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Eine besondere Gemeindeversammlung

Maur macht sich Geschenke und feiert mit Feuerwerk

Fussball, Grossprojekt «Looren», Steuerfuss und Feuerwerk: An der Gemeindeversammlung in Maur setzte sich das Stimmvolk gleich mit mehreren emotionalen Themen auseinander.

An der Gemeindeversammlung in Maur haben sich die Versammelten gleich selbst beschenkt – und gefeiert wird weiterhin mit lautem Feuerwerk.

Bildkombo: nim

Maur macht sich Geschenke und feiert mit Feuerwerk

Eine besondere Gemeindeversammlung

Fussball, Grossprojekt «Looren», Steuerfuss und Feuerwerk: An der Gemeindeversammlung in Maur setzte sich das Stimmvolk gleich mit mehreren emotionalen Themen auseinander.

Die Traktandenliste für die Gemeindeversammlung in Maur war so proppenvoll wie das Loorensaal-Gebäude. Die 587 Stimmberechtigten belegten jeden verfügbaren Stuhl, sodass die Veranstaltung mangels Platz gar zu platzen drohte.

Mit einer Viertelstunde Verspätung gab Gemeindepräsident Yves Keller (FDP) dann Entwarnung: «Wir probieren es.» Der Gemeinderat hatte sich für diesen Abend offensichtlich viel vorgenommen. So wollte er gleich mehrere emotionale Themen am selben Abend abhandeln, was dann nach fast dreieinhalb Stunden auch gelang. Hier der Überblick über die wichtigsten Entscheide.

Das Steuergeschenk

Passend zur Weihnachtszeit dachte sich die Maurmer Stimmbevölkerung wohl, dass es Zeit für Bescherung sei. Denn bei der Abstimmung um den Steuerfuss beschenkten sie sich fürs nächste Jahr gleich selbst.

So sprach sich die Mehrheit für eine Senkung des Steuerfusses um 4 Prozentpunkte auf 81 Prozent aus – ein Erfolg für die SVP und die FDP, die den Antrag gestellt hatten. 301 Stimmberechtigte konnten sie mit ihrer Forderung überzeugen. 252 Maurmerinnen und Maurmer wären hingegen mit einer Reduktion um 2 Prozentpunkte einverstanden gewesen, wie es auch der Gemeinderat vorschlug.

Dass sich auch der Gemeinderat für das Senken des Steuerfusses eingesetzt hat, kann auf den ersten Blick etwas überraschen. Zumindest ist – bei einem Steuerfuss von 83 Prozent – im Budget 2026 ein dickes Minus von 6,2 Millionen Franken eingestellt.

Grosse Investitionen

Des Weiteren stehen Maur grosse Investitionen bevor, was in der Regel eine Steuerfusssenkung verunmöglicht. Über die kommenden 15 Jahre summieren sich die geplanten Investitionen auf gut 240 Millionen Franken, wovon 22,2 Millionen Franken auf das kommende Jahr entfallen. Davon kann die Gemeinde allerdings nur 2,8 Millionen Franken selbst finanzieren.

Der Grossteil des Gelds fliesst in den Bau des neuen Bevölkerungsschutzgebäudes, die Sanierung von Wasser- und Abwasserleitungen sowie in den Strassenunterhalt. Weshalb also sollte unter diesen Umständen eine Steuerfusssenkung sinnvoll sein?

Die Steuerkraft des Kantons wuchs stärker als jene in Maur, weshalb auch die Abgaben an den kantonalen Finanzausgleich tiefer ausfallen. Zudem verfügt die Gemeinde über genügend liquide Reserven, da gewisse Investitionen nicht umgesetzt werden konnten und somit auch Geld eingespart wurde.

Das «Fussballgeschenkli»

Ein weiteres Geschenk machte sich Maur für seine Schul-, Sport- und Freizeitanlage Looren. Wegen des Baus des Bevölkerungsschutzgebäudes fällt auf dem angrenzenden Rasenspielfeld rund ein Drittel des Naturrasens weg. Damit der Platz aber bestmöglich weitergenutzt werden kann, sah der Gemeinderat den Bau eines Kunstrasens vor.

Denn: Ein Naturrasen kann wetterbedingt nicht das ganze Jahr hinweg bespielt werden. Dies führt zu Einschränkungen beim Aussensportunterricht und bei Trainingseinheiten der Vereine.

Für den neuen Kunstrasen beantragte der Gemeinderat einen Kredit von rund 1,7 Millionen Franken, der von der Versammlung unbestritten und mit grosser Mehrheit genehmigt wurde. Mit diesem Betrag kann neben dem Kunstrasen auch zusätzliche Infrastruktur gebaut werden. Bis Ende 2026 soll der Kunstrasen verlegt sein, und die Bauarbeiten sollen abgeschlossen sein.

Das zukünftige Geschenk?

Mit der Bewilligung eines weiteren Kredits in Höhe von rund 1,5 Millionen Franken schickt die Maurmer Bevölkerung das Mammutprojekt «Masterplan Looren» zudem in die nächste Runde. Mit diesem Entscheid bereitet sich Maur sozusagen auf ein riesiges Geschenk vor, das erst in mehreren Jahren ausgepackt werden kann.

Die Gemeinde führt nun einen Projektwettbewerb durch. Ziel ist es, auf dem Areal ein Synergiegebäude, eine offene Halle für ungebundene Aktivitäten, einen Spielplatz, einen Skatepark, eine Finnenbahn und eine Pumptrackanlage zu bauen. Zudem soll auch ein komplett neuer Kunstrasenplatz entstehen – also zusätzlich zu jenem, der nächstes Jahr erstellt wird.

Was mit dem sanierungsbedürftigen Loorensaal-Gebäude passieren soll, ist ebenso offen. Die Planer werden deshalb zwei Varianten präsentieren müssen: Die erste sieht einen vollumfänglichen, die zweite einen teilweisen Rückbau vor. Denkbar wäre, dass dort in Zukunft Sportaktivitäten wie Bouldern oder Beachvolleyball möglich gemacht werden.

Das Siegerprojekt wird so weit ausgearbeitet, dass dem Stimmvolk im Jahr 2027 der Baukredit zur Abstimmung vorgelegt werden kann – allenfalls mit zwei Varianten. Der Gemeinderat hat ausserdem zugesichert, im Verlauf des Prozesses eine Vernehmlassung durchzuführen, sodass sich die Interessengruppen wie Sportvereine und Parteien nochmals zu den Plänen äussern können.

Die Baukosten für das aktuell noch in den Kinderschuhen steckende Mammutprojekt belaufen sich auf voraussichtlich 16 Millionen Franken. Die Umsetzung ist ab 2028 für vier Jahre geplant. Läuft alles nach Plan, könnten auf dem neuen, zusätzlichen Kunstrasenplatz ab 2029 die ersten Bälle rollen.

Gefeiert wird mit knallendem Feuerwerk

Wie auch in den umliegenden Oberländer Gemeinden mussten sich die Maurmerinnen und Maurmer mit der Forderung nach einem Verbot von lärmendem Feuerwerk auseinandersetzen. Dieses wollten die Initianten auch an Silvester und am Nationalfeiertag verbieten. Davon profitieren würden die Natur, Tiere und sensible Menschen.

Der Gemeinderat empfahl die Initiative zur Ablehnung, da Feuerwerk ohnehin nur an den zwei besonderen Ereignissen angezündet werden dürfe und sich somit die Belastung in Grenzen halte. Im Saal zeichnete sich sogleich ab, dass der Grossteil der Versammlung diese Ansicht teilte. Sie lehnte das Verbot letztlich haushoch ab. Im Oberland ist Maur somit die zweite Gemeinde nach Dübendorf, die weiterhin auf lärmendes Feuerwerk besteht.

Die Versammlung entschied zudem …

… dass für die Beförsterung des Gebiets Maur ein Vertrag mit der Holzkorporation Dübendorf abgeschlossen wird;

… dass die Schule Maur ihre musikalische Elementarerziehung umorganisieren und für die Schulzyklen 1 und 2 anbieten darf. (jgu)

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