Publizistische Leitlinien der Zürcher Oberland Medien
Diese Leitlinien, zusammen mit dem Journalistenkodex und den Richtlinien des Schweizer Presserats definieren den professionellen, ethischen und qualitativen Rahmen für die redaktionelle Arbeit für Redaktorinnen und Redaktoren, aber auch für freie Mitarbeitende der Zürcher Oberland Medien. Sie richten sich an alle Mitarbeitenden, die Inhalte recherchieren, herstellen, auswählen, bearbeiten oder publizieren. Die Mitarbeitenden verpflichten sich, diese Leitlinien zu kennen und sie täglich anzuwenden. Ziel ist es, glaubwürdigen, verantwortungsvollen und transparenten Journalismus sicherzustellen.
Die Art und Weise unserer Arbeit basiert zudem auf unserem Mission Statement.
1. Grundhaltungen und Prinzipien
- Wir informieren unabhängig von politischen, wirtschaftlichen oder persönlichen Interessen.
- Wir liefern journalistische Inhalte, die relevant, verlässlich und verständlich sind.
- Wir fördern eine offene, faktenbasierte Debatte und leisten einen Beitrag zu einer informierten Öffentlichkeit.
- Wir arbeiten fair, respektvoll und selbstkritisch, und wir beachten die Gleichwertigkeit aller Menschen.
- Wir beleuchten gesellschaftliche und politische Diskussionen aus einer gesellschaftlich liberalen Sicht.
- Unsere Arbeit soll zu einer demokratischen Meinungsbildung beitragen.
2. Themenwahl
- Themen orientieren sich an ihrer gesellschaftlichen, lokalen oder individuellen Relevanz (insbesondere geografische Nähe, Einfluss auf Bevölkerung, Aktualität, Brisanz).
- Unsere Berichterstattung orientiert sich an den Bedürfnissen unserer Leserinnen und Leser gemäss dem User-Needs-Modell.
- Wir berücksichtigen unterschiedliche Perspektiven und fördern Vielfalt in der Themenauswahl.
- Die Priorisierung erfolgt in erster Linie nach publizistischem Wert und nicht nach Interessen einzelner Gruppen.
- Sensibilitäten in der Bevölkerung werden berücksichtigt, ohne eine Berichterstattung deswegen zu vermeiden.
3. Dialog mit Nutzerinnen und Nutzern
Umgang mit Rückmeldungen
- Rückmeldungen aus der Leserschaft werden ernst genommen und zeitnah und in sachlichem Ton beantwortet.
- Kritik hilft uns, Themen, Darstellungsformen und Prozesse zu verbessern.
- Unkonstruktive Schmähungen dürfen unbeantwortet bleiben; Drohungen werden an die Chefredaktion gemeldet.
Community-Interaktionen
- Online-Diskussionen werden moderiert, um respektvollen Austausch zu ermöglichen.
- Eingaben aus der Community sind wertvoll, werden ernst genommen und gründlich.
- geprüft. Es liegt im Ermessen der Redaktion, ob daraus ein Beitrag entsteht.
- Bei Regelverstössen (Hassrede, Diskriminierung, Gewaltandrohung, Spam) werden Kommentare gelöscht und gegebenenfalls Nutzer gesperrt.
4. Besondere Sorgfalt in heiklen Fällen
- Bei Themen wie Gewalt, Katastrophen, Justizfällen, Kindern oder Angehörigen von Opfern gelten erhöhte Sorgfalts- und Qualitätsanforderungen.
- Betroffene sollen nicht unnötig stigmatisiert oder belastet werden.
- Alle relevanten Fakten müssen doppelt geprüft und sorgfältig kontextualisiert sein.
- Politische Berichterstattung erfolgt ausgewogen, transparent und ohne manipulative Elemente.
- Wir betreiben faktenbasierten Journalismus und bekennen uns zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. Entsprechend kommen bei uns nur in begründeten Ausnahmefällen Personen aktiv zu Wort, die wissenschaftlich erhärtete Fakten ablehnen.
- Fake-News nennen wir beim Namen und decken sie auf.
5. Berichterstattung über Gewalt, Unfälle und Katastrophen
- Sensationsdarstellungen werden vermieden.
- Bilder und Videos werden nur verwendet, wenn sie notwendig und verantwortbar sind.
- Privatpersonen und Angehörige werden geschützt.
- Wir vermeiden Darstellungen, die traumatisieren oder Opfer erneut verletzen könnten.
6. Persönlichkeitsrechte und Schutz von Betroffenen
- Die Unschuldsvermutung gilt immer – auch indirekt durch Bild- oder Wortwahl.
- Privatpersonen geniessen besonderen Schutz; überwiegt das Interesse am Schutz der Privatsphäre das Interesse der Öffentlichkeit an einer identifizierenden Berichterstattung, veröffentlichen Journalisten weder Namen noch andere Angaben, welche die Identifikation einer Person durch Dritte ermöglichen.
- Ihre Identität wird nur offengelegt, wenn es eindeutig im öffentlichen Interesse liegt.
- Kinder und Jugendliche werden niemals identifizierbar gezeigt, ausser mit entsprechender Einwilligung.
- Bei Fehlern korrigieren wir transparent und zeitnah.
7. Transparenz und Umgang mit Quellen
- Informationen müssen verifiziert sein; ideal ist Bestätigung durch unabhängige Quellen.
- Wir schützen unsere Quellen, wenn das notwendig ist.
- Anonyme Quellen werden nur genutzt, wenn ihre Glaubwürdigkeit intern sichergestellt ist und ein erhebliches öffentliches Interesse besteht.
- Quelleninteressen werden reflektiert und dürfen die Berichterstattung nicht dominieren.
- Gefälschte oder manipulierte Inhalte (z.B. Deepfakes) werden nicht eingesetzt.
8. Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI)
- KI darf bei Recherche, Strukturierung und Produktion unterstützen, ersetzt aber nicht journalistische Verantwortung.
- KI-generierte Inhalte müssen klar als solche erkennbar sein.
- Faktencheck und Endkontrolle erfolgen immer durch redaktionelle Mitarbeitende.
- KI darf nicht zur Irreführung oder Täuschung eingesetzt werden.
9. Recherche
- Recherche erfolgt gründlich, fair und mit Respekt gegenüber allen Beteiligten.
- Betroffene erhalten Gelegenheit zur Stellungnahme, bevor über sie berichtet wird.
- Täuschende Methoden (verdeckte Recherche) sind nur zulässig, wenn kein anderes Mittel zum Ziel führt und ein erhebliches öffentliches Interesse besteht.
- Dokumente, Statistiken, Zahlen und Behauptungen werden überprüft und kontextualisiert.
10. Journalistische Arbeitsweise
- Fakten und Meinung sind strikt zu trennen.
- Headlines und Teaser dürfen nicht irreführen oder übermässig dramatisieren.
- Sprache und Bilder sollen der Wahrheit entsprechen, nicht überhöhen.
- Wir bieten Orientierung durch Einordnung, nicht durch Aktivismus oder Moralisierung.
- Fehler werden offen kommuniziert und korrigiert.
- Es wird keine diskriminierende und hetzerische Sprache verwendet.
11. Integrität und Interessenkonflikte
- Mitarbeitende legen allfällige Interessen offen, die mit Themen kollidieren könnten.
- Geschenke, Vorteile oder Einladungen dürfen Entscheidungen nicht beeinflussen.
- Nebentätigkeiten sind erlaubnis- oder meldepflichtig, wenn sie journalistische Unabhängigkeit berühren könnten.
12. Fehlerkultur und Umgang mit Beanstandungen
- Fehler werden unverzüglich korrigiert – transparent, nachvollziehbar und ohne Relativierung.
- Beanstandungen werden sachlich geprüft und beantwortet.
- Drohende rechtliche Auseinandersetzungen werden unverzüglich der Chefredaktion gemeldet.
13. Rechtliche und ethische Grundlagen
Stand 30. März 2026