FDP Bezirk Uster kehrt Bezirksrat Alex Gantner nun definitiv den Rücken
Knatsch um Bezirksratswahl
Nach der Versammlung der FDP Bezirk Uster steht fest: Der bisherige Bezirksrat wird nicht mehr zur Wahl vorgeschlagen – ein seltenes Ereignis.
An der Delegiertenversammlung der FDP Bezirk Uster entschieden am Mittwochabend etwas über 20 Stimmberechtigte, den amtierenden Bezirksrat Alex Gantner aus Maur für die Wahlen im Februar 2025 nicht mehr aufzustellen. Damit bestätigt sich, was sich bereits Wochen zuvor abzeichnete.
An seiner Stelle empfiehlt die FDP Markus Blass aus Volketswil als Bezirksrat. Er hält seit 2017 das Amt als Ersatzmitglied des Bezirksrats inne. Auf seiner Position soll dafür Jennifer Günter aus Greifensee nachrücken.
Somit ereignete sich, was nur selten passiert. Denn normalerweise werden Personen, die es einmal in den Bezirksrat geschafft haben, stets wiedergewählt.
Was macht ein Bezirksrat?
Verletzen eine Behörde, ein Zweckverband, interkommunale und kommunale Anstalten die politischen Rechte, spricht der Bezirksrat ein Urteil in erster Instanz. Im Oberland kümmern sich darum die drei Bezirksräte Uster, Pfäffikon und Hinwil. Die Rechtsprecher in den Räten wählt das Volk jeweils für eine Amtsperiode von vier Jahren. (jgu)
Auf die offenen Ämter bewarben sich fünf Personen. Der Vorstand unterstützte letztlich Blass und Günter, zwei Personen zogen ihre Bewerbung zurück. Gantner forderte dann dennoch sein Glück heraus, obwohl bereits klar war, dass ihn der Vorstand nicht für die Wahl vorschlagen wollte.
An der Versammlung stellten sich die Kandidaten kurz vor, bevor sich die Stimmberechtigten unter sich berieten. Letztlich folgte die Versammlung dem Vorschlag des Vorstands.
Politisch uneins
«Der Abend verlief so weit ruhig, wir hatten keinen Schlagabtausch oder Ähnliches», sagt Patrick Kocher, Präsident der FDP Bezirk Uster.
Den Entscheid, den FDP-Bezirksrat nicht mehr zu nominieren, begründet Kocher mit Gantners politischer Vergangenheit in den letzten zwölf Monaten. Der Maurmer hatte im vergangenen Herbst auf der Liste der Corona-Skeptiker-Bewegung Mass-Voll für den Nationalrat kandidiert. Heute habe er damit aber nichts mehr zu tun, sagt Gantner. Aber auch als FDP-Kantonsrat von 2010 bis 2023 scheute er sich nicht, von der Parteilinie abzuweichen.
Der Vorstand und die Delegierten der FDP Bezirk Uster zogen nun ihre Konsequenzen und verzichteten darauf, Gantner für die Wiederwahl als Bezirksrat aufzustellen. Gantner wiederum zeigt sich gefasst und dennoch enttäuscht über die Entscheidung: «Nun weiss ich, was man von mir denkt. Das nehme ich mit auf meinen weiteren Weg.»
An der Versammlung sprach sich eine deutliche Mehrheit gegen seine Kandidatur aus, obwohl Gantners bisherige Arbeit im Bezirksrat seit über sieben Jahren nicht in der Kritik steht. «Seine Arbeit als Bezirksrat der letzten beiden Amtsperioden schätzen wir», beteuert der Präsident der FDP Bezirk Uster.
Zukunft von Gantner offen
Für Gantner reiht sich der Entscheid in die Chronologie von Ereignissen der letzten Jahre ein, als Parteien Personen aus Angst vor einer schlechten Reputation loswerden wollten. «Es passt in die heutige Zeit, wie man mit Politikern umgeht, die eine eigene Meinung haben und geradlinig politisieren.»
Welche Konsequenzen nun Gantner für sich zieht, möchte er noch nicht offenlegen. «Ich halte mir alle Optionen betreffend Parteizughörigkeit und Kandidatur bei den Bezirkswahlen offen», sagt Gantner.