Abo

Politik

«Es bleibt ja noch ein Jahr, um Akzente zu setzen»

Der Wetziker Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht (EVP) verzichtet auf eine dritte Amtszeit. Im Interview nennt er die Gründe für den Entscheid und sagt, was er in der Zeit danach schmerzlich vermissen wird.

Ruedi Rüfenacht wird sein Amt als Stadtpräsident zum Ende der Legislatur niederlegen.

Archivfoto: PD

«Es bleibt ja noch ein Jahr, um Akzente zu setzen»

Herr Rüfenacht, nach acht Jahren als Wetziker Stadtpräsident werden Sie 2022 nicht mehr antreten. Weshalb?

Ruedi Rüfenacht: Das hat vielfältige Gründe. Im Vordergrund steht, dass ich in nächster Zeit meine volle Energie in die Firma investieren will. Zwar haben wir die Nachfolgeregelung gelöst, dennoch gibt es viel zu tun. Daneben will ich mich auch wieder mehr um die schönen Dinge im Leben kümmern. In den vergangenen Jahren habe ich vieles vernachlässigt, etwa den Kontakt mit Freunden. Zudem will ich endlich Englisch lernen. Und schliesslich plane ich in den nächsten Jahren eine längere Reise. Da will ich mich nicht noch einmal vier Jahre verpflichten.

Mit 56 Jahren wären Sie doch noch im besten Alter.

Das kann man so sehen. Vom Alter her könnte ich sicher nochmals antreten. Es ist aber auch gut, wenn Jüngere die Zukunft gestalten können.

Sie betonten immer, es brauche ein paar Jahre, bis man im Amt etwas erreichen könne. Jetzt sind Sie in dieser Phase und hören schon wieder auf.

Insgesamt sind es dann doch acht Amtsjahre. In den letzten zwei Jahren haben wir im Stadtrat sehr viele Projekte auf den Boden gebracht und in die richtige Richtung gelenkt. Auch dieses Jahr werden wir noch einiges abschliessen können. Klar ist das eine oder andere noch nicht fertig. Das liegt aber in der Natur der Sache.

Zu tun gäbe es noch genug, beispielsweise beim Thema Stadtentwicklung. Wieso reizt es Sie nicht mehr, hier Akzente zu setzen?

Es bleibt ja noch ein Jahr, um Akzente zu setzen. Bei den Quartier- und Gestaltungsplänen sind wir vielerorts auf der Zielgeraden. Viele werden bis zum Ende der Amtszeit unter Dach und Fach sein. Aber es stimmt, es gibt viele spannende Themen, beispielsweise die Mobilität. Es tut weh, wenn man dort nicht mehr mitentscheiden kann.

Sie machten keinen Hehl daraus, dass Ihnen der vergangene Wahlkampf an die Substanz ging. Wollten Sie sich das nicht noch einmal antun?

Nein, das stand nicht im Vordergrund. Der Wahlkampf ist auch noch weit weg.

Sie sind Geschäftsführer eines Architekturbüros, einer Generalunternehmung und eines Liegenschaftsunternehmens. Als Stadtpräsident bewarben Sie sich mit Ihren Firmen nicht auf öffentliche Aufträge. Wird sich das nun ändern?

Das kommt darauf an, ob es Aufträge sind, die für uns passen. Ich schliesse das nicht aus, auch wenn ich im Moment nichts Konkretes im Auge habe.

Von den EVP-Gemeinderäten will offenbar niemand in den Stadtrat. Stattdessen portiert die Partei mit Pia Ernst eine in Wetzikon kaum bekannte Kandidatin. Weshalb wollte von den Gemeinderäten niemand nachrücken?

Diese Frage müssten sie den Gemeinderäten direkt stellen.

Dann frage ich anders: Haben Sie in der Politik verpasst, was Ihnen in der Firma gelang: einen Nachfolger aufzubauen?

Nein. Wir haben mit Pia Ernst eine super Kandidatin. Es gibt für das Amt einer Stadträtin andere relevante Qualifikationen als der Einsitz im Parlament. Sie hat zehn Jahre Exekutiv-Erfahrung in der Schulpflege Wald, fundierte Kenntnisse im Projektmanagement und eine positive Grundeinstellung eine Stadt wie Wetzikon zu gestalten und weiter zu entwickeln. Ein richtiger Glücksfall für so eine kleine Partei wie die EVP.

Haben Sie einen Wunsch-Nachfolger für das Stadtpräsidium?

Da habe ich keine bestimmte Person im Auge. Ich wünsche mir, dass der Stadtrat als Gremium weiterhin gut zusammenarbeiten kann. Wir haben heute unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Ansichten. Jeder kann so sein wie er ist und trotzdem können wir gute Entscheidungen treffen. Es ist wichtig, dass die Energie fliessen kann.

Zum Schluss: Wohin soll die Reise gehen?

Das ist noch nicht entschieden. Entweder via Seidenstrasse nach Peking oder auf die Panamericana.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.