So viel gaben die Oberländer Parteien im städtischen Wahlkampf aus
Plakate, Inserate, Social Media
Keine Frage, ein Wahlkampf kostet Geld – gerade wenn es sich um Parlamentsgemeinden handelt. Wie hoch die Ausgaben der Parteien für die Kommunalwahlen aber tatsächlich waren, halten sie oft verdeckt.
Freude, Frustration und vielleicht auch etwas Entspannung – mit den letzten Wahlgängen am 12. April sind die Kommunalwahlen in den vier Oberländer Parlamentsgemeinden passé. Doch wie viel Geld haben die hiesigen Parteien dieses Jahr tatsächlich lockergemacht?
Wir haben in Dübendorf, Illnau-Effretikon, Uster und Wetzikon nachgefragt. Während linke Parteien relativ transparent mit der Kommunikation ihrer Ausgaben umgingen, hielt man sich im rechten Lager mit konkreten Angaben diskret zurück.
Knapp die Hälfte der Ortsparteien haben zudem auf unsere Anfrage gar nicht erst reagiert oder ihr Budget nicht in verschiedene Teilbereiche aufschlüsseln können.
Grosse Diskrepanz bei den Wahlbudgets
Die Mitte Dübendorf hat Ausgaben in Höhe von 28’350 Franken zu verbuchen. Davon entfallen rund 3000 Franken auf Giveaways und 4000 Franken auf ein Fotoshooting. Damit liegt die Partei – entsprechend ihrem Namen – im Mittelfeld derjenigen, die ihr Budget offengelegt haben. Finanziert wurde das Budget der Dübendorfer Mitte grösstenteils durch Parteibeiträge und Spenden.
Das sei auch bei der lokalen SP und den Grünen so, heisst es beispielsweise aus Dübendorf oder Wetzikon. Auffallend ist dabei, wie stark die Wahlbudgets von Partei zu Partei und von Stadt zu Stadt variieren.
Ein Bilderbuch-Exempel für diese ungleiche Verteilung der Aufwände zeigen die Zahlen der Grünen: Während ihre Ortspartei in Illnau-Effretikon die Ausgaben mit knapp 8400 Franken budgetiert hatten, kämpften die Grünen in Uster mit über 41’000 Franken um die Gunst der Wählerschaft.
Viel Geld für Plakate und Inserate
Ein Grossteil des Budgets gaben die Parteien für Plakate und Inserate aus. In vielen Fällen entfiel über die Hälfte auf diesen Sektor. Die höchsten Ausgaben verzeichnet dabei mit knapp 19’600 Franken die SP Wetzikon.
Reklame auf Social Media sei zwar grundsätzlich sehr wirkungsvoll, sagt der Co-Präsident der SP Wetzikon, Saamel Lohrer. «Man muss aber auch beachten, dass die Zielgruppe bei den kommunalen Wahlen sehr eingeschränkt ist», relativiert er. «Da lohnt es sich nicht, viel Geld auszugeben.»
Damit eine Kampagne wiedererkannt wird, ist die Menge an Plakaten und Inseraten massgebend.
Saamel Lohrer
Co-Präsident SP Wetzikon
Deshalb habe die SP Wetzikon vermehrt auf Plakate gesetzt, so Lohrer: «Damit eine Kampagne wiedererkannt wird, ist die Menge an Plakaten und Inseraten massgebend. Es geht um Mobilisierung durch Wiedererkennung.»
Anscheinend zeigten die vielen Plakate den gewünschten Effekt: Niemand erntete im Stadtrat Wetzikon so viele Stimmen wie der wiedergewählte Stadtpräsident Pascal Bassu (SP). Dazu gewann die SP im Parlament einen zusätzlichen Sitz. In den Bereich Social-Media-Werbung flossen 1200 Franken.
Die Mitte und die sozialen Medien
Einen anderen Weg schlugen Hanspeter Schmid und Dominic Müller von der Mitte Dübendorf ein. Die beiden posteten unter anderem ein Video, in dem einem buddhistischen Mönch mit einem Stock in den Genitalbereich geschlagen wird, begleitet von den Zeilen «Wenn du Stadträte in Dübendorf willst, die dir nicht auf die Eier gehen, dann wähle Hanspeter und Dominic am 12. April».
Insgesamt liess sich die Mitte Dübendorf ihre Social-Media-Kampagne 2500 Franken kosten. Das ist ein recht tiefer Betrag, haben doch andere Parteien wie die SP Illnau-Effretikon fast dreimal so viel Geld für Social Media ausgegeben.
Facebook und Co. als «digitale Verstärker»
Auch die Juso Zürcher Oberland setzte vor allem auf die sozialen Medien. Die Jungpartei schaffte es bei der diesjährigen Wahl erstmals mit einem Sitz ins Parlament von Illnau-Effretikon. Gerade als Jungpartei habe man gezielt die sozialen Medien genutzt, um junge Menschen anzusprechen, so Jael D’Agostino, Co-Präsidentin der Juso Zürcher Oberland.
«Für die Kampagne in Illnau-Effretikon haben wir rund 250 Franken für Online-Werbung ausgegeben», gewährt die Co-Präsidentin Einblick in die Budgetierung der Partei. «Für eine wirklich starke und nachhaltige Social-Media-Kampagne hätten wir jedoch deutlich mehr Budget benötigt.»
So sei es schwierig, über die sozialen Medien neue Zielgruppen zu erreichen. Denn die produzierten Inhalte würden bevorzugterweise von denen konsumiert werden, die sich bereits in der politischen «Bubble» befinden.
Auch Simon Binder (SVP), im März neu in den Stadtrat von Illnau-Effretikon gewählt, sieht Social Media eher als Ergänzung als der alleinige Erfolgsfaktor für seine Wahl. «Angesichts der tiefen Wahlbeteiligung von 2022 war es unser Ziel, sämtliche Kanäle zur Mobilisierung zu nutzen. Unsere Facebook-Seite diente dabei als digitaler Verstärker – diese erhöhte Sichtbarkeit hat sicher dazu beigetragen, unsere Kernthemen und die engagierten Köpfe dahinter präsenter zu machen.»
Mit über 50 Plakatstandorten hatte die SVP Illnau-Effretikon sehr viele Plakate aufgestellt, fast doppelt so viele wie beispielsweise ihre Konkurrenz, die SP.
SVP: «Solche Zahlen haben nichts in den Medien zu suchen»
Während die Parteien aus dem linken Politspektrum relativ offen über ihre Budgets sprechen, zeigt man sich auf der rechten Seite zurückhaltend. «Wir sind klar der Meinung, dass solche Zahlen einzig und allein den Parteimitgliedern zugänglich zu machen sind, und nichts in den Medien zu suchen haben», bekräftigt Ueli Kuhn, Präsident der SVP Illnau-Effretikon, auf Anfrage. Dasselbe Narrativ vertreten auch die SVP-Ableger in Uster und Dübendorf.
Bedeckt hält sich auch die FDP Wetzikon: «Wir geben dazu keine Auskunft. Wer an diesen Zahlen interessiert ist, ist eingeladen, sich für eine Mitgliedschaft zu bewerben», heisst es dort. «An der Vereinsversammlung wird die Rechnung präsentiert und von den Mitgliedern abgenommen.»
Das Vertrauen wird im Gespräch auf Augenhöhe gewonnen, nicht nur durch einen Klick.
Simon Binder
Neu gewählter Stadtrat (SVP) in Illnau-Effretikon
In einem Punkt sind sich die Parteien in Bezug auf Wahlwerbung jedoch einig: «Der direkte Kontakt mit der Wählerschaft spielt eine zentrale Rolle», sagt Jael D’Agostino, Co-Präsidentin der Juso. Dieser könne nicht einfach durch Social Media ersetzt werden.
«Politik findet vor Ort statt im direkten Kontakt mit der Bevölkerung», findet auch Daniel Schnyder, Präsident der SVP Uster. Simon Binder aus Illnau-Effretikon pflichtet seinem Parteikollegen bei: «Das Vertrauen wird im Gespräch auf Augenhöhe gewonnen, nicht nur durch einen Klick.»