Ein Jahr ohne Campingplatz Auslikon: «Es ist nicht mehr dasselbe»
Zeltklub Zürichsee-Oberland
Jahrzehntelang war der Zeltklub Zürichsee-Oberland in Auslikon zu Hause. Nun sind die Mitglieder in alle Richtungen verstreut, wie Präsident Willi Wohlgemuth erzählt.
Von April bis Oktober dauerte jeweils die Saison auf dem Campingplatz Auslikon. Doch in diesem Jahr war alles anders. Die Mitglieder des Zeltklubs Zürichsee-Oberland (ZKZO) konnten ihre Wohnwagen im Frühling nicht mehr zum Pfäffikersee fahren, da der Campingplatz Ende 2023 aufgehoben wurde.
Klubpräsident Willi Wohlgemuth, der bereits seine Kindheit in Auslikon verbracht hat, fiel nicht nur der Abschied schwer, auch der Wechsel zum Campingplatz in Saland lief nicht so wie geplant. Dort könnte zwar während des ganzen Jahrs campiert werden. «Aber das winterfeste Vorzelt, das ich bestellt hatte, kam nicht rechtzeitig», erzählt er.
Zudem musste er sich im letzten Winter einer sechsstündigen Operation am Herzen unterziehen lassen, von der sich sein Körper nach wie vor nicht ganz erholt hat. «Da stand erst einmal alles still, auch die weitere Planung allfälliger Vereinsaktivitäten musste warten.»
Finanzielles Polster
Nun blickt er auf das erste Jahr ohne Campingplatz Auslikon zurück. «Es hat mich überrascht, dass wir kaum Vereinsaustritte zu verzeichnen hatten», sagt der 74-Jährige. Der Klub sei «massiv überaltert», einen Verein nicht gleich zu verlassen vielleicht ein Zeichen seiner Generation.
Oder es liegt daran, dass der Klub schon seit Längerem auf Mitgliederbeiträge verzichtet. «Wir haben ein gutes finanzielles Polster», so der ZKZO-Präsident. Nicht zuletzt darum, weil der Klub der Grundeigentümer eines Grossteils des Campingplatzes war. Das Grundstück sei mittlerweile vom Kanton gekauft worden.

Die Verkaufsverhandlungen hätten sich über fast zwei Jahre hingezogen, bevor im August 2023 die Verträge unterzeichnet werden konnten. Ursprünglich hatte der Klub rund 100’000 Franken für den Boden bezahlt. Für den Verkauf an den Kanton habe man einen Deal geschlossen. «Wir haben zwar nur einen Bruchteil davon vom Kanton erhalten», sagt Wohlgemuth. «Dafür können wir nicht mehr für allfällige Altlasten belangt werden, die eventuell im Boden noch auftauchen.»
Im Sommer sei er noch ein paar Mal in Auslikon zu Besuch gewesen. «Um wieder einmal mit dem Kioskpersonal einen Kaffee zu trinken.» Aber weniger oft als ursprünglich geplant.
Klubreise als grosses Wiedersehen
Viele der fixen Anlässe im Vereinskalender seien nun weggefallen, etwa das Muttertagsessen oder die 1.-August-Feier. An anderem halte man weiterhin fest: Generalversammlung im Frühling, Klubreise im Sommer, Adventsfeier im Dezember.
Die Klubreise führte nach Wagenhausen nahe Stein am Rhein, wo einige Mitglieder des ZKZO einen neuen Stammplatz auf einem Campingplatz gefunden haben – ein komplett anderer Platz als damals in Auslikon, mit Jurten zum Mieten und einem dazugehörigen Hotel.
Rund 20 Klubmitglieder seien gekommen – manche mit dem Wohnwagen, andere hätten ihre Schlafplätze vor Ort gemietet. «Es war schön, so viele wiederzusehen, wir hatten uns viel zu erzählen», erzählt Wohlgemuth, der sich für das verlängerte Wochenende für die Variante Hotel entschieden hatte.
Auflösung kein Thema
Es sei das «erste Schrittli weg von Auslikon» gewesen. «Vielleicht gibt es nächstes Jahr die Möglichkeit, dass alle im Rahmen einer Rally mit ihrem Wohnwagen an einen Ort fahren.» Allerdings hätten manche Mitglieder ihre Wohnwagen mittlerweile verkauft. «Eine richtig grosse Wagenburg wird es so oder so nicht geben.»
Trotz der Veränderungen sei die Stimmung nach wie vor gut. Eine Auflösung des Vereins ist nach wie vor kein Thema. «Aber es ist halt nicht mehr dasselbe. Es tut weh, dass man sich nicht mehr so oft sieht.»
Sein Jahr sei nach seiner Operation und der einmonatigen Höhenkur primär mit Einrichten in Saland weitergegangen. «In Auslikon sollte alles möglichst leicht gebaut sein und schnell demontiert werden können.» In Saland muss der Wohnwagen auch den Wintermonaten standhalten.
Aufgrund des nassen Frühlings und des unbeständigen Sommers konnte Wohlgemuth – der in Mönchaltorf lebt – denn auch nicht so viel Zeit in seinem «neuen Zuhause» verbringen, wie er gehofft hatte. Zudem empfinde er das Campingleben in Saland bisher als distanzierter als es in Auslikon gewesen war. «Aber was nicht ist, kann ja noch werden.»