Wetziker Parlament versenkt geplantes Stadtmagazin deutlich
Kein Heft in alle Haushalte
Mit einem Stadtmagazin wollte der Wetziker Stadtrat einen Beitrag zum aktiven Stadtleben leisten. Doch das Projekt stiess beim Parlament auf wenig Gegenliebe.
Es war bereits zu später Stunde, als Christoph Wachter (SP) im Wetziker Parlament ans Rednerpult trat. Der Präsident der Fachkommission II (FK II) legte gegen 22.45 Uhr dar, wieso die Kommission die Einführung eines Stadtmagazins ablehnt.
«Wir haben grundsätzliche Bedenken», führte er aus. «Ein Stadtmagazin sollte kein Auftrag der öffentlichen Hand sein.» Zudem sei das Vorhaben sehr teuer. Rund 29 Franken jährlich pro Haushalt. Beantragt war ein Kredit von gut 1,5 Millionen Franken für vier Jahre.
Für die eingereichte Offerte von Ratsam Kommunikation, einer Agentur aus Wetzikon, fand der Kommissionspräsident jedoch lobende Worte. «Das Konzept ist überzeugend.»
Doch das war für die Fachkommission nicht der springende Punkt. «Ausserdem gibt es mit der ‹Wetziker Post› seit Kurzem ein ähnlich gelagertes Projekt», erläuterte Wachter. Das habe dem Vorhaben des Stadtrats nicht geholfen.
Wetzikon in der Hauptrolle
Bereits vor der Sitzung war klar, dass die FK II ihren Antrag mit grosser Mehrheit gefällt hatte. Das wusste auch Stadtpräsident Pascal Bassu (SP). Er forderte die Anwesenden auf, für einmal nicht der Kommission zu folgen. «Seien Sie mal kreativ ungehorsam.»
Bassu versuchte, die Vorteile eines Stadtmagazins hervorzuheben. Dieses sei nicht nur einfach eine Printzeitung, die alle vier Wochen verteilt werde. «Wir verstehen es als Plattform», sagte er.
Zudem hätten viele laut Bassu das Gefühl, Wetzikon komme bei der Berichterstattung in den Medien oft zu kurz. «Beim Stadtmagazin spielt Wetzikon die Hauptrolle.» Dafür würde ein lokales Redaktionsteam sorgen. «Das Magazin fördert die Meinungsbildung und ergänzt das bestehende Angebot, es schafft keine neue Konkurrenz.»
Wenig Unterstützung
Vom kreativen Ungehorsam war in der anschliessenden Debatte wenig zu spüren. Diese fiel, wohl der fortgeschrittenen Zeit geschuldet, für Wetziker Verhältnisse kurz und bündig aus.
Nur gerade Brigitte Meier Hitz machte sich im Namen der SP-Fraktion stark für den Antrag des Stadtrats. «Dieses Stadtmagazin würde die Medienvielfalt fördern und der Stadt ermöglichen, die Berichterstattung nach den Bedürfnissen unserer Bevölkerung zu gestalten», argumentierte sie.
Anders sah dies Zeno Schärer (SVP). Er kritisierte das Vorgehen des Stadtrats: «Warum hat er die Vorlage nicht zurückgezogen, als klar war, dass sie nicht mehrheitsfähig ist.» Ihm tue deshalb das Team von Ratsam leid. «Das ist keine Kritik am Redaktionsteam.»
Doch ein Stadtmagazin sei keine Aufgabe der öffentlichen Hand. «Viele Medien entdecken Regionales wieder», stellte er fest und verwies auf Portale wie nau.ch oder Zürioberland 24. «Es gibt kein Marktversagen.» Und wer Qualitätsjournalismus möchte, muss sich selber überlegen, ob er dafür bezahlen will.
Einen ähnlichen Ton schlug Sven Zollinger (FDP) an. «Wir brauchen keine Wetziker SRG», führte er aus. Mit Blick auf die Stadtfinanzen sei das Magazin ohnehin nur ein «Nice-to-have», begründete der neue Präsident der Rechnungsprüfungskommission.
Die Meinungen waren schon gemacht – weitere Unterstützung für den Vorschlag des Stadtrats gab es keine.
Kurz nach 23 Uhr war die Entscheidung da. Mit 23 Nein- zu 6 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen versenkte das Parlament die Vorlage. Ein Magazin auf Kosten der Stadt ist damit vom Tisch.