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Nach langem Kampf

Parkplätze der Badi Auslikon werden ersatzlos gestrichen

Dass die Parkplätze bei der Badi Auslikon aufgehoben werden, ist schon lange bekannt. Ein Ersatz sollte am Dorfrand erstellt werden. Zum Unmut der Anwohnenden, die sich wehrten. Ersatz gibt es jetzt keinen.

Die nördlich gelegenen Parkplätze bei der Badi Auslikon werden ersatzlos gestrichen.

Foto: Simon Grässle

Parkplätze der Badi Auslikon werden ersatzlos gestrichen

Nach langem Kampf

Dass die Parkplätze bei der Badi Auslikon aufgehoben werden, ist schon lange bekannt. Ein Ersatz sollte am Dorfrand erstellt werden. Zum Unmut der Anwohnenden, die sich wehrten. Ersatz gibt es jetzt keinen.

Der Kanton hat entschieden: Die 130 Parkplätze Auslikon Nord werden bis Ende 2027 ersatzlos zurückgebaut. Bis es soweit ist, kann man noch gegen eine Gebühr parkieren. Auf die ehemals geplanten Parkplätze beim Dorfeingang wird verzichtet, sowie auch auf einen Ersatz an einem anderen Standort. Dafür werden 100 zusätzliche Veloabstellplätze errichtet.

Für einige Auslikerinnen und Ausliker sind das erfreuliche Neuigkeiten. Die IG Kein Parkplatz am Dorfrand von Auslikon kämpft schon seit längeren gegen den Plan der einst geplanten Parkplätze am Ausliker Dorfrand – und kann nun aufatmen. «Wir freuen uns, dass wir diesen Plan verhindern konnten», sagt Willi Schellenberg, ein Mitgründer der IG. 

Dass es überhaupt zu Unruhen in der Pfäffiker Aussenwacht kam, liegt an den Massnahmen des Konzepts «Mobilität und Umwelt Pfäffikersee», das der Kanton 2019 gemeinsam mit den Gemeinden Seegräben, Wetzikon und Pfäffikon verabschiedet hat. Seit Jahrzehnten ist das Gebiet um den Pfäffikersee beim Kanton ein Dauerthema, da die Region zu den beliebtesten Naherholungsgebieten des Kantons zählt. An Wochenenden, Feiertagen und generell bei schönem Wetter strömen viele Besuchende dorthin.

Gleichzeitig bedeutet das verkehrstechnisch eine Belastung für Anwohnende und die Umwelt. Das Mobilitätskonzept soll die Natur schützen und den Verkehr in den Griff bekommen. Daraus resultierte unter anderem das Parkleitsystem in den drei betroffenen Gemeinden. Zu den weiteren Massnahmen gehörten die Schliessung des Campingplatzes Auslikon wie auch die Aufhebung der genannten Parkplätze auf der Pfäffiker Seite der Badi, weil sich diese auf dem Moorschutzgebiet befinden.

Ein langer Streit um Campingplatz und Parkplätze

Bereits 2019 wehrten sich die Auslikerinnen und Ausliker dagegen und forderten, dass Campingplatz und Parkplatz erhalten bleiben. Erfolglos, denn der Campingplatz wurde 2023 geschlossen. Ausserdem wurde der nördliche Parkplatz von 260 auf 130 Parkplätze beschränkt und kostenpflichtig – auch die Tarifhöhe geriet unter Kritik, denn für einen ganzen Tag zahlt man 12 Franken.

Um das Parkplatzangebot zu erhalten, plante der Kanton, die 130 übrig gebliebenen Plätze an den Rand des Ausliker Dorfs zu verschieben – als Ersatz. Doch das war den Auslikerinnen und Auslikern definitiv zu viel. Sie gründeten die Interessengemeinschaft Kein Parkplatz am Dorfrand von Auslikon, um die Verschiebung zu verhindern.

Der Parkplatz wäre rund einen Kilometer von der Badi entfernt gewesen. Eine Argumentation der IG war, dass die Distanz für Besuche in der Badi zu gross sei. «Man weiss, dass Badi-Besuchende keinen kilometerlangen Marsch auf sich nehmen, um zur Badi zu gelangen», sagt Schellenberg. Der Ersatzparkplatz hätte Besucherinnen und Besucher angelockt, die ein anderes Ausflugsziel als die Badi hätten.

Kanton verzichtet gänzlich auf eine Alternative

Die Auslikerinnen und Ausliker konnten so viel Druck ausüben, dass der Kanton im Jahr 2024 ankündigte, andere Standorte zu prüfen. «Wir haben den Widerstand in Auslikon ernst genommen», sagt Johanna Gerdes, Projektleiterin Gesamtverkehrsplanung beim Amt für Mobilität. So wurden die Parkplatzsituation und ein allfälliger Ersatzstandort in den letzten Monaten erneut überprüft.

Analysiert wurden die Auslastung der Parkplätze und die Herkunft der Personen, die diesen tatsächlich nutzten. Dabei erkannte der Kanton, dass sowohl der Parkplatz bei der Badi Auslikon als auch der Parkplatz beim Bootssteg in Wetzikon nur an wenigen Tagen und selbst dann jeweils nur für einige Stunden vollständig ausgelastet gewesen ist. «Wenn man die Auslastung auf die Badi-Saison hochrechnet, waren die beiden Parkplätze knapp vier Prozent davon voll», sagt Gerdes.

Somit verzichtet der Kanton ganz auf einen Ersatz. Das heisst, dass der Badi Auslikon gesamthaft 260 Parkplätze fehlen werden. Dafür werden die 142 Parkplätze beim Bootssteg inklusive der 35 Bootsabstellplätze in den kommenden Jahren aufgewertet. «Möglichst naturnah und mit hohem Grünanteil», erklärt Gerdes.

Parkplatz Bootssteg
Der Parkplatz beim Bootssteg bleibt erhalten und wird in den kommenden Jahren aufgewertet.

Trotzdem ein Wermutstropfen

Dass nun der geplante Parkplatz am Dorfrand von Auslikon nicht errichtet wird, sieht die IG als Erfolg. Trotzdem gibt es einen Wermutstropfen. «Wir finden es nach wie vor schade, dass der Campingplatz weg ist und der ursprüngliche Parkplatz abgeschafft wird», sagt der IG-Mitgründer Schellenberg. «Wir müssen somit sagen, dass das Verhindern des erwähnten Parkplatzes am Dorfrand ein Kompromiss ist.»

Die Auslikerinnen und Ausliker – mit Ausnahme der Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen – würden den Parkplatz am See nicht benötigen. «Es gibt sogar Stimmen im Dorf, die sagen, dass es gut ist, dass dieser zurückgebaut wird», sagt Schellenberg. Der Gang zum See sei ohne Autoverkehr viel angenehmer. Die Situation sei jedoch trotzdem ein zweischneidiges Schwert. «Man muss die Natur schützen, kann aber nicht allen Menschen die Möglichkeit bieten, diese zu geniessen.» Gerade Erholungsuchende aus den nahen Städten würden so praktisch an fernere Orte verwiesen.

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