Spital Uster kann Gewinn verzehnfachen
Geschäftszahlen veröffentlicht
Das Spital Uster präsentiert seine Jahreszahlen für 2024. Dabei ist es nicht nur wieder in den schwarzen Zahlen, sondern kann sogar mehrere Kennzahlen steigern.
Den Gewinn verzehnfacht: von 336’000 auf 3,5 Millionen Franken. Das ist dem Spital Uster im letzten Geschäftsjahr gelungen. Es spricht denn auch in einer Mitteilung von einem «starken operativen Ergebnis» und einem Jahr, in dem sich das Regionalspital «finanziell wie strategisch erfolgreich weiterentwickelt» hat.
Das vergangene Jahr war für das Spital Uster von zwei grossen Entwicklungen geprägt. Einerseits konnte im Mai die Aktienkapitalerhöhung von 33,2 Millionen Franken durch die zehn Aktionärsgemeinden erfolgreich abgeschlossen werden. Andererseits wurde die operative Leitung vom interimistischen CEO Vital Schreiber an Martin Werthmüller übertragen.
Diese beiden Faktoren, neben dem Engagement der Mitarbeitenden, nennt denn auch Verwaltungsratspräsidentin Sacha Geier als massgeblich für das erfreuliche Ergebnis. Doch wie präsentieren sich die Zahlen im Detail?
Blick auf die Zahlen
Zunächst fällt auf, dass sich das Spital nicht in allen Bereichen steigern konnte. So sank im vergangenen Jahr die Anzahl behandelter Patientinnen und Patienten – und das sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Ambulant wurden knapp 500, stationär rund 140 Fälle weniger verzeichnet. Stabil blieb derweil die Zahl der Operationen: 2024 gab es deren 6504 und somit nur knapp 50 weniger als 2023.
Der letztlich auch leicht tiefere Umsatz von 169 Millionen zu 170 Millionen Franken im Vorjahr konnte «durch konsequentes Kostenmanagement auf der Aufwandseite kompensiert werden». Dadurch konnte 2024 ein deutlich positives Unternehmensergebnis erzielt werden, wie Finanzchef Fabian Carobbio im Geschäftsbericht schreibt.
Konkret ausgedrückt heisst das: Der Aufwand konnte um 2 Millionen auf 157 Millionen Franken gesenkt werden. Ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt, dass die Einsparungen nicht beim Personal, sondern vor allem unter dem Punkt «übriger betrieblicher Aufwand» erzielt wurden. Für das Spital Uster resultiert 2024 ein Ebitda, also ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, von 10,8 Millionen Franken (2023: 9,3 Millionen Franken). Das heisst, dass die Ebitda-Marge um 0,9 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent gesteigert werden konnte. Die Zielmarke der Zürcher Gesundheitsdirektion liegt bei 10 Prozent.
Das sich nach wie vor in Nachlassstundung befindende GZO Spital Wetzikon hätte ohne Berater- und Restrukturierungskosten im letzten Jahr ein Ebitda von 5,6 Millionen Franken sowie eine Ebitda-Marge von 3,7 Prozent erzielt.
Unter dem Strich führt das gute operative Ergebnis in Uster, mit dem Abschreibungen und Zinsen vollumfänglich gedeckt werden können, zu einem Reingewinn von 3,5 Millionen Franken.
Nachwehen des gescheiterten Neubaus bereinigt
Auf der Bilanzseite standen für das Regionalspital die bereits erwähnte Aktienkapitalerhöhung sowie die Art der Finanzierung bestehender Darlehen von 55 Millionen Franken im Fokus. So floss das frisch eingeschossene Aktionärskapital, 33,2 Millionen Franken, vollständig an die bestehenden Gläubiger. Die Differenz wurde einerseits über neue Bankkredite (17,9 Millionen Franken) und Eigenmittel (3,9 Millionen Franken) gedeckt.
Auch die seit 2022 bestehende Unterbilanz konnte bereinigt werden. Darunter versteht man eine Situation, in der die angefallenen Verluste – hier durch hohe Abschreibungen auf das gestoppte Bauprojekt – das Eigenkapital des Spitals gemindert hatten. Dank dem guten operativen Geschäftsjahr ist diese finanzielle Schieflage nun behoben.
Die Eigenkapitalquote beträgt inzwischen 47 Prozent und liegt damit deutlich über der von der Gesundheitsdirektion geforderten Richtlinie von 30 Prozent. Ausruhen will man sich darauf aber nicht.
So geht es für das Spital weiter
Der Start ins aktuelle Jahr sei gut gewesen, wird CEO Martin Werthmüller zitiert. So liege der Fokus im laufenden Jahr weiterhin auf der Stabilisierung des operativen Ergebnisses. Aber auch die Realisierung geplanter Bauprojekte rücke in den Blickpunkt. Endoskopie, Neuausrichtung der Notfallstation sowie ambulanter Operationssaal sind hier die Stichwörter. Um die Kosten dafür zu stemmen, wollte das Spital ursprünglich bei der Aktienkapitalerhöhung 10 Millionen Franken zusätzlich, erhielt sie aber nicht.
Eine andere Option, um an Geld zu gelangen, war der Verkauf einer nicht mehr benötigten Spitalliegenschaft. Nachdem das Ustermer Stimmvolk ein Vorkaufsrecht der Stadt an der Urne abgelehnt hatte, wird diese jetzt privat verkauft. Zudem sind im langfristigen Businessplan zusätzliche Mittel für die drei strategischen Bauprojekte berücksichtigt, wie es auf Anfrage heisst.
Neben Bauprojekten verweist das Spital auf ein weiteres zentrales Element: die regionale Vernetzung. Die im April gestartete Kooperation mit den Spitälern Männedorf und Zollikerberg im Bereich Frauenheilkunde unterstreiche das gemeinsame Bestreben, «Synergien zu nutzen und eine qualitativ hochstehende, wohnortsnahe Versorgung zu sichern».
Im Geschäftsbericht liest sich das dann noch etwas deutlicher und konkreter: Im Fokus steht die Stärkung des Spitalverbund-Gedankens.