Mit Fladenbrot als Teller und Besteck – eritreische Küche im Oberland
Kulinarische Weltreise – Teil 6
Seit einem Jahr serviert das «Gezana» in Rüti eritreisch-äthiopische Spezialitäten – und ist damit das einzige Restaurant im Oberland, das diese ostafrikanische Küche anbietet.
Wo früher in Rüti die El Dorado Bar und dann kurzzeitig einmal eine türkische Pizzeria zu Hause war, ist heute das Restaurant Gezana. Auf der Speisekarte: eritreische und äthiopische Spezialitäten. Hinter dem einzigen Restaurant im Oberland, das eine solche Küche anbietet, stehen Angesom Tewelde und Rahel Teklemariam.
Das Ehepaar erfüllte sich vor einem Jahr den Traum vom eigenen Restaurant – und das auch gleich in dem Dorf, in dem die beiden selbst zu Hause sind. Seither empfangen sie ihre Gäste mit ihren Kochkünsten und einer grossen Portion Herzlichkeit. «Das gemeinsame Essen bedeutet für uns den höchsten Frieden», sagt Tewelde. Diese Freude möchte das Ehepaar auch den Gästen weitergeben.
Sommerserie «Kulinarische Weltreise»
Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah: Wir präsentieren Restaurants der Region, in denen Ferienfeeling aufkommt, wenn es mit der Reise ins ferne Land nicht klappt.
Bisher erschienen:
Zebra-Spiessli mit Maniok-Pommes: In Esslingen kann man Afrika schmecken
Von Seoul nach Rüti: Hier gibt es südkoreanisches BBQ-Feeling
Curry und Co. – seit 20 Jahren kocht Noina in Maur thailändisch
Die eritreische und die äthiopische Küche sind fast identisch. Wenn überhaupt, unterscheiden sie sich nur leicht in der Intensität der Gewürze. Und auch gegessen wird in beiden Ländern gleich – in Rüti für viele eine neue Erfahrung. Denn nach Besteck sucht man vergeblich: Es wird mit den Händen gegessen. Oder, besser gesagt, mit Injera. Das traditionelle eritreische Sauerteig-Fladenbrot ist Besteck und Teller zugleich.
Schnell spürt man, wie stolz der Restaurantinhaber auf sein Land, das Essen und die Kultur ist. «Bei uns essen alle gemeinsam von einem grossen Teller. Alle haben ihren eigenen Bereich – doch gleichzeitig teilen wir miteinander, wenn jemand noch Hunger hat», erklärt er. «Wir essen mit grossem Respekt füreinander. Das ist bei uns Liebe.»
Serviert werden die Gerichte in handgeflochtenen Behältern aus Palmblättern. Doch nicht nur auf dem Tisch stehen solche farbigen Palmtöpfe. Das ganze Restaurant ist mit traditionellen Waren aus Eritrea und Äthiopien geschmückt. So beispielsweise auch einer Jebena – einer traditionellen eritreischen Kaffeekanne.
Die traditionellen Kaffeezeremonien mit der Jebena werden auch im «Gezana» durchgeführt. In der aufwendigen Zubereitung werden die Kaffeebohnen zuerst geröstet, anschliessend in die bauchförmige Kanne gegeben und mit Wasser aufgebrüht. Durch das Prozedere erhält der Kaffee eine besonders intensive und aromatische Note.
Offene Gäste und gut besuchte Abende
«Viele mögen das scharfe Essen – mehr, als wir erwartet hätten», erzählt das Ehepaar. Auch die Offenheit der Gäste, mit den Händen zu essen, freut die beiden. «Unsere Gäste sagen, sie möchten auch so essen wie wir, und probieren es aus.» Und wer sich mit dem Essen von Hand nicht ganz wohlfühle, könne selbstverständlich auch zum Besteck greifen.
«Da wir im ‹Gezana› alles frisch zubereiten und viele Gerichte lange einkochen müssen, kommen eher wenige Leute für die Mittagspause vorbei», sagt Tewelde. Am Abend sieht es jedoch anders aus – besonders freitags und samstags. An diesen gut besuchten Abenden erhalten sie daher Unterstützung von einer Serviceaushilfe. Und obwohl Tewelde nebenbei noch als Altenpfleger arbeitet, lässt sich der Arbeitsalltag gut vereinbaren – gerade, weil der Betrieb sich auf die Abendstunden konzentriert.
Während er für seinen 80-Prozent-Job in einem Alters- und Pflegeheim nach Horgen pendelt, freut sich das Ehepaar, ein Restaurant in Rüti gefunden zu haben. Gerade für ihre Kinder sei das praktisch, da sie über den Mittag ins Restaurant kommen könnten, sagen die beiden.
Hilfe für Geflüchtete
Angesom Tewelde ist 2007 in die Schweiz geflüchtet, fünf Jahre später folgte Rahel Teklemariam. Doch beide trauern noch immer ihrem Heimatland nach. «Bevor ich eingebürgert wurde und als Asylsuchender hier lebte, durfte ich nicht nach Eritrea reisen», erzählt Tewelde betrübt. «Selbst dann, als mein Vater im Sterben lag, konnte ich nicht zurück nach Hause.»
Mittlerweile darf er dank dem Schweizer Pass wieder zurück in sein Heimatland – doch die politische Lage bleibt dort angespannt. Um anderen Geflüchteten aus Eritrea das Ankommen in der Schweiz zu erleichtern, gründete er 2009 gemeinsam mit Gleichgesinnten den Eritreischen Verein Rüti und Umgebung, der unter anderem Hilfe beim Übersetzen anbietet.
«Gezana»-Rezept: Eritreische Zigni

Typisch für Eritrea ist Zigni, ein Eintopf mit Fleisch, Tomaten, Zwiebeln und Gewürzen. Traditionell wird es mit Injera, dem eritreischen Sauterteig-Fladenbrot, gegessen. Als Beilage kommen oft Linsen, Spinat, Kabis oder anderes Gemüse auf den Teller. Alternativ kann Brot, Reis oder Couscous dazu serviert werden.
Zutaten für 4 Portionen:
600 bis 700 g Rindfleisch (in kleine Würfel geschnitten)
4 Zwiebeln (fein gehackt)
1 kleines Stück Ingwer (zirka 4 cm, fein gehackt)
4 EL Berbere-Gewürzmischung (scharf!)
4 EL Tomatenmark
4 frische Tomaten oder 200 ml passierte Tomaten
6 EL Pflanzen- oder Sonnenblumenöl
Bei Bedarf etwas Salz, Wasser oder Brühe hinzufügen
Zubereitung:
Öl in einer Pfanne erhitzen, Zwiebeln bei mittlerer Hitze 10 bis 15 Minuten goldbraun und weich braten.
Ingwer dazugeben, 3 bis 4 Minuten mitbraten.
Berbere-Gewürze einrühren, 5 bis 7 Minuten mitrösten.
Tomatenmark und gehackte Tomaten zugeben, 5 bis 7 Minuten einköcheln lassen.
Rindfleischwürfel zugeben und mit der Sauce vermengen, etwa 45 Minuten auf niedriger Hitze schmoren lassen. Bei Bedarf zwei-, dreimal ein wenig Wasser oder Brühe beigeben.
Abschmecken und heiss servieren.