Ein neuer Parteiloser mischt sich in den Wahlkampf in Maur ein
Kandidatur in letzter Minute
Der Wahltag rückt immer näher, und die Stimmberichtigten können bereits ihre Stimme an der Urne abgeben – da schaltet sich in Maur plötzlich ein Altbekannter ein.
Knapp drei Wochen vor dem Wahltermin steigt ein weiterer Kandidat in den Wahlkampf in Maur ein. Alex Gantner (parteilos), erfahrener Politiker und ehemaliger Bezirksrat, will Teil des Gemeinderats werden, wie er mitteilt. Zugleich stellt er sich für das Gemeindepräsidium zur Wahl, womit er dem amtierenden Präsidenten Yves Keller (FDP) den Sitz streitig macht. Der Zeitpunkt der Kandidatur überrascht, dennoch hätte man Gantners Schachzug erahnen können.
Rückblick: Von 1994 bis 2002 sass der Maurmer bereits im Gemeinderat. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt wurde er Mitglied der FDP. Später, konkret von 2010 bis 2023, sass er für ebendiese Partei im Kantonsrat. Zu alledem wurde er 2017 in den Bezirksrat Uster gewählt – die Aufsichtsbehörde der Gemeinden.
Für seine Arbeit im Bezirksrat wurde Gantner von seiner Partei zwar geschätzt, allerdings prangerte sie «fehlende Loyalität» an, wie er damals selbst sagte. Der 57-Jährige war dafür bekannt, regelmässig von der Parteilinie abzuweichen. Für Schlagzeilen sorgte Gantner, als er im Herbst 2023 auf der Liste der Corona-Skeptiker-Bewegung Mass-Voll für den Nationalrat kandidierte. Ein Akt, der viele Parteimitglieder befremdete.
So kam es, dass der einst eingefleischte FDPler bei den Erneuerungswahlen für den Bezirksrat nicht mehr von der Partei unterstützt wurde. Prompt trat er, nach fast drei Jahrzehnten, aus der FDP aus und verzichtete auf die Bezirksratskandidatur. Damals sagte er: «Für mich ist es wie ein Befreiungsschlag, nun unabhängig politisieren zu können.» Wo er sich konkret politisch austoben wollte, war für ihn im Jahr 2024 aber noch unklar – bis jetzt.
Nicht auf der Wahlliste
In einer Mitteilung verkündet Gantner seine Kandidatur für die Exekutive. Damit wird er Teil des Kandidatenkarussells, das um einen Sitz im Gemeinderat buhlt. Einfach wird es für Gantner wohl nicht, das Volk von sich zu überzeugen – zumal seine Kandidatur sehr spät erfolgt. Die Wahlzettel und die offizielle Kandidatenliste sind schon in den Briefkästen verteilt.
Weshalb aber hat Gantner den Entschluss erst jetzt gefasst? Auf Anfrage sagt er, dass er sich schon im vergangenen Herbst ernsthaft mit einer Kandidatur auseinandergesetzt habe. Die aktuellen Ereignisse hätten seinen damaligen Entscheid jedoch gekippt. Er spricht die Projekte und Debatten an, die die Gemeinde derzeit beschäftigen: die Kredite zum Grossprojekt in der Looren, die Gemeindeversammlung selbst, «der politisch unkluge Antrag» in der Abstimmung zum Ausbau der Asylunterkünfte und die «erneute Instrumentalisierung der ‹Maurmer Post›».
Bei Letzterem spricht Gantner die Parteiparolen an, welche die «Maurmer Post» kürzlich abgedruckt hatte. Die Parteilosen wurden dabei für eine Wahlempfehlung nicht angefragt. «Die Abgehobenheit, die mangelnde Kommunikation, die gerügten Kompetenzüberschreitungen und die Handhabe», zählt Gantner auf, «bei der nun zweijährigen Dauerkrise bei der ‹Maurmer Post› irritieren mich und weite Teile der Bevölkerung zunehmend.»
Zudem spricht der 57-Jährige von einem Polit-Establishment, welches sich gegen einen Parteilosen positioniert habe. Denn die Parteien sprachen ihre Unterstützung ausschliesslich für die Bisherigen und für Mitglieder von Parteien aus. Einzig der parteilose Kandidat Thomas Renggli erhielt keine Rückendeckung.
Er wie auch Gantner schreiben für die «Maurmer Zeitung» regelmässig kritische Beiträge über die Arbeit des Gemeinderats. Für Gantner ist deshalb klar: «Es braucht einen Führungswechsel und neue Impulse im Gemeinderat.»