Von Hundertsteln bis über tausend: Das war der Oberländer Weltcup-Winter
Sieben Zahlen, sieben Geschichten
Athletinnen und Athleten aus der Region haben in diesem Weltcup-Winter für interessante Fakten gesorgt. Ein Rückblick in Zahlen.

Skirennfahrer Alessio Miggiano (Bubikon)
Sechs Hundertstel. Ein Wimpernschlag. Oder 1,72 Meter. So wenig fehlte Alessio Miggiano auf der 3446 Meter langen Abfahrtsstrecke Saslong in Gröden aufs Podest in seiner ersten kompletten Weltcup-Saison. Fünfter wurde der Bubiker, und den sechs Hundertsteln trauerte er nur ganz kurz nach. Man kann sie im Nachhinein auch als Sinnbild dafür sehen, wie nahe der 23-Jährige der Weltspitze bereits gekommen ist. Denn mit diesem Resultat kämpfte sich Miggiano in die Top 30 der Welt vor und behauptet seinen Platz dort seither.
In Gröden ein gutes Resultat mit einer hohen Startnummer, das haben schon viele geschafft, oft wird die Strecke mit der Zeit schneller. Bei Miggiano lag es aber nicht am «Gröden-Effekt». Marco Odermatt gratulierte ihm zum Rang mit den Worten, er sei nicht den Bedingungen geschuldet. Und im weiteren Saisonverlauf erbrachte Miggiano den Beweis, dass Gröden kein Zufallsergebnis war. Als 20. der Weltcup-Disziplinenwertung beendete er die Saison, und mit einem 8. Rang in Crans-Montana schaffte er es noch ein zweites Mal in die Top Ten.

Rodlerin Natalie Maag (Wernetshausen)
Die 3 ist für die Wernetshauser Rodlerin Fluch und Segen zugleich. Schliesslich gewann sie als Dritte in Oberhof EM-Bronze und stand damit gleichzeitig auch auf dem Weltcup-Podest. Zwei Tausendstel fehlten da nur zu Silber – und für Maag war es ein gutes Zeichen im Hinblick auf die drei Wochen später stattfindenden Olympischen Spiele.
Doch in Cortina wurde ihr die 3 dann zum Verhängnis: In jedem der vier Läufe gelingt ihr die dritte Kurve nicht optimal. Sie hat Mühe mit Timing und Linie an dieser Stelle, die für sie zum Symbol des Scheiterns wird. «Wenn man da quer fährt, kann man gleich aufsitzen», sagte sie später. Statt in Medaillennähe landete sie nur auf Rang 9.
Die Weltcup-Saison ging einen Monat später mit dem siebten Gesamtrang zu Ende – und so wirklich zufrieden zeigte die Wernetshauserin sich damit nicht. Immerhin: Auf der Website der 28-Jährigen ist ein Countdown zur Saison 2026/2027 aufgeschaltet – den Schlitten an den Nagel hängen will sie also nicht. Ob sie einen weiteren Olympia-Versuch unternimmt? Es wäre – wie passend – der Dritte.

Eisschnellläuferin Kaitlyn McGregor (Ebmatingen)
Im dritten Anlauf klappte es für Kaitlyn McGregor mit der Olympia-Qualifikation – das allein war noch keine Überraschung für die Ebmatingerin. Die Tatsache, dass sie die Kriterien gleich über vier Strecken erfüllte, hingegen quittierte sie mit den Worten: «Damit habe ich nicht gerechnet. Es ist ein Traum.»
Im letzten dieser vier Wettbewerbe, im Massenstart, gelang ihr gar Historisches. Sie gewann als Sechste ein olympisches Diplom und lieferte damit das beste Olympia-Resultat überhaupt einer Schweizer Eisschnellläuferin ab.
Die Ziffer 4 steht allerdings auch für eine verpasste Chance: Auf ihrer Lieblingsdistanz, den 1500 Metern, war sie auf Kurs Richtung Rang 4, als sie in der letzten Kurve ins Straucheln geriet und noch auf den 11. Rang zurückfiel.

Langläufer Nicola Wigger (Gibswil)
Ob sich schon mal jemand dermassen ausgelassen über einen 21. Rang gefreut hat wie Nicola Wigger? Am 25. Januar im Goms gabs für den 24-jährigen Gibswiler kein Halten mehr. Nicht nur, weil es sein klar bestes Weltcup-Resultat überhaupt war – zuvor war er noch nie in die Top 30 gelaufen. Wigger holte sich damit bei allerletzter Gelegenheit auch die Olympia-Selektion.
An den Spielen überzeugte der Athlet des SC am Bachtel dann unter anderem mit einem 19. Rang über 50 km im klassischen Stil. Im Weltcup gings für ihn danach zwar weiter, an ähnlich gute Resultate kam er aber nicht mehr heran. Und trotzdem: Der 21. Rang löste für Wigger ganz viel aus – es war ein Meilenstein in seiner Karriere.

Biathlet Sebastian Stalder (Wald)
Der 30. Schlussrang im Gesamtweltcup, ein 18. Platz in der Verfolgung von Ruhpolding als bestes Einzel-Resultat im Weltcup – die Saison von Sebastian Stalder war resultatmässig durchzogen, auch wenn sie mit dem zweiten Rang in der Mixed-Staffel in Otepää sehr erfreulich endete. In einer Statistik gehört Stalder allerdings zur absoluten Weltklasse – und das schon seit Jahren. Mit 89,3 Prozent aller Schüsse traf er wortwörtlich ins Schwarze. Das reicht ihm in der Statistik der besten Schützen im Weltcup auf den vierten Rang hinter den Norwegern Sturla Holm Laegreid (93,3) und Johan-Olav Botn (91,7) und dem französischen Gesamtweltcup-Sieger Eric Perrot (91,1).
Und um diese Prozentzahlen noch etwas greifbarer zu machen: 259 von 290 Schüssen, die Stalder in 18 Weltcup-Rennen (ohne Staffeln) abgab, waren Treffer. In elf Rennen lag seine Trefferquote bei 90 Prozent oder mehr, viermal blieb er fehlerfrei. Einziger Ausreisser nach unten: der Sprint in Oestersund zum Saisonstart, wo er mit drei Fehlschüssen bei zehn Versuchen nur auf 70 Prozent kam. Auf seine Leistungen am Schiessstand kann sich der Walder also weiterhin verlassen. Dass er in der Loipe Luft nach oben (respektive vorn) hat, ist nichts Neues.

Skispringer Felix Trunz (SC am Bachtel)
Die 200-Meter-Marke hat für Skispringer eine symbolhafte Bedeutung – und Felix Trunz gelang es in dieser Saison, sie gleich zweimal zu übertreffen. Auf 204,5 Meter sprang er im Teamspringen an der Skiflug-WM im deutschen Oberstdorf Ende Januar, und letzten Sonntag gelang ihm auf der Flugschanze von Planica ebenfalls im Teamspringen ein Sprung auf 202,5 Meter. Im Einzel gelang ihm dieses Kunststück noch nicht.
Aber: Der erst 19-jährige Trunz hat mit diesen Sprüngen sein grosses Potenzial einmal mehr angedeutet. Im Kampf um das Olympia-Ticket stach er Altmeister Simon Ammann aus, was da und dort für Aufsehen sorgte. Mit dem 17. Rang auf der Normalschanze bestätigte er seine Nominierung. Und im Weltcup sprang er fünfmal in die Punkte – mit einem 15. Rang in Oslo vor gut zwei Wochen als Bestresultat.

Langläuferin Anja Weber (Hinwil)
Anja Weber ist eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur, weil sie zweigleisig als Langläuferin und Triathletin unterwegs ist – sondern auch aufgrund ihrer Leistungen in diesem Winter. Mit 1020 Punkten durchbrach sie als erst zweite Schweizerin überhaupt (nach Nadine Fähndrich) im seit 1982 ausgetragenen Weltcup die 1000-Punkte-Grenze. Das ist zwar plakativ, aber allein nur bedingt aussagekräftig, denn die Anzahl der Rennen stieg über die Jahre an, und unterdessen werden mehr Punkte an mehr Athletinnen und Athleten verteilt.
Ebenso eindrücklich ist dieser Fakt: Anja Weber wurde im Gesamtweltcup Zwölfte – nur zwei Schweizerinnen waren jemals besser klassiert als die Hinwilerin. Nadine Fähndrich und in den 1980er Jahren Evi Kratzer. Weber ist jünger als alle vor ihr klassierten Athletinnen, von denen nun mit Fähndrich und Gesamtweltcup-Siegerin Jessie Diggins zwei zurückgetreten sind – weitere haben das für nach der nächsten Saison angekündigt. Eine schöne Perspektive für Weber, die vor allem mit Konstanz überzeugte – auch dafür sind die über 1000 Punkte ein Beleg.