Schewi-Brugg: Der kritische Blick auf die Behörden
Die Aufregung ist vorbei. Ende November 2015 wählten die Wildberger Dölf Conrad (SVP) zum neuen Gemeindepräsidenten und die parteilosen Peter Weber und Thomas Kupper in den Gemeinderat. Im März 2016 nahm die Gemeindeversammlung das Budget im zweiten Anlauf an. Zuvor startete die Gemeinde mit einem Notbudget ins neue Jahr, die Exekutive war in Unterbesetzung tätig. Conrad hatte das Präsidium ad interim übernommen, weil Roland Bänninger das Amt Ende Jahr überraschend abgab.
Die Ereignisse des letzten halben Jahres haben das Vertrauen der Wildberger in die Dorfpolitik geschmälert. Kritisiert wurde insbesondere die Informationspolitik der Behörden. Drei Einwohner wollen nun dafür sorgen, dass sich Bevölkerung und Behörden wieder annähern: Bruno Pfenninger, Sabine Oberländer und Gabi Kleiner haben die Schewi-Brugg gegründet. «Schewi» steht für Schalchen, Ehrikon und Wildberg. Dass alle drei Dorfteile mitgemeint sind, sei wichtig zu betonen, sagt Gabi Kleiner.
«Habe mich fremdgeschämt»
Die Drei sitzen am Esstisch in Gabi Kleiners Haus, einer umgebauten Scheune. Der Blick geht ins Grüne, ein paar hundert Meter weiter liegt das Haus, in dem der Gemeindepräsident lebt. Die Wildberger, das hat Dölf Conrad nicht ohne stolz verkündet, seien ein eigenes Völkchen. Hier kennt jeder jeden. Neuigkeiten machen schnell die Runde, «und dennoch mussten wir aus der Zeitung erfahren, dass die Schulgemeinde den Steuerfuss um zehn Prozentpunkte erhöhen will», sagt Sabine Oberländer. «Wir hatten keine Ahnung davon, was die Behörden umtreibt.»
Nicht zu kommunizieren – diese Strategie habe viele Jahre funktioniert, sagt Bruno Pfenninger. Die Bevölkerung winkte Projekte, Budgets und Rechnungen ohne grosses Aufheben durch – bis Gemeinderat und Schule überraschend hohe Defizite in den Budgets fürs Jahr 2016 ankündigten, dazu noch die Steuererhöhung. Unmut machte sich breit. «Zeitweise herrschte eine gehässige Stimmung in den Dörfern, und die ganze Unzufriedenheit entlud sich an der Gemeindeversammlung», sagt Kleiner. «Der Gemeinderat war schlecht vorbereitet und konnte nicht alle Fragen beantworten. Ich habe mich fremdgeschämt.»
Noch am Anfang
So dürfe es nicht weitergehen, fanden die Drei, die sich seit vielen Jahren kennen und eine Zeit lang Nachbarn waren. Einer Partei anschliessen mochten sie sich nicht, eine Auswahl gibt es ohnehin nicht, in Wildberg politisiert lediglich die SVP – und auch die lässt kaum etwas von sich hören. Die Gruppe beschloss, die Schewi-Brugg wiederzubeleben. Die Organisation war vor einigen Jahren aufgelöst worden, die damaligen Akteure sind weggezogen.
Das Credo der drei Neuen: Brücken bauen, mit Weitblick handeln – und den Behörden auf die Finger schauen. «Man muss mit der Bevölkerung kommunizieren, vor allem, wenn es um unangenehme Botschaften geht», sagt Kleiner. Als erstes plante die Schewi-Brugg eine Info-Veranstaltung zu den Wahlen vom 28. Februar, an der sich alle Kandidaten vorstellen konnten. Der «Frohsinn»-Saal war gut besucht, und die Stimmung sei deutlich entspannter als Ende Jahr gewesen, sagt Pfenninger. Am Wahlapéro, den die Schewi-Brugg zusammen mit der SVP auf die Beine stellte, blickten die neuen Behörden mit einem gelösten Lachen in die Kamera. «Jetzt geht es wieder aufwärts», ist Pfenninger überzeugt. «Der neu zusammengesetzte Gemeinderat geniesst das Vertrauen des Dorfs. Jetzt muss er zeigen, dass er dieses Vertrauen verdient hat.»
Kontroverse Themen behandeln
Mit der Schewi-Brugg stehe man noch am Anfang, sagt Oberländer. «Wir müssen noch herausfinden, wie wir uns einbringen wollen.» Heute besteht die Organisation aus dem dreiköpfigen Vorstand ohne Parteibindung. «Wir würden uns über Zuwachs freuen, speziell aus Ehrikon oder Schalchen.» Geplant sind weitere Info-Anlässe, «damit die Leute wissen, was bei uns in der Gemeinde läuft». Themen, die kontrovers diskutiert werden, gibt es auch nach dem Budget-Debakel genug.
Zurzeit läuft die Vorbereitung zur Fusion der Schulen Wila, Wildberg und Turbenthal. Möglicherweise kommt in den nächsten Jahren auch die Fusion mit einer anderen Gemeinde zur Sprache. Das birgt Zündstoff. «Niemand gibt gern seine Eigenständigkeit auf», sagt Pfenninger. «Aber wir werden wohl nicht darum herumkommen, darüber zu reden.» Wichtig sei, die Leute früh genug in den Prozess mit einzubinden. Die gehässige Stimmung – die soll definitiv vorbei sein.