Spital Uster schreibt bereits das dritte Jahr in Folge einen Gewinn
Gewinn von 4,3 Millionen Franken
Während alle auf das in Schieflage geratene GZO Spital Wetzikon blicken, macht das Spital Uster seine Hausaufgaben. Erneut gibt es einen Gewinn – noch höher als 2024. Eine grosse Idee hingegen scheint zu scheitern.
Von 336’000 auf 3,5 Millionen bis nun auf 4,3 Millionen Franken: Das Spital Uster setzt seine Serie der positiven Jahresergebnisse fort. Auch für 2025 kann das Regionalspital schwarze Zahlen präsentieren und seine 2023 begonnene stabile Entwicklung weiterführen.
Diese Entwicklung bestätigte im vergangenen September die Gesundheitsdirektion, indem sie dem Spital sämtliche Leistungsaufträge ohne Auflagen erteilte. Im Rahmen der Spitalplanung 2023 waren diese Leistungsaufträge noch an spezifische finanzielle Vorgaben geknüpft, welche bis Mai 2025 zu erfüllen waren.
Doch wie präsentiert sich die Entwicklung des Spitals im Detail?
Blick auf die Zahlen
Während die Anzahl stationärer Fälle gegenüber dem Vorjahr leicht stieg auf 9859, sank die Zahl der ambulant behandelten Patientinnen und Patienten um rund 150 auf 67’500. Leicht gesteigert werden konnte zudem die Anzahl durchgeführter Operationen von 6504 auf 6585.
Über den Vorjahreswerten liegen ebenfalls die Finanzzahlen. Der Umsatz kletterte dank dem Nettoerlös aus Patientenleistungen auf 174 Millionen Franken (2024: 169 Millionen Franken). Allerdings stiegen auch die Kosten um 4,5 Millionen auf 161,9 Millionen Franken. Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf Mehrkosten im Personalbereich zurückzuführen.
Der Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK) hatte Anfang 2025 zwar angekündigt, dass die Zürcher Spitäler ab Sommer auf temporäres Pflegepersonal verzichten wollen. «Wir mussten allerdings vor allem im Pflegebereich vermehrt auf temporäre Arbeitskräfte zurückgreifen, welche doch einiges mehr kosten als Festangestellte», erklärt Verwaltungsratspräsidentin Sacha Geier.
Stellt man Umsatz und Aufwand einander gegenüber, resultiert ein Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 11 Millionen Franken (2024: 10,8 Millionen Franken). Die Ebitda-Marge bleibt praktisch stabil bei 6,3 Prozent. Sie liegt allerdings weiter unter der Marke von 8 Prozent, welche die Zürcher Gesundheitsdirektion als Zielwert festgelegt hat.
Das sich nach wie vor in Nachlassstundung befindende GZO Spital Wetzikon hat seinen Geschäftsbericht für 2025 noch nicht veröffentlicht. 2024 hätte es ohne Berater- und Restrukturierungskosten ein Ebitda von 5,6 Millionen Franken sowie eine Ebitda-Marge von 3,7 Prozent erzielt.
Unter dem Strich führt das gute operative Ergebnis in Uster, mit dem Abschreibungen und Zinsen vollumfänglich gedeckt werden können, zu einem Reingewinn von rund 4,3 Millionen Franken.
Erneute Rückzahlung von Krediten
Auf der Bilanzseite stand die weitere Reduktion der zinspflichtigen Schulden im Zentrum. Die Rückzahlung von Darlehen in Höhe von 20 Millionen Franken wurde je zur Hälfte durch eine Refinanzierung mittels Bankkredit sowie durch vorhandene Liquidität umgesetzt. Insgesamt konnte das Spital Uster im Jahr 2025 12 Millionen Franken Fremdkapital aus eigener Kraft an seine Gläubiger zurückzahlen. Per Ende letzten Jahres beläuft sich das verzinsliche Fremdkapital (darunter Bankkredite und Darlehen) auf rund 26 Millionen Franken.
Zusammen mit den laufenden Verbindlichkeiten, etwa gegenüber Lieferanten, ergibt sich ein Gesamtfremdkapital von rund 47,3 Millionen Franken. Da das Eigenkapital jedoch auf 57,7 Millionen Franken gewachsen ist, resultiert eine starke Eigenkapitalquote von 54,9 Prozent (2024: 47 Prozent). Sie liegt deutlich über der von der Gesundheitsdirektion geforderten Richtlinie von 30 Prozent.
So geht es für das Spital weiter
Geschäftsleitung und Verwaltungsrat blicken zuversichtlich in die Zukunft. Diese wurde bereits mit der im letzten Jahr vorgestellten Arealstrategie 2040+ grob umrissen. Sie beinhaltet zentrale Bauprojekte wie den Neubau der Notfallstation, die Erweiterung der Endoskopie und der Akutgeriatrie sowie den Aufbau eines ambulanten Operationssaals. Parallel dazu werden weitere Digitalisierungsprojekte umgesetzt.
Am weitesten fortgeschritten ist die Planung des Geburtspavillons, für den seit Ende April das Baugesuch öffentlich aufliegt. Gemeinsam mit dem Geburtshaus Zürcher Oberland und der Stiftung Geburt 3000 soll der Pavillon auf dem heutigen Parkplatz der Familienabteilung an der Kreuzung Wageren- und Asylstrasse zu stehen kommen. Dort sollen normale, ausserklinische, hebammengeleitete Geburten gefördert werden.
Der Bau kostet rund 2 Millionen Franken. Die Kosten des Pavillons werden von der Stiftung Geburt 3000 getragen, die auch als Bauherrin auftritt. Während das Spital Uster sein Land im Baurecht abgibt, fungiert das Geburtshaus Zürcher Oberland als Betreiberin. Die Baueingabe ist im Februar erfolgt.
Das trifft auch auf den ambulanten Operationssaal zu, der effiziente Abläufe ermöglichen soll. Kostenpunkt: 3 Millionen Franken. Die gesamten Kosten für die Teilprojekte der Arealstrategie belaufen sich auf rund 20 Millionen Franken. «Wir bauen das, was wir uns leisten können, und das, was wir müssen, ganz unabhängig von einem Spitalverbund», erklärt die Verwaltungsratspräsidentin.
Verbund in der Schwebe
Denn etwas sticht bei der Lektüre des Geschäftsberichts ins Auge: Der Begriff «Spitalverbund» wird mit keiner Silbe erwähnt. Dabei klang vor nicht allzu langer Zeit alles anders.
Ende 2024, gut 100 Tage nach seinem Amtsantritt, hatte der neue Spitaldirektor Martin Werthmüller noch im Interview mit dieser Redaktion den Wunsch geäussert, in einem Jahr «ein klareres Bild für das Thema Spitalverbund skizzieren zu können». Auch sah er sich in «der Verantwortung, den Prozess zur Entwicklung eines Spitalverbunds aktiv zu begleiten».
Und sogar im Geschäftsbericht 2025 sagte Verwaltungsratspräsidentin Sacha Geier noch: «Wir verfolgen die Idee eines regionalen Spitalverbunds – ein langfristiges Vorhaben mit vielen Beteiligten, von der Politik bis zu den Aktionärsgemeinden.» Das sei komplex und nur bedingt planbar – und genau deshalb spannend. Ob es gelinge, sei offen.
Jetzt, ein Jahr später, spricht davon in den offiziellen Dokumenten niemand mehr. Stattdessen werden der Aufbau der Frauenklinik Züri Ost mit dem Spital Männedorf hervorgehoben sowie «Kooperationen entlang der Versorgungskette», sprich die Zusammenarbeit mit Heimen oder Spitex.
Heisst das, dass es keine Planungen mehr für einen Spitalverbund gibt?
«Ganz im Gegenteil. Es gibt nicht nur Planungen, sondern ganz konkrete Projekte», sagt Spitaldirektor Martin Werthmüller. Mit dem Spital Zollikerberg strebe man ebenfalls Kooperationen an, und man sei «in einem guten und konstruktiven Austausch», heisst es weiter. «Eine spätere Ausdehnung auf einen Verbund mit weiteren finanziell gesunden öffentlichen Spitälern ist denkbar.»