«Die Schliessung des Campingplatzes ist ein Wermutstropfen»
Mit jährlich 750’000 Besuchern gehört das Gebiet um den Pfäffikersee zu den beliebtesten Erholungs- und Ausflugsgebieten im Kanton Zürich. Alleine der Juckerhof in Seegräben zieht jedes Jahr eine halbe Million Ausflügler an. Ökologisch sei die Situation heute an der Belastungsgrenze, sagte Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) an der Pressekonferenz zum Mobilitätskonzept Pfäffikersee. «Deshalb braucht es eine neue Lösung.»
Diese Erkenntnis ist allerdings nicht neu: Seit beinahe zehn Jahren macht sich der Kanton Gedanken darüber, wie er die Verkehrsströme und den Natur- und Landschaftsschutz möglichst gut miteinander vereinbaren kann. Am Montagnachmittag haben Neukom und Regierungsratspräsidentin Carmen Walker Späh (FDP) die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Es sei darum gegangen, die Landschafts-, Natur- und Erholungsqualität zu erhalten. Aufgrund ihres Besucheraufkommens seien der Juckerhof sowie die Badi, der Campingplatz und der Bootsplatz in Auslikon im Zentrum der Massnahmen gestanden.
Ein Kilometer zu Fuss
Die in Pfäffikon vorgestellten Pläne beinhalten auch einige unpopuläre Massnahmen. So wird der Betrieb des Campingplatzes Auslikon mit seinen 150 Stellplätzen per Ende 2023 aufgegeben. Die Schliessung sei ein Wermutstropfen, sagte Walker Späh. Der Betrieb sei bei den heutigen Rahmenbedingungen allerdings nicht mehr möglich.
Einen Kahlschlag gibt es beim Parkplatz im Norden der Badi Auslikon. Die 280 Plätze werden – mit ein paar wenigen Ausnahmen fürs Personal – komplett aufgehoben und an die Bahnlinie bei Auslikon verlegt. Vom neuen Parkplatz aus wird man den letzten Kilometer bis zur Badi künftig also zu Fuss absolvieren müssen. Der kleinere Parkplatz im Süden der Badi wird nur geringfügig verschoben. Dort wird es 142 Parkplätze geben, davon 35 Bootsabstellplätze.
Keine Maximalforderungen
Der vom Regierungsrat präsentierte Katalog umfasst daneben fünf weitere Massnahmenpakete:
- Verkehr Seegräben: Verbesserung der ÖV-Freizeiterschliessung, Ersatz für wegfallende Parkplätze im Aatal sowie Ausweitung der «Phase Rot».
- Ruetschbergstrasse auf Gemeindegebiet Pfäffikon: Verlegung zwischen Holzweid und Faichrüti zugunsten des Radrundwegs, Verkehrsberuhigungsmassnahmen im Weiler Ruetschberg und Verlegung der Kleinstparkplätze entlang der Ruetschbergstrasse auf das ARA-Areal.
- Bewirtschaftung der Parkplätze: In Abstimmung mit den entsprechenden Konzepten der Gemeinden sollen Gebühren erhoben werden.
- Verlegung der Parkplätze aus dem Moorschutz- an den Rand des Landschaftsschutzperimeters. Massnahmen zur Aufwertung respektive «Rückgabe» der freiwerdenden Moorflächen sind Bestandteil des Pakets.
- Veloverkehr: Einrichtung neuer Abstellanlagen und eines Veloverleihsystems.
Die beiden Regierungsräte wurden nicht müde zu betonen, eine ausgewogene Lösung gefunden zu haben. «Wir haben einen guten Kompromiss gefunden», sagte Walker Späh. «Jeder musste von seiner Maximalforderung abrücken.» Neukom sprach von einer Lösung «mit der alle einverstanden sein können».
Als weiteres Vorgehen wird eine Trägerschaft gebildet, die eine koordinierte Umsetzung des Gesamtkonzeptes und die dafür erforderlichen Finanzierung sicherstellen soll. Den Lead übernimmt die Region Zürcher Oberland. Weiter werden die nötigen Richtplanänderungen durch Kanton und Gemeinden eingeleitet und das Verfahren in Gang gesetzt, das für die Übergangsbewilligungen von Badi und Camping Auslikon erforderlich ist. Wie Walker Späh betonte, brauche es in den Gemeinden aber noch Überzeugungsarbeit, damit die geplanten Massnahmen auch umgesetzt werden können.