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Gesellschaft

Mental-Load-Serie

Diese Volketswilerin sagt schlechten Gedanken den Kampf an

Für Gedankenexpertin Vanessa Kellenberger aus Volketswil ist klar: Wenn der Kopf nicht aus dem Gedankenkreisen herauskommt, stimmt auch mit dem Körper etwas nicht.

«Deine Gedanken werden Wirklichkeit»: Nach diesem Leitsatz lebt Vanessa Kellenberger.

Foto: Regula Zurbuchen

Diese Volketswilerin sagt schlechten Gedanken den Kampf an

Für Gedankenexpertin Vanessa Kellenberger aus Volketswil ist klar: Wenn der Kopf nicht aus dem Gedankenkreisen herauskommt, stimmt auch mit dem Körper etwas nicht.

Frau Kellenberger, welchen vermeintlich hilfreichen Spruch sollte man sich lieber sparen, wenn jemand in einem Tief steckt?

Vanessa Kellenberger: «Denk doch positiv!» Es gibt kaum Schlimmeres. Manche Situationen sind einfach nicht positiv, die kann man sich nicht schöndenken. Ich bin trotzdem überzeugt: Gedanken sind eine Superpower. Aber nur, wenn sie richtig eingesetzt werden.

Und wie sie richtig eingesetzt werden, können Sie als Resilienz- und Stresscoachin – oder wie Sie es nennen «Gedankenexpertin» – vermitteln?

Forscher haben herausgefunden, dass wir bis zu 90’000 Gedanken pro Tag haben. Davon laufen 95 Prozent über unser Unterbewusstsein. Genau da setzt meine Behandlungsmethode an, um dem ewigen Gedankenkreisen ein Ende zu setzen. Wir können uns noch so oft positive Affirmationen vor Augen führen – wenn unser Unterbewusstsein weiss, dass sie nicht stimmen, kommt die Botschaft nicht an.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Etwa bei einem tiefen Kontostand. Da kann ich mir noch so oft vorsagen und manifestieren, ich sei reich. Es wird sich nichts ändern. Wenn das Unterbewusstsein vergleichbar ist mit einem U-Boot, können wir diesem nicht eine Affirmation mit der Kraft eines Leichtflugzeugs entgegenstellen.

Unsere Serie über Mental Load beleuchtet ein Thema, das viele beschäftigt, aus diversen Blickwinkeln. Regionale Expertinnen und Experten geben Tipps, wie man der mentalen Belastung gegensteuern kann.

Bisher erschienen:
«Nein sagen hat nichts mit Egoismus zu tun», mit Paar- und Familienberaterin Nadine Sonderegger aus Wetzikon
«Stille kracht: Wenn an Weihnachten die Fetzen fliegen», mit Psychologin Raphaela Hügli aus Wetzikon
«Diese Russikerin schafft Ordnung im Haus – und im Kopf», mit Ordnungscoachin Nina Rechsteiner aus Russikon
«Zwischen Pasta und Polenta: So geht Kochen ohne Kopfzerbrechen», mit Gestalttherapeutin Gabriela Achermann aus Pfäffikon
«Druck bei Jugendlichen erkennen und wirksam entlasten», ein Abend in Rikon mit Lerncoach Reto Cadosch
«Sport als Alltagspause: Wann er hilft – und wann er stresst», mit Sportpsychologin Romana Feldmann aus Bertschikon

Mit dem Artikel über Vanessa Kellenberger im Interview kommt die Mental-Load-Serie zu ihrem Abschluss.

Affirmationen reichen also nicht.

Wer unter Gedankenkreisen leidet, hat immer ein unausgeglichenes Nervensystem. Wenn dieses permanent auf Alarmbereitschaft ist, kann man gar nicht mit den Gedanken herunterfahren. Darum muss zuerst die richtige Technik gefunden werden, um zur Ruhe zu kommen. Meditation und Atemübungen sind ein zentrales Instrument dafür.

Ist man damit irgendwann geheilt, oder sollte man das ein Leben lang weiterführen?

Von ständigem Gedankenkreisen und Sorgen – ja. Nach einer gewissen Trainingszeit kommt man in immer positivere Gedanken und Gefühle. Natürlich gibt es im Leben aber immer wieder Tage, die nicht so gut laufen. Deshalb empfehle ich, eine zehnminütige Übung weiterzuziehen. Auch ich mache diese, um mich morgens besser zu fühlen und mich mit meinem Körper zu verbinden.

Vanessa Kellenberger ist Gedankenexpertin
Vanessa Kellenberger begleitet ihre Kundinnen und Kunden auf dem Weg aus dem Gedankenkreisen und Stress hinein in eine mentale Pause. 

Wie würden Sie Ihre Methode denn beschreiben?

Ich kombiniere verschiedene Ansätze aus Schul- und Alternativmedizin. Mit dem kinesiologischen Muskeltest finden wir zuerst heraus, welche Glaubenssätze im Körper verankert sind. Vieles stammt noch aus der Kindheit. Bis wir sieben Jahre alt sind, übernehmen wir die Wahrheiten unserer nahestehenden Personen eins zu eins. Das prägt sich auch im Körper ein. Durch Klopftechniken werden emotionale Verspannungen gelöst. Und dann muss man den Körper mit neuen, bewussten Gedanken wieder füllen, sonst fällt er in seine alten Muster zurück.

Sind es eigene negative Erfahrungen, die Sie auf diesen Weg geführt haben?

Ich litt jahrelang unter Depressionen. Schon als Kind fiel ich dem Weltschmerz zum Opfer, konnte nicht verstehen, warum es Kriege und Ungerechtigkeiten gibt. Trotz psychologischer Unterstützung festigte sich in mir der Gedanke, irgendwie falsch zu sein. Ich war im Alltag gefangen, funktionierte einfach, war aber nie glücklich – und hatte mich damit schon fast abgefunden. Ich hatte ursprünglich eine kaufmännische Ausbildung absolviert, arbeitete danach in einer Onlineagentur, war erfolgreich als Projektmanagerin. Ich erlaubte mir keine Pausen, wollte allen gerecht werden, immer besser werden. Bis ich die Reissleine zog, den Job hinschmiss und einige Monate durch die Welt reiste. Ich fühlte mich zum ersten Mal frei.

Und bei Ihrer Rückkehr?

Da war die Kasse leer, und ich musste zurück ins Arbeitsleben. Als ich wieder einmal in einem Meeting sass und über Schriftgrössen auf einer Website diskutierte, dachte ich mir: Was mache ich hier eigentlich? Durch ein Buch wurde ich dann auf die Kraft der Gedanken aufmerksam und absolvierte die Basisausbildung als Coachin. Zuerst eigentlich nur aus Eigeninteresse. Mittlerweile berate ich seit über fünf Jahren hauptberuflich meine Kundinnen – die älteste ist 87 Jahre alt – und auch immer mehr männliche Kunden.

Für Sie war die klassische Psychotherapie also nicht zielführend.

Gegen klassische Methoden wie Psychotherapie habe ich grundsätzlich nichts. Es ist wichtig, dass jeder individuell für sich herausfinden kann, welcher Behandlungsansatz für ihn passt. Doch gerade weil derzeit bei Psychologen so lange Wartelisten die Norm sind, sind Alternativen unumgänglich. Und ich bin und bleibe davon überzeugt: Wenn negative Gedanken nur mit dem Kopf gelöst werden könnten, hätten es alle längst getan.

Fünf Tipps gegen Gedankenkreisen

Mit Meditationen oder Atemübungen den Körper beruhigen und überhaupt aufnahmefähig machen.

Emotionen zulassen, statt sie zu unterdrücken.

Den Körper bewegen: Nur schon ein wildes Herumtanzen allein lässt angestaute Energien frei.

Gedanken beobachten, bevor man zu tief eintaucht. Denn manchmal sind sie wirklich nur das: Gedanken.

Fokus darauf legen, was man will, anstatt darauf, was man nicht will.

Vanessa Kellenberger ist 44 Jahre alt und lebt in Volketswil. Weitere Informationen zu ihrer Arbeit unter www.vanessakellenberger.com.

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