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Synergie bei Geburten

Geburtspavillon wird konkret – und das Spital Uster plant weitere Bauten

Die Stadt Uster könnte bald eine Pionierrolle im Bereich Geburten einnehmen. So funktioniert die Allianz zwischen Spital Uster und Geburtshaus Zürcher Oberland.

Ob das Spital Uster bald über einen Geburtspavillon verfügt, ist jetzt in Bearbeitung. (Archivfoto)

Foto: Simon Grässle

Geburtspavillon wird konkret – und das Spital Uster plant weitere Bauten

Synergie bei Geburten

Die Stadt Uster könnte bald eine Pionierrolle im Bereich Geburten einnehmen. So funktioniert die Allianz zwischen Spital Uster und Geburtshaus Zürcher Oberland.

Es geht vorwärts mit dem Umzug des Geburtshauses Zürcher Oberland: Die Stiftung Geburt 3000 hat die Baueingabe für den geplanten Geburtspavillon auf dem Areal des Spitals Uster eingereicht.

Das Projekt ist Teil einer strategischen Allianz zwischen dem Spital Uster, der Stiftung Geburt 3000 und dem Geburtshaus Zürcher Oberland. Somit zieht Letzteres von Bäretswil bald in die Stadt um.

«Die Stadt Uster wird Pionier sein für diese neue Form der Zusammenarbeit zwischen klinischer und ausserklinischer Geburtshilfe», sagt Renate Ruckstuhl, Geschäftsführerin der Stiftung mit Sitz in Basel. Weitere solche Pavillons sind in anderen Spitälern geplant.

Renate Ruckstuhl, die in die Kamera lacht.
Renate Ruckstuhl ist die Geschäftsführerin der Stiftung Geburt 3000.

Denn die Geburtshilfe in der Schweiz befindet sich im Wandel: Geburtenabteilungen werden konzentriert, Angebote ausserhalb des stationären Settings sind regional ungleich verfügbar. Ein Geburtspavillon in Uster könne diese Versorgungslücke schliessen, heisst es in einer Medienmitteilung der Spital Uster AG und ihrer zwei Partner.

Kein vergoldeter Pavillon

Der Bau kostet rund zwei Millionen Franken. Die Kosten des Pavillons werden von der Stiftung Geburt 3000 getragen. «Unser Ziel ist es, unter diesem Betrag zu bleiben – es soll kein vergoldetes Gebäude werden», sagt Ruckstuhl.

Finanziert wird die Stiftung Geburt 3000 unter anderem durch Mittel der gemeinnützigen Stiftung Amaari mit Sitz in Basel. Diese setzt sich ein für Themen rund ums Leben und ums Sterben.

Der Geburtspavillon soll in unmittelbarer Nähe zum Spital Uster gebaut und durch das Geburtshaus Zürcher Oberland eigenverantwortlich geführt werden, dies in enger Kooperation mit dem Spital.

«Die Zusammenarbeit soll sich nicht nur auf Verlegungen bei Notfällen beschränken, sondern auch gemeinsame Weiterbildungen und kurze Wege im Alltag umfassen. Wir möchten eine Kooperation anstreben – und keine Konkurrenz», sagt Ruckstuhl.

Sicher und doch frei

Für das Geburtshaus Zürcher Oberland sei dies ein wichtiger Schritt zu einer zeitgemässen, frauenzentrierten
Geburtshilfe. «Durch die Nähe mit dem Spital entsteht eine Betreuungsqualität, welche die Stärken beider Institutionen optimal vereint», bestätigt auch Karin Lietha-Kapp, die Vorsitzende der Geschäftsleitung des Geburtshauses Zürcher Oberland.

Karin Lietha-Kapp, Geschäftsleiterin Geburtshaus Zürcher Oberland
Karin Lietha-Kapp ist die Geschäftsleiterin des Geburtshauses Zürcher Oberland.

Es sei ein Angebot für Frauen, die eine natürliche Geburt anstrebten und sich in der Nähe des Spitals sicherer fühlten, so Ruckstuhl. Ziel sei es, eine Wahlfreiheit zu ermöglichen.

Der Betrieb werde vollumfänglich von Hebammen vom Geburtshaus Zürcher Oberland geführt. «Er soll autonom von Hebammen geleitet sein», so Ruckstuhl – dies rechtlich und finanziell unabhängig. Für die Nutzung des Gebäudes wird das Geburtshaus Zürcher Oberland eine Miete entrichten.

Von aussen fotografiert: das Geburtshaus Zürcher Oberland, Bäretswil
Noch ist das Geburtshaus in Bäretswil. Vielleicht steht es bald in Uster?

Überdies gewährleistet das Geburtshaus Zürcher Oberland weiterhin ein stationäres Wochenbettangebot. Dafür sind bestehende Räumlichkeiten der Spital Uster AG vorgesehen, deren Umbau geplant, jedoch nicht Teil der aktuellen Baueingabe ist.

Nach Uster statt Wetzikon

Das Geburtshaus Zürcher Oberland wird also in die Stadt umziehen. Ab 2027 sollen sämtliche bisherigen Leistungen nicht mehr in Bäretswil, sondern ausschliesslich in Uster angeboten werden.

Damit entfällt auch der bisherige Verlegungsweg ins Spital Wetzikon. Die Verantwortlichen betonten uns gegenüber im Frühling 2025, dass die neue Zusammenarbeit mit dem Spital Uster unabhängig von den Unsicherheiten rund um das GZO Spital Wetzikon zustande gekommen sei.

Mit der Baueingabe von Ende Januar rückt die Umsetzung der im Frühjahr 2025 vereinbarten Allianz in Uster nun einen entscheidenden Schritt näher.

Der definitive Entscheid der Stadt zur Baubewilligung steht noch aus. Die Projektverantwortlichen zeigen sich dennoch zuversichtlich. «Wir rechnen damit, dass wir im Sommer 2027 den Standort Uster einweihen können», sagt Ruckstuhl.

Weitere Bauten in Uster

Für die Stiftung Geburt 3000 ist der Geburtspavillon in Uster ein Pilotprojekt mit überregionaler Bedeutung. «Viele Spitäler überlegen sich heute, inwiefern Geburtshilfe unter den aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen überhaupt noch tragfähig ist», sagt Ruckstuhl. Kooperative Modelle wie in Uster könnten aus Sicht der Stiftung ein zukunftsfähiger Weg sein.

Das Spital Uster plant zudem zwei weitere Bauprojekte: eine neue Notfallstation und einen ambulanten Operationssaal. Dieser soll kurzfristig geplant werden, während die neue Notfallstation voraussichtlich 2029 in Betrieb genommen werden kann.

Zudem werde auch der historisch gewachsene Gebäudekomplex schrittweise erweitert und flexibel an neue Bedürfnisse angepasst. Die ersten Massnahmen sollen bis 2033 umgesetzt werden – mit dem Ziel, die Versorgung langfristig zu sichern und wirtschaftlich zu bleiben.

Die bauliche Entwicklung folgt der Arealstrategie 2040+. Sie berücksichtige das Bevölkerungswachstum in der Region, den demografischen Wandel und die Tatsache, dass immer mehr Behandlungen ohne stationären Aufenthalt stattfänden, schreibt die Spital Uster AG.

Die Spital Uster AG hat bislang noch keine Zahlen zu den Kosten bekannt gegeben – weder zum Geburtspavillon noch zu den beiden weiteren neu geplanten Bauten. Es will sich zu einem späteren Zeitpunkt äussern.

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