Das Gewicht verlagert sich im Parlament Wetzikon ins Zentrum
SVP ist Wahlsiegerin
Im Wetziker Parlament werden in der neuen Legislatur fast zur Hälfte Neulinge sitzen. Ob die Bürgerlichen trotz Sitzgewinnen tatsächlich mehr Gehör erhalten, hängt von der Brücke-Fraktion ab.
Nach dem Wahlsonntag in Wetzikon ist die Rechnung auf den ersten Blick eigentlich schnell gemacht: Die links-grüne Ratsseite ist in der Legislatur 2026 bis 2030 gegenüber der heutigen Zusammensetzung geschwächt. Zwar hat die SP einen Sitz gewonnen und verfügt nun über sieben Mandate. Dem steht aber ein Sitzverlust bei den Grünen gegenüber, die noch vier Vertreter haben werden.
Was sich aber vor allem auswirkt, ist der Rückzug der Alternative Wetzikon, die nicht mehr zu diesen Wahlen angetreten ist. Deren zwei Sitze werden links-grün ab dem 1. Juni fehlen, wenn das neue Parlament zur ersten Sitzung zusammenkommt.
Auf der anderen Seite steht die SVP als grosse Wahlgewinnerin da, kann sie ihre Vertretung doch gleich um zwei auf zehn Sitze erhöhen. Umgekehrt muss die FDP einen Mandatsverlust hinnehmen und kommt noch auf fünf. Die EDU kann ihre zwei Sitze verteidigen. Somit zählt das bürgerliche Lager im 36-köpfigen Rat neu 17 Sitze, während links-grün noch auf elf Mandate kommt.
Die Brücke wird fester
Damit bürgerliche Anliegen zum Tragen kommen, ist also das Verhalten der sogenannten Brücke-Fraktion entscheidend. Diese setzt sich aus der GLP, die mit einem Sitzgewinn neu drei Mandate hat, sowie der EVP (drei Sitze wie bisher) und der Mitte (zwei Sitze wie bisher) zusammen. Unter dem Strich kann diese Fraktion ihr Gewicht als Zünglein an der Waage noch vergrössern.
Wie sich in der laufenden Legislatur gezeigt hat, wird dieses Gewicht der Mitte meist in die linke Waagschale geworfen – oder wie FDP-Präsident Sven Zollinger findet: «Die Zentrumsparteien EVP, Mitte und GLP stimmen zu 99 Prozent mit links.» Ähnlich sieht dies SVP-Präsident Rolf Müri: «In den letzten vier Jahren haben wir von einer Brücke in der Mitte nicht viel gespürt.»
SP hofft auf das Zentrum
Bei der SP freut sich Co-Präsident Saamel Lohrer zwar über das «Glanzresultat» seiner Partei, die sich für bezahlbare Mieten und Kinderbetreuung oder mehr Gleichstellung einsetze: «Unsere Politik der letzten Jahre wurde bekräftigt.» Ob die SP ihren Anliegen aber tatsächlich zum Durchbruch verhelfen kann, «hängt nach diesen Wahlen weiterhin von den Zentrumsparteien ab», gibt Co-Präsident Jonathan Assenberg zu bedenken.
Dort im Zentrum interpretiert René Rothen, Präsident der Wetziker EVP, das Wahlresultat mit dem Zuwachs für die SVP als einen Ruck nach «rechts-aussen». «Wir sind stolz, dass trotz diesem Rechts-aussen-Trend die bürgerliche Mitte mit der Brücke-Fraktion dank dem Zuwachs der GLP nun mit einem zusätzlichen Sitz gestärkt aus den Wahlen hervorgeht.» Die Brücke-Fraktion werde ihre «Mitte-Politik konsequent weiterverfolgen». Sie seien gewillt, «weiterhin zusammen mit den Rechts-aussen- und den Links-aussen-Flügeln nach vernünftigen Lösungen für Wetzikon» zu streben.
GLP, EVP und Mitte wollen neuen Fraktionsvertrag
Ob diese «vernünftigen Lösungen» auch die von der FDP verfolgten Ziele wie die Förderung des Mittelstands, stabile Steuern und einen schlanken Staat oder die von der SVP gesuchte Nähe zu den Anliegen der breiten Bevölkerung umfassen, wird sich zeigen, wenn die Zentrumsparteien ihren neuen Fraktionsvertrag aufsetzen und ihre Legislaturziele definieren.
Wie Mitte-Präsident Toni Zweifel erklärt, wollen die Parteien der Brücke-Fraktion ihre Zusammenarbeit auch in den kommenden vier Jahren fortsetzen. Er gesteht ein, dass diese Fraktion in der Vergangenheit Mitte-links operiert habe. Deren Vertreter seien sich aber vor allem bewusst geworden, dass sie nur dann «Power» hätten, wenn sie möglichst geschlossen aufträten. Dies habe sich etwa an der jüngsten Budgetdiskussion gezeigt.
Grosse Erneuerung
Ein Unsicherheitsfaktor in der Haltung der Parteien zu einzelnen Sachfragen ist die hohe Erneuerungsrate im Parlament. So werden für die SVP neben vier Bisherigen gleich sechs Neulinge einziehen. Bei der SP stossen drei Neue zu den vier Bisherigen.
Bei der FDP ist noch nicht ganz klar, wie deren Vertretung ab Juni aussehen wird. Neben zwei Bisherigen werden sicher zwei Neue hinzukommen. Ob aber der Musikschulleiter Thomas Ineichen die Wahl ins Parlament annehmen wird, ist noch offen. So ist er zuvor bereits still in die Schulpflege gewählt worden.
Er und seine Partei werden nun klären, wo er seine Kompetenzen im Bildungsbereich besser einbringen kann. Würde er sich für die Schulpflege entscheiden, könnte die bisherige Gemeinderätin Marianne Straub nachrutschen, die nun auf dem ersten Ersatzplatz liegt.
Zweimal Nachrutschen wegen Stadtratswahlen
Bei den Grünen wie bei der EDU werden keine Neuen Einzug halten. Dagegen ist bei der EVP-Delegation auch noch einiges offen. Die am besten gewählte Andrea Grossen-Aerni hat nämlich auch die Position als Schulpräsidentin erobert und freut sich nun, ihre Vision «für Schulen, in denen sich Kinder entfalten können, statt zu verkümmern, für Lehrpersonen, die gestärkt werden, statt auszubrennen, und für Eltern, die mit ihren Anliegen ernst genommen werden», umzusetzen zu versuchen.
Eigentlich würde für sie zu den beiden bisherigen EVP-Parlamentariern Stefan Burch nachrutschen. Der Wetziker Förster, der schon früher für seine Partei im Parlament sass, winkt jedoch ab. Er würde zwar gerne wieder in den Rat einziehen, doch sei er beruflich momentan zu stark engagiert. Noch ist offen, wer von den Nachfolgenden den dritten Sitz einnehmen wird.
Eine ähnliche Situation wie bei der EVP ergibt sich bei der GLP, denn auch dort ist mit Marie-Therese Büsser eine gewählte Parlamentarierin auf dem Durchzug. Sie schaffte nämlich auf Anhieb die Wahl in den Stadtrat. Somit dürfte der Bisherige Bernhard Schärer, der sich nach dem Wahlsonntag auf dem Ersatzplatz wiederfand, nachrücken. Damit würde sich die GLP-Delegation dann aus zwei Bisherigen und einer Neuen zusammensetzen.
Bei der Mitte schliesslich wird zum Bisherigen Toni Zweifel, der voraussichtlich Mitte 2027 das Präsidium des Parlaments übernehmen dürfte, ein Neuer stossen. Der zweite Bisherige, Elmar Weilenmann, muss mit dem Ersatzplatz vorliebnehmen. Alles zusammengerechnet werden im Juni mindestens 13 neue Parlamentarierinnen und Parlamentarier im Ratssaal des Stadthauses Einzug halten.