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Meinung

Ende der Mental-Load-Serie

Mein perfekter Komplex

Nach sieben Beiträgen geht die Serie zum Thema Mental Load zu Ende. Redaktorin Lea Chiapolini erzählt, wie es zur – absolut eigennützigen – Serie gekommen ist.

Zwischen Windeln, Pizza, Kinderzeichnungen und Beruf: Eltern sein ist nicht einfach.

Fotos: Lea Chiapolini/Simon Grässle

Mein perfekter Komplex

Ende der Mental-Load-Serie

Nach sieben Beiträgen geht die Serie zum Thema Mental Load zu Ende. Redaktorin Lea Chiapolini erzählt, wie es zur – absolut eigennützigen – Serie gekommen ist.

Ich bin 36 Jahre alt, seit fast 15 Jahren im Berufsleben, seit fast 10 Jahren verheiratet, habe einen vierjährigen Sohn und eine zweijährige Tochter. Und so oft frage ich mich: Was mache ich hier? Wer zum Teufel sagt, dass ich das alles kann? Denn wie geht das überhaupt? Das mit dem Leben? Mit dem Arbeiten? Mit dem Muttersein? Oder ganz konkret: Mit dem Sein?

Denn irgendwie geht es ja. Mal besser. Mal schlechter. Mal mit mehr oder weniger Schlaf. Oder Nerven. Mal zufriedener, mal im Tal der Tränen. Gefangen in der Wut. Im Elend. Im Selbstzweifel.

Im besten Fall hat man Freunde und Bekannte, die ehrlich sind. Die zugeben, dass es ihnen auch so geht. Dass sie überfordert sind. Mit der Arbeit. Mit der Mutter-/Vaterrolle. Sich Schuldgefühle machen, nicht perfekt zu sein. Für die Kinder. Für den Mann. Sich selbst.

Als ich im Herbst die Titelgeschichte des Elternmagazins «Fritz+Fränzi» über das Thema Mental Load las, konnte ich mich plötzlich besser verstehen. Hatte zum ersten Mal Worte, um meinen Zustand zu beschreiben. Hatte das Gefühl, meine Erkenntnisse in die Welt – oder zumindest in das Gesicht von Nicht-Abonnenten der Zeitschrift – hinausschreien zu müssen.

In solch einem Moment ist eine Anstellung als Redaktorin ziemlich praktisch. Besonders, wenn man sich sowieso seit einiger Zeit vermehrt auf Familienthemen fokussiert. Denn mir wurde bewusst, dass ich meine Worte, meine Erkenntnisse ja tatsächlich in die Welt hinausschreien kann. Oder zumindest hinausschreiben.

Ich suchte mir Interviewpartnerinnen – tatsächlich waren es ungewollt restlos Frauen –, um das Thema Mental Load von möglichst vielen verschiedenen Seiten zu beleuchten. Mit dem Ziel, Lösungsansätze und Tipps zu finden, die ich in meinem eigenen Leben gleich umsetzen kann.

Das Echo war überwältigend. Aus der Leserschaft. Aus meinem Umfeld. Intern aus der Redaktion. So viel Zuspruch, so viel «isch bi mir imfall au so», so viele positive Worte. Und meine Hoffnung wurde erfüllt: Ich konnte aus meiner beruflichen Tätigkeit einen Mehrwert für mein Privatleben herausschlagen.

Meine kleine Schwester hatte es einmal – als ich trotz allem wieder einmal einen Abstecher ins Tal der Tränen gemacht hatte – so ausgedrückt: «Du musst keine Angst davor haben, deinen Kindern einen Komplex zu verpassen. Sie werden sowieso einen davontragen. Und solltest du perfekt sein, würde dies ihr Komplex werden.»

Darum schreie ich es noch ein letztes Mal: Sie sind nicht allein. Sie sind nicht perfekt. Und Sie müssen es auch nicht sein. Wirklich.

Mental-Load-Serie

Unsere Serie über Mental Load beleuchtet ein Thema, das viele beschäftigt, aus diversen Blickwinkeln. Regionale Expertinnen und Experten geben Tipps, wie man der mentalen Belastung gegensteuern kann.

Bisher erschienen:
«Nein sagen hat nichts mit Egoismus zu tun», mit Paar- und Familienberaterin Nadine Sonderegger aus Wetzikon
«Stille kracht: Wenn an Weihnachten die Fetzen fliegen», mit Psychologin Raphaela Hügli aus Wetzikon
«Diese Russikerin schafft Ordnung im Haus – und im Kopf», mit Ordnungscoachin Nina Rechsteiner aus Russikon
«Zwischen Pasta und Polenta: So geht Kochen ohne Kopfzerbrechen», mit Gestalttherapeutin Gabriela Achermann aus Pfäffikon
«Druck bei Jugendlichen erkennen und wirksam entlasten», ein Abend in Rikon mit Lerncoach Reto Cadosch
«Sport als Alltagspause: Wann er hilft – und wann er stresst», mit Sportpsychologin Romana Feldmann aus Bertschikon
«Diese Volketswilerin sagt schlechten Gedanken den Kampf an», mit Gedankenexpertin Vanessa Kellenberger aus Volketswil

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