassu dürfte darauf hoffen, dass sich Vettiger und Elliscasis gegenseitig die Stimmen streitig machen. Bassu und Elliscasis wiederum müssen beide weit über die eigene Basis hinaus Stimmen machen, um Vettiger zu besiegen. Denkbar wäre auch ein Rückzug von Bassu oder Elliscasis, um Vettiger zu verhindern. Das scheint allerdings unwahrscheinlich. Vettiger wird mit seiner bürgernahen Art punkten und auf eine bessere Mobilisierung hoffen als am Sonntag. Die Chancen darauf stehen gut.
Am Wahltermin im Mai werden die nationalen Abstimmungen die Stimm- und Wahlbeteiligung etwas in die Höhe drücken. Das bedeutet für das Rennen ums Stadtpräsidium: Die Karten werden nochmals komplett neu gemischt.