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Ausgangslage vor den Wahlen

Sieben sind einer zu viel: Die Sitze in Maur sind umkämpft

Es hätten ruhige, fast schon friedliche Wahlen werden können. Doch ein Kandidat mischt den Wahlkampf in Maur auf.

Die Parteien in Maur hätten die Gemeinderatssitze praktisch unter sich aufteilen können, da prescht plötzlich der grösste Kritiker dazwischen.

Foto: Simon Grässle

Sieben sind einer zu viel: Die Sitze in Maur sind umkämpft

Ausgangslage vor den Wahlen

Es hätten ruhige, fast schon friedliche Wahlen werden können. Doch ein Kandidat mischt den Wahlkampf in Maur auf.

Für den Gemeinderat in Maur sind insgesamt sechs Sitze zu vergeben, Interessierte gibt es jedoch sieben. Rob Labruyère (parteilos) dürfte dabei ein leichtes Spiel haben. Er stellt sich als Einziger für das Präsidium der Schulpflege zur Wahl und erhält somit automatisch einen Sitz in der Exekutive. Somit steht er nicht in direkter Konkurrenz zu den sieben Interessierten, die um die Gunst des Stimmvolks kämpfen müssen.

Nicht mehr zur Wahl angetreten sind Urs Rechsteiner (Die Mitte) und Alexander Lenzlinger (FDP). Das bietet anderen Parteien die Möglichkeit, die Plätze anzugreifen.

Allen, und auch als einzige Partei, geht die SVP voran. Sie stellt mit Catherine Gerwig derzeit eine Vertreterin. Nun sollen es aber zwei werden. Zum Hoffnungsträger wurde Reto Surbeck ernannt, der Präsident der lokalen Partei. Für ihn gibt es nun eine gute und eine schlechte Nachricht.

Erst die gute: Die Mitte gibt sich mit nur einem Sitz zufrieden und verteidigt den frei werdenden Sitz von Urs Rechsteiner nicht. Die Bisherige Claudia Bodmer ist die einzige Kandidatin der Mitte-Partei. Zu alledem halten sich auch die weiteren Parteien zurück.

Die GLP sowie die FDP zeigen sich mit ihrer aktuellen Anzahl an Sitzen einverstanden. So stellt sich für Erstere Thomas Hügli wieder zur Wahl. Für Zweitere ist es der amtierende Gemeindepräsident Yves Keller, dessen Position unumstritten ist. Die Freisinnigen schicken als Ersatz für Alexander Lenzlinger ausserdem Roland Bischofberger ins Rennen.

Nun zur schlechten Nachricht für alle in diesem Artikel bisher erwähnten Kandidierenden: Eigentlich wäre die Rechnung bis dahin aufgegangen. Für jede Person hätte es einen verfügbaren Sitz gegeben, jedoch sprengt ein weiterer Kandidat das Vorhaben.

Erst die «Maurmer Post», jetzt der Gemeinderat

Der Parteilose Thomas Renggli will ebenfalls den Sprung in den Gemeinderat schaffen. Mit seiner Kandidatur verhindert er spannungslose Wahlen. Oder anders ausgedrückt: Er wirbelt die Wahlen ordentlich durch.

Denn der Journalist und Autor hat mit dem Gemeinderat eine Vorgeschichte. Von Mai 2023 bis März 2024 war er interimistischer Chefredaktor der «Maurmer Post», deren Herausgeberin die Gemeinde ist. Rengglis befristeter Vertrag wurde damals nicht verlängert.

Die Entscheidung fiel während einer Krise, die aufgrund der Berichterstattung über das Tötungsdelikt im Sponstürli entstanden war. Im besagten Artikel sah sich die Gemeinde mit schweren Vorwürfen konfrontiert, erhielt jedoch keine Möglichkeit zur Stellungnahme. Renggli war zwar nicht der Autor. In seiner Funktion als Chefredaktor wurde ihm seitens der damaligen Kommission des Gemeindeblatts jedoch die publizistische Verantwortung für die Inhalte zugeschrieben.

Ein Mann sitzt auf einem Stuhl, vor ihm liegt ein Laptop auf einem Tisch.
Thomas Renggli, einst Chefredaktor der «Maurmer Post», jetzt Gemeinderatskandidat.

Nach seinem Abgang bei der «Maurmer Post» rief Renggli die «Maurmer Zeitung» ins Leben. In den Artikeln findet er viel Kritik für den Gemeinderat. Und jetzt will ausgerechnet er Teil ebendieses Gremiums sein. Ist es demnach ein Rachefeldzug? Renggli verneint. Vielmehr solle das Stimmvolk bei den Wahlen eine Alternative haben, erklärte sich der Parteilose nach dem Verkünden seiner Kandidatur.

Das Verhältnis zwischen dem in Ebmatingen wohnhaften Familienvater, der sich als «eingemitteter Linker» bezeichnet, und einzelnen Gemeinderatsmitgliedern ist aber eher von Anspannung als von Freundschaft geprägt.

In der dritten Person schrieb Renggli über einen Anlass in Maur, an dem er selbst teilnahm, dass «der abtretende Hochbauchef Urs Rechsteiner dem parteilosen Kandidaten Thomas Renggli demonstrativ den Handschlag verweigerte». Diese Geste dürfte dabei auf den Konflikt zur Berichterstattung über das Tötungsdelikt zurückgehen. Denn Rechsteiner ist der Vorsteher jener Abteilung, die mit schweren Vorwürfen belastet wurde.

Die Kandidaten für den Gemeinderat Maur

Roland Bischofberger (FDP, neu)

Claudia Bodmer-Furrer (Die Mitte, bisher)

Catherine Gerwig (SVP, bisher)

Thomas Hügli (GLP, bisher)

Yves Keller (FDP, bisher), auch als Präsident (bisher)

Thomas Renggli (parteilos, neu)

Reto Surbeck (SVP, neu)

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