Wie das «Annam» Sri Lankas Aromen auf den Wetziker Teller bringt
Ein Familienbetrieb mit Leidenschaft: Im Restaurant Annam kann man von der Wetziker Industrie aus ganz leicht nach Sri Lanka reisen – zumindest geschmacklich.
Aus der Küche weht der Duft von geröstetem Curryblatt und Kokosmilch. In der Pfanne zischt es, Kardamom und Zimt steigen in die Luft. Der Chef, Ketheeswaran Saravanamuthu, steht in der Küche, schwingt die Kelle und serviert Köstlichkeiten aus Fernost. Der Geruch erfüllt den schlichten, rustikalen Gastraum – und läutet eine Reise nach Sri Lanka ein.
Aschwin Ketheeswaran deckt gerade die Tische für den Abendbetrieb. Er ist der Sohn des Pächters, der hier an der Zürcherstrasse 55 in Wetzikon das sri-lankische Restaurant Annam unterhält. Obschon sich das Restaurant gut erreichbar an der Hauptstrasse in Richtung Uster befindet, ist vom Verkehr nicht viel zu hören.
Versteckt zwischen Industrie, ragt das kleine Restaurant hervor und lockt sowohl mittags wie auch abends mit indisch und sri-lankisch inspirierten Gerichten wie Butter Chicken, Kottu Roti, Dhal Curry oder würzigen Fleischgerichten.
Sommerserie «Kulinarische Weltreise»
Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah: Wir präsentieren Restaurants der Region, in denen Ferienfeeling aufkommt, wenn es mit der Reise ins ferne Land nicht klappt.
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Ein Stück Heimat
Aschwin Ketheeswaran, der 25-jährige Pflegestudent, hilft oft am Abend oder am Wochenende im Restaurant seiner Eltern aus. «Ich mache das gerne, es ist ein guter Ausgleich zum Studium, und zusammen mit meinem Vater macht es noch mehr Spass», so Ketheeswaran. Er selbst ist in der Schweiz geboren, ist aber mit der sri-lankischen Küche und deren Gewürzvielfalt aufgewachsen.
«Obwohl ich nur in den Ferien in Sri Lanka bin, verbinde ich ein grosses Stück Herkunft damit», erzählt er. Vor allem aber seine Eltern haben eine tiefe Verbundenheit mit ihrer Heimat. Sie sind in den späten 1980er Jahren in die Schweiz geflüchtet, weil in Sri Lanka der Bürgerkrieg wütete. «Viele Rezepte, die wir heute im ‹Annam› kochen, sind von meinen Grosseltern inspiriert, die immer noch im Norden der Insel wohnen.»
Der 55-Jährige kennt das Restaurant im Wetziker Industriegebiet wie seine Westentasche. «Mein Vater hat hier in der Küche mitgeholfen, damals war es aber mehrheitlich noch ein Schweizer Mittagsangebot», erzählt der Sohn.
Die damalige Pächterin wollte nicht mehr weitermachen und hat Saravanamuthu gefragt, ob er übernehmen wolle. «Mein Vater liebt das Kochen, und das auch noch mit seiner Heimat zu verbinden, war schon immer sein Traum. Da war die Entscheidung klar.»
Für alle Ernährungsformen
Seit 2018 bekocht die Familie nun schon die Wetzikerinnen und Wetziker mit Spezialitäten aus dem Raum des Indischen Ozeans. «Wir wollen unsere Gäste dazu animieren, die Vielfältigkeit der sri-lankischen Küche zu entdecken. Es gibt weit mehr als Kottu Roti», so Ketheeswaran.
So gebe es beispielsweise auch für Vegetarier und Veganer viele Möglichkeiten, kulinarisch auf ihre Kosten zu kommen. «Sri Lanka ist vorwiegend hinduistisch und buddhistisch geprägt, und Fleisch ist teuer – mit Gewürzen und Aromen schaffen wir eine Alternative, die sich mit vielen Ernährungsformen vereinen lässt.»
Sri Lanka – Land der Teehügel, Strände und Aromen
Sri Lanka, die «Perle des Indischen Ozeans», ist etwa 65’000 Quadratkilometer gross und hat rund 22 Millionen Einwohner. Das Land vereint goldene Strände im Süden, kühle Hochlandregionen im Zentrum und artenreiche Nationalparks im Osten und bietet damit kulturell und landschaftlich etwas für jeden Reiseenthusiasten: Sowohl Kulturfans als auch Surfsport-Begeisterte oder Wanderfreudige kommen auf ihre Kosten.
Die Vielfalt des Inselstaats zeigt sich auch in dessen Küche. Sie ist stark von indischen Einflüssen geprägt und spiegelt die komplexe Geschichte der Insel wider. Handel, Kolonialzeit und die Lage im Indischen Ozean haben eine kulinarische Vielfalt hervorgebracht, in der Gewürze wie Zimt, Kardamom oder Curryblätter zentrale Rollen spielen.
Typische Gerichte kombinieren Reis, Linsen, Gemüse, Fleisch oder Fisch auf vielfältige Weise und präsentieren ein Zusammenspiel von Schärfe, Säure und Süsse. So bietet die Küche einen direkten Einblick in die kulturelle und historische Identität Sri Lankas.
Dennoch kämen im Restaurant auch Fleischliebhaber auf ihre Kosten, und zwar nicht zu kurz. «Wir haben unsere Gerichte an den Schweizer Gaumen angepasst und sind deshalb schon recht fleischhaltig – deshalb gibt es neben indischen und sri-lankischen Gerichten auch Cordon bleu im ‹Annam› zu geniessen. Ausserdem haben wir auch die Schärfe gedrosselt», erzählt Ketheeswaran schmunzelnd.
Sri-lankische Wurzeln und Schweizer Kultur
«Kochen und Essen ist für Tamilen nicht einfach eine Art der Nahrungsaufnahme, es ist Teil des Lebens und wird in der Familie gross zelebriert», erzählt der 25-jährige Sohn. Oft vermisse sein Vater seine Heimat, seine Eltern, den Geruch des Meers oder das Gewusel auf den Gewürzmärkten. Dennoch sei die Schweiz ihr Zuhause, das sie nicht missen wollten.
Im «Annam» könnten sie die sri-lankischen Wurzeln mit der Schweizer Kultur verbinden: Den Oberländerinnen und Oberländern einen Einblick in die kulinarische Vielfalt der sri-lankischen Küche zu geben, das ist die Motivation der Familie.
«Das ‹Annam› soll nicht einfach ein Ort für Zmittag oder Znacht sein», erläutert Ketheeswaran. «Es soll die Sinne mit auf eine Reise nehmen und vielleicht den Horizont für ein wunderbares Land öffnen, das unsere Familie Heimat nennt.»
Butter Chicken mit sri-lankischem Twist
Sri Lanka schmecken – von zu Hause aus. Das ist ganz leicht mit dem Butter-Chicken-Rezept von Ketheeswaran Saravanamuthu: Es ist ein Klassiker der indischen Küche, bietet aber mit wenigen Ergänzungen ebenfalls einen Einblick in die sri-lankische Gewürzvielfalt.

Zutaten für 4 Portionen:
800 g Pouletbrust
10 g Kurkumapulver
1 EL Olivenöl
4 EL Butter
2 gehackte Zwiebeln
2 Knoblauchzehen und eine kleine Knolle Ingwer (Ingwer-Knoblauch-Paste)
etwa 60 Cashewnüsse
1–2 Chilischoten, gehackt
2 TL Garam Masala, verfeinert mit Zimt, Kurkuma und Curryblatt für den sri-lankischen Geschmack
500 g passierte Tomaten
200 ml Rahm oder Kokosmilch für den sri-lankischen Twist
Zubereitung:
Poulet in mundgerechte Stücke schneiden, in Kurkuma marinieren und anschliessend etwa 30 Minuten ziehen lassen. In der Zwischenzeit Ingwer in kleine Stücke schneiden und zusammen mit dem Knoblauch zu einer Paste pürieren. Ein paar der Cashewnüsse anrösten und zur Seite stellen. Öl in die Pfanne geben, die Pouletstücke kräftig anbraten und anschliessend ruhen lassen.
In derselben Pfanne die gehackten Zwiebeln anbraten. 2 EL Butter in die Pfanne zugeben und schmelzen lassen. Anschliessend die Ingwer-Knoblauch-Paste und die Cashewnüsse zugeben und kurz mitbraten. Die passierten Tomaten, Garam Masala und die Chilischoten zugeben und 5 Minuten köcheln lassen.
Dann den Rahm oder die Kokosmilch langsam unterrühren. Die Sauce fein pürieren und zurück in die Pfanne geben. Die angebratenen Pouletstücke und die restliche Butter hinzugeben und köcheln lassen. Das Butter Chicken in einer kleinen Kupferschüssel servieren und mit den angerösteten Cashewnüssen garnieren. Mit Reis und/oder Naan respektive Roti servieren.