Das sind alle Steuerfüsse im Oberland auf einen Blick
Vom Steuerparadies Maur bis zum Spitzenreiter Wildberg
Stägeli uf, Stägeli ab: Für 2026 gilt in der Region mit Blick auf die Steuerfüsse das Zweite. Mit Greifensee gibt es nur einen Ausreisser.
Würde das Oberland steuertechnisch charakterisiert, so müsste ihm wohl die Eigenschaft «unstet» zugeschrieben werden. Wegen der befürchteten finanziellen Folgen von Corona hoben viele Gemeinden in der Region ihre Steuersätze an, nur um im Jahr darauf Entwarnung zu geben. 2023 hat fast die Hälfte der 31 Gemeinden in den Bezirken Hinwil, Pfäffikon und Uster ihre Steuerfüsse gesenkt.
Im Jahr 2025 schwenkten dann einige wieder um und setzten ihre Füsse ein paar Stufen hinauf. Und jetzt folgt 2026 abermals ein Richtungswechsel. Total 9, also über ein Viertel der 34 Gemeinden in der Region – hier hinzugezählt sind die drei Tösstaler Orte Turbenthal, Zell und Schlatt –, kommen ihren Steuerzahlern entgegen.
Höchstsätze sinken
Dieser Abwärtstrend ist auch kantonsweit zu beobachten: Immerhin 36 der 160 Zürcher Gemeinden reduzierten ihren Satz auf 2026 hin. Doch auch die Steuerzahler in jenen Gemeinden, die ihren Steuerfuss auf bisheriger Höhe halten, dürfen sich darauf freuen, etwas weniger abliefern zu müssen. So senkt der Kanton den Steuerfuss von 98 auf 95 Prozent. So stark ging es schon seit 20 Jahren nicht mehr hinunter.
Besonders erfreulich ist der Umstand, dass mit Wildberg (minus 3 Prozentpunkte auf nun 124 Prozent), Wila (minus 3 Prozentpunkte auf nun 122 Prozent) und Schlatt (minus 2 Prozentpunkte auf nun 123 Prozent) gleich drei Gemeinden (zusammen mit ihren Schulgemeinden) mit sehr hohen Sätzen Senkungen vornehmen konnten.
Für Wildberg ist dies sicher auch ein Signal hinunter nach Pfäffikon, mit dem es fusionieren möchte. Der Wermutstropfen: Mit 124 Prozent hat Wildberg weiterhin den höchsten Steuerfuss in der Region.
Entwarnung in Hinwil
Zu den überraschenden «Reduzierern» gehört Hinwil. Noch aufs Jahr 2025 hin musste die Gemeinde wegen der Kostenexplosion bei der Schule zunächst mit einem Notbudget operieren, da die Gemeindeversammlung eine Steuerfusserhöhung um 10 Prozentpunkte ablehnte. Der Regierungsrat legte den Satz schliesslich bei 119 Prozent fest. Und nun sind es also in Hinwil, das neu als Einheitsgemeinde auftritt, 116 Prozent. Möglich machen diese Senkung Sparmassnahmen, Grundstückgewinnsteuern und auch die über den kantonalen Finanz- und Lastenausgleich reichlich nach Hinwil fliessenden Millionen.
Die weiteren fünf Gemeinden, die «Stägeli ab» gehen, verteilen sich über die ganze Region. In Zell geht es gleich um drei «Stufen» nach unten, in Schwerzenbach um eine und in Bäretswil um zwei. Gleich einen Vierersprung nehmen Dübendorf und Maur vor.
Siegreiche Bürgerliche in Dübendorf
In der Parlamentsgemeinde Dübendorf ging dem Entscheid für eine Senkung auf noch 92 Prozent – inklusive der Sekundarschulgemeinde Dübendorf-Schwerzenbach – eine stundenlange Budgetdebatte voraus. Und wie in den anderen drei Parlamentsgemeinden Uster, Wetzikon – das übrigens seit zehn Jahren seinen Steuerfuss stabil hält – und Illnau-Effretikon gab es ein hartes Ringen. Rechts hätte gerne noch mehr gespart, die links-grüne Seite wollte sogar Mehrausgaben.
Aber durchsetzen konnten sich die Bürgerlichen nur in Dübendorf mit der Steuerfusssenkung. In Illnau-Effretikon galt es sogar, sich gegen eine Erhöhung zu wehren. Sollte die finanzielle Lage sich dort jedoch weiter zuspitzen, wird das Thema erneut aufs Tapet kommen. Der Stadtrat sähe dann 2027 eine Erhöhung von 2 Prozentpunkten vor.
Rückkehr zu alten Zeiten in Maur
In Maur lockte die Budgetgemeindeversammlung im Dezember sage und schreibe 587 Stimmberechtigte an. Neben der Debatte um ein Feuerwerksverbot – abgelehnt – stand jene um eine Steuerfusssenkung – angenommen – an. Auf Antrag der FDP und der SVP geht der Satz gleich um 4 Prozentpunkte statt nur um 2, wie dies der Gemeinderat beantragt hatte, runter.

Mit nun 81 Prozent bewegt sich der Satz wieder auf ähnlichem Niveau wie um die Jahrtausendwende. 2002 waren es noch 75 Prozent. Danach stieg er kontinuierlich an. Und zum Vergleich: 2026 ist Zumikon mit ebenfalls einer Reduktion um 4 Prozentpunkte auf neu 71 Prozent die steuergünstigste Gemeinde des Kantons Zürich.
Der Ausreisser Greifensee
Als einzige Gemeinde in der Region heisst es für Greifensee «Stägeli uf». Mit gleich 5 Prozentpunkten mehr wird die 100er-Schallmauer durchbrochen. Bereits im Vorjahr hatte es eine Erhöhung gegeben. Grund für den Sprung nach oben sind einerseits einbrechende Firmensteuern, andererseits hohe Investitionen in den Schulraum. Für Haushalte mit mittlerem Einkommen bedeutet die Erhöhung Mehrkosten von rund 130 Franken pro Jahr.

Für Greifensee dürfte der Weg nach oben übrigens noch nicht abgeschlossen sein. So droht mit der Neuorganisation der Sekundarschulgemeinde und der damit zusammenhängenden Grenzbereinigung mit Uster eine weitere Erhöhung.
Überraschung in Hittnau
Eigentlich hätte auch Hittnau für 2026 mehr Steuern einziehen wollen. So wollte der Gemeinderat ursprünglich 3 Prozentpunkte mehr. Doch bis zur Budgetgemeindeversammlung machte er nochmals einen Kassensturz und kam dort überraschenderweise zum Schluss, dass es die höheren Steuern gar nicht brauche.
Die Ortsparteien, die sich im Vorfeld noch gegen eine Erhöhung ausgesprochen hatten, nahmen das erfreut zur Kenntnis.
Hell am Greifensee, düster im Tösstal
In allen drei Oberländer Bezirken ist auf 2026 hin der durchschnittliche Steuerfuss gesunken. Während der Bezirk Hinwil mit 116 Prozent nur leicht hinter dem Bezirk Pfäffikon mit 115 Prozent liegt, bewegt sich der Bezirk Uster in einer anderen Liga. Dort liegt der Durchschnitt bei gerade einmal 100 Prozent.
Während also um den Greifensee auch kantonsweit gesehen ein sehr günstiges Steuerklima herrscht, bläst «traditionell» im strukturschwachen Tösstal ein rauerer Wind. Kaum eine Gemeinde liegt dort unterhalb des Satzes von 122 Prozent. Allerdings gibt es dort ein kleines, abseits gelegenes Steuerparadies. Der Turbenthaler Weiler Steinenbach schickt seine Primarschüler nach Wila und profitiert von einem viel tieferen Steuersatz. Mit 112 Prozent zahlen die Bewohner dieses Tals volle 10 Prozentpunkte weniger als die übrigen Turbenthaler.