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Meinung

Analyse zur angekündigten Arealstrategie

Spital Uster: Schöne Pläne, offene Rechnung

Das Spital Uster kündigt den Ausbau an. Doch nach der Finanzkrise ist unklar, wie die Arealstrategie bezahlt werden soll, analysiert der stv. Chefredaktor.

Die Arealstrategie 2024+ des Spital Uster klingt ambitioniert – doch weder Etappierung noch konkreter baulicher Inhalt sind öffentlich nachvollziehbar.

Foto: Simon Grässle

Spital Uster: Schöne Pläne, offene Rechnung

Das Spital Uster kündigt den Ausbau an. Doch nach der Finanzkrise ist unklar, wie die Arealstrategie bezahlt werden soll, analysiert der stv. Chefredaktor.

Arealstrategie 2040+: Das Spital Uster kündigt eine neue Notfallstation, einen ambulanten Operationssaal und einen Geburtspavillon an. Doch angesichts der knappen Kassen und der Altlasten bleiben viele Fragen offen – besonders im Vergleich zum strauchelnden Nachbarn in Wetzikon.

Während im Oberland alle Augen auf das in finanzielle Schieflage geratene GZO Spital Wetzikon gerichtet sind, droht die turbulente jüngere Geschichte des Spitals Uster fast in Vergessenheit zu geraten. Zu Unrecht. Denn die aktuelle Jubelmeldung aus Uster muss vor dem Hintergrund der Vergangenheit gelesen werden: ein vom Bundesgericht gestoppter Neubau, Millionenabschreibungen für makulierte Pläne und eine Rettung durch Steuergelder der Aktionärsgemeinden.

Investitionsstau trifft auf Geldmangel

Natürlich sind die Verantwortlichen heute froh, dass der megalomane Neubau nie realisiert wurde. Doch die Kehrseite ist ein massiver Investitionsstau. Renovationen wurden jahrelang verschoben, in der Hoffnung auf den grossen Wurf. Nun muss das Spital stückweise sanieren – und das kostet.

Bereits im Abstimmungskampf um die 40-Millionen-Finanzspritze hiess es, 10 Millionen seien für Erweiterung und Modernisierung des Notfalls reserviert. Weil an der Urne nur eine Aktienkapitalerhöhung von 33 Millionen zustande kam, musste sogar Land an der Wagerenstrasse verkauft werden. Dass sich an den Kosten für den Notfall nichts geändert hat, bestätigt das Spital. Doch wie der neue ambulante OP finanziert werden soll, bleibt auch auf Nachfrage unklar.

Die Rechnung geht nicht ganz auf

Das Zauberwort aus Uster heisst «Cashflow». Man baue nur, was man sich leisten könne. Doch das ist eine steile These: Auch wenn das Spital 2024 den Gewinn auf 3,5 Millionen Franken verzehnfachen konnte, sind das keine Summen, mit denen sich eine umfassende Arealstrategie stemmen lässt. 2040+ klingt ambitioniert – doch weder Etappierung noch konkreter baulicher Inhalt sind öffentlich nachvollziehbar. Ohne klare Roadmap wirken die Ankündigungen deshalb wie ein abstrakter Wunschzettel, nicht wie ein Businessplan.

Der gescheiterte Neubau, die abgeschriebenen Planungen und die provisorische Platzierung auf der Spitalliste haben das Vertrauen früher strapaziert. Genau deshalb wäre heute Offenheit über Kosten, Zeitplan und Prioritäten entscheidend. Wo bleibt die maximale Transparenz? Auf Nachfrage schreibt die Medienstelle, dass man «zur Beantwortung all dieser Fragen schlicht und einfach keine Zeit» habe.

Auch politisch prescht das Spital Uster vor. Auf die Frage, ob die Baupläne mit einem möglichen regionalen Spitalverbund (Stichwort: Wetzikon) abgestimmt seien, heisst es lapidar: Diese Bauten seien «so oder so» nötig. Das mag zutreffen. Dennoch schafft Uster Fakten. Und zeigt nicht, wie es sich in eine mögliche gemeinsame Versorgungslandschaft mit dem GZO einfügen würde. Genau diese Frage stellt sich aber der Region.

Die Spitalführung in Uster hat den Turnaround geschafft, die Kennzahlen zeigen nach oben. Das ist löblich. Doch ob dieser Höhenflug ausreicht, um die ambitionierten Baupläne wirklich zu bezahlen, muss der Geschäftsbericht 2025 zeigen. Bis dahin sind die Pläne vor allem eines: geduldiges Papier.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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