Er stach eine Legende aus
Felix Trunz vom SC am Bachtel setzt mit seinem Olympia-Debüt eine Familientradition fort. Und der 19-jährige Skispringer hat etwas Bemerkenswertes geschafft.
Vier Jahre nach Dominik Peter hat der SC am Bachtel mit Felix Trunz wieder einen Olympia-Skispringer. Sein Weg an die Spiele schlug Wellen und löste eine Kontroverse aus. Was nicht an Trunz selber lag, sondern daran, wer statt ihm zu Hause bleiben muss: Simon Ammann. Der vierfache Olympiasieger hätte mit der achten Teilnahme an Winterspielen den Rekord des japanischen Skispringers Noriaki Kasai und der deutschen Eisschnellläuferin Claudia Pechstein egalisiert.
Doch nicht der 44-jährige Toggenburger erhielt den Vorzug, sondern eben Trunz, der im April seinen 20. Geburtstag feiert. Für den Entscheid zugunsten der Jugend ernteten die Selektionäre viel Applaus – aber auch leise Kritik, warum man Ammann den Rekord verunmögliche.
Die Plätze sind rarer geworden
Dabei ist es eigentlich bemerkenswert, was Trunz bewerkstelligte. Schliesslich feiert er sein Olympia-Debüt an Spielen, an denen so wenige Skispringer mit dabei sind wie seit fast 70 Jahren nicht mehr. 50 statt wie zuletzt 65 sind es, was vor allem damit zu tun hat, dass mehr Plätze für Skispringerinnen geschaffen wurden. Nun gibt es nur noch für die allerbesten Nationen vier Quotenplätze, heuer holten diese Deutschland und Österreich. Die Schweiz hat wie acht andere Länder drei Plätze.
Einer davon gehört also Trunz. Ihm können die Diskussionen egal sein. Er tat das, was man als Athlet eben tun muss, wenn man für einen Grossanlass selektioniert werden will, und erfüllte die Kriterien – genauso wie Ammann notabene. Und doch ist es eine sehr spezielle Geschichte. Denn schliesslich fieberte Trunz früher vor dem TV mit seinem Idol Ammann mit – und dass er als Achtjähriger in Gibswil selber mit dem Sport begann, hatte mit einer Nachwuchsaktion von Swiss-Ski zu tun, die «Simon Ammann Jump Parcours» hiess.
Dass Trunz Skispringer wurde, liegt aber nicht nur an Ammann, sondern hat einen familiären Hintergrund: Vater Martin Trunz war selber Spitzensportler, brachte es zwischen 1990 und 1996 auf 94 Weltcup-Einsätze und auf zwei Olympia-Teilnahmen. Einmal stand Martin Trunz dabei auf einem Podest – im Januar 1992 in einem Teamspringen in Predazzo. Dort also, wo Felix Trunz nun seinen Kindheitstraum realisiert, an Olympischen Winterspielen startet – und quasi eine Familientradition weiterführt.
Das grosse Ziel folgt im März
Los geht es für den 19-Jährigen vom SC am Bachtel am Montag mit dem Springen auf der Normalschanze. Am Samstag in einer Woche steht die Entscheidung auf der Grossschanze auf dem Programm, zwei Tage später haben die Skispringer mit dem «Super-Team»-Springen den letzten Einsatz. Es löst den Teamwettkampf ab, bei dem jeweils ein Quartett pro Nation an den Start geht. Im neuen Format kommen für jedes Land zwei Springer zum Einsatz – wer für die Schweiz dabei ist, ist noch nicht bekannt.
Im Weltcup sprang Trunz bisher viermal in die Top 30 mit einem 23. Rang als Bestwert. Was liegt an den Spielen drin? Im Gesamtweltcup liegt Trunz zwar lediglich auf dem 50. Rang – doch 16 vor ihm klassierte Athleten sind an Olympia nicht mit dabei. Der erste Trainingstag auf der Normalschanze am Donnerstag endete mit den Rängen 9, 17 und 23 denn auch durchaus verheissungsvoll.
Sicher ist: Diese Winterspiele werden für Trunz in erster Linie dazu da sein, sich erste Erfahrungen anzueignen. Er geht in Predazzo unbeschwert zur Sache. Ein Topresultat nimmt er erst einen Monat später ins Visier – an den Junioren-Weltmeisterschaften will er aufs Podest springen.