Abo

Wahlen

Erste Gemeindepräsidentin?

Die Qual der Wahl beim Schulpräsidium in Wildberg

Der Platz in der Schulbehörde in Wildberg ist nicht nur umstritten, sondern sorgt auch für Überraschungen.

Die Kandidierenden für den Gemeinderat sind unumstritten. Jene für das Schulpräsidium jedoch schon.

Foto: Simon Grässle

Die Qual der Wahl beim Schulpräsidium in Wildberg

Der Platz in der Schulbehörde in Wildberg ist nicht nur umstritten, sondern sorgt auch für Überraschungen.

In Wildberg stehen nicht nur Veränderungen an, sondern auch eine Kampfwahl. Und diese wird spannend. Denn während die Kandiderenden für den Gemeinderat konkurrenzlos antreten, stellen sich für das Schulpräsidium gleich drei Personen zur Verfügung – der Gewählte wird in den Gemeinderat einziehen. Nicht nur der aktuelle Präsident Swen Rüegg (parteilos) wird nicht mehr antreten, auch werden viele Mitglieder das Gremium verlassen.

Als die definitiven Wahlvorschläge publiziert wurden, standen zwei Personen zur Wahl für das Präsidium der Primarschulpflege Wildberg: Pierre-Yves Martin und Patrick Häfliger (beide parteilos).

Die ursprünglichen Kandidaten

«Als Schulspezialist ist das genau mein Feld», erklärt Pierre-Yves Martin seine Kandidatur. Er ist Dozent an der Pädagogischen Hochschule Thurgau, Lerncoach und hat früher selbst als Primarschullehrer in Wildberg gearbeitet. In der Region ist er ausserdem als Windkraftgegner bekannt. «Ich habe bereits vor zwei Jahren gesagt, dass ich kandidieren würde, sollte das Amt des Schulpflegepräsidenten frei werden.»

Dass sachkompetente Personen in politische Ämter gewählt werden, ist ihm äusserst wichtig. «Manchmal kommen leider völlig ungeeignete Menschen in ein Amt.» Er selbst würde sich nicht jedes Ressort zutrauen: «Für das Tiefbauamt beispielsweise wäre ich schlicht zu wenig qualifiziert. Meine Kompetenzen und Berufserfahrungen passen hingegen sehr gut zum Schulpräsidium.»

Patrick Häfliger will ebenfalls ins Präsidium der Primarschulpflege. Er ist Informatiker und unterrichtet Lehrlinge als Informatikdozent an der WISS Schulen für Informatik und Immobilien in Altstetten. Als er im Sommer vernommen hat, dass viele Mitglieder der Schulpflege und des Gemeinderats nicht mehr antreten, habe er sich Gedanken gemacht, wie er sich am besten einbringen könne. Er kam zum Schluss, dass er für die Gemeinde am meisten als Schulpräsident beitragen könne.

Häfliger findet, er sei für das Amt gut geeignet. «Das Schulpräsidium beinhaltet neben der Führung der Schulpflege auch einen Platz im Gemeinderat. Ich könnte mich mit meinem Know-how in beiden Bereichen einbringen», sagt er. «Einerseits mit der Erfahrung als Dozent und Leiter von verschiedenen Teams und Projekten, aber auch mit der Erfahrung und Ausbildungen in Informatik und Wirtschaftsthemen.»

Der dritte Mann

Aber wie bereits erwähnt, gibt es noch einen dritten Kandidaten. Das ist Simon Lutz (parteilos). Er ist der Einzige, der als Bisheriger kandidiert. Alle anderen Mitglieder der Primarschulpflege treten nicht mehr an. «Ein unglücklicher Zufall», sagt Lutz. Viele seien einfach schon lange in der Behörde gewesen.

Seine Kandidatur fürs Präsidium hat er bekannt gegeben, nachdem die definitiven Wahlvorschläge eingegangen sind. Sogar erst, nachdem das Podium zu den Wahlen stattgefunden hat.

Aber darf er das überhaupt? «Ja, selbstverständlich», sagt Lutz. «Die Wähler dürfen jeden Namen auf den Wahlzettel schreiben.» Den Entscheid für seine Kandidatur habe er vor zwei Wochen getroffen, jedoch sei es keine Kurzschlussreaktion gewesen. «Ich habe mich intensiv mit der Materie befasst und bin überzeugt, dass ich die Schulpflege gut leiten kann», sagt er. Als selbständiger Bauführer habe er bereits Erfahrung in der Leitung.

Er hatte sich zu Beginn nur als Mitglied auf die Liste gesetzt. Mit der Präsidiumskandidatur will er vor allem eines bezwecken: «Ich will eine Konstante ins Gremium bringen.» Schon früher habe er «daran herumstudiert», sich fürs Präsidium aufstellen zu lassen. Er hielt es jedoch nicht für notwendig. Nach der Podiumsdiskussion zu den Wahlen in Wildberg aber, seien viele zu ihm gekommen und hätten gefragt, ob er nicht doch ins Präsidium wollen würde. Also änderte er seine Meinung.

Neben den Präsidiumskandidaten wollen auch Valerio Cerlito, Annelies Deininger, Melanie Diener und Eva Zöbel (alle parteilos) in die Primarschulpflege.

Neue Gemeindepräsidentin

Neue Gesichter wird auch der Gemeinderat begrüssen müssen. Für die kommende Legislatur werden Thomas Kupper, Schulpräsident Swen Rüegg und Gemeindepräsident Dölf Conrad nicht erneut antreten. Für die vakanten Sitze stellen sich daher neue Kandidierende zur Verfügung: die beiden Parteilosen Gabriela Kleiner und Lorenz Kreienbühl.

Esther Pfenninger, bereits ein Mitglied, wird als Nachfolgerin für Conrad antreten. Sie könnte sogar diejenige sein, die das Präsidium als Letzte führen wird. Denn vielleicht fusioniert Wildberg mit Pfäffikon. Im letzten Frühjahr haben die Wildbergerinnen und Wildberger für eine Prüfung entschieden, und auch eine äusserst knappe Mehrheit in Pfäffikon war dafür.

Zur definitiven Abstimmung einer Fusion kommt es aber erst noch, wahrscheinlich im Februar 2027. Dass gleich drei Mitglieder aus dem Gemeinderat nicht mehr antreten, sei kein Hindernis für die Fusionspläne, versicherte Dölf Conrad letztes Jahr. Die Politiker würden sich dafür in einem Komitee engagieren, dessen Fokus die Fusion sei.

Die Kandidaten für den Gemeinderat Wildberg

Marcel Flisch (parteilos, bisher)

Gabriela Kleiner (parteilos, neu)

Lorenz Kreienbühl (parteilos, neu)

Esther Pfenninger (FDP, bisher), auch als Präsidentin (neu)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.