Parlament genehmigt Masterplan Unterwetzikon – aber senkt Kosten
Das Wetziker Parlament reduziert die geplanten Ausgaben für den Masterplan. Zudem gibt es dem Stadtrat weniger Spielraum.
«Das Tor zu Wetzikon.» So bezeichnete Stadtpräsident Pascal Bassu (SP) den Bahnhof Wetzikon an der Parlamentssitzung von Montagabend. Das Gebiet rund um den Bahnhof soll sich in den nächsten 15 Jahren wandeln. Angestossen hatte dies der Grüne Martin Wunderli 2019 mit einer Motion. Diese beauftragte den Stadtrat, einen Masterplan für den Stadtraum Unterwetzikon zu erstellen.
Dieser Plan soll die verschiedenen öffentlichen und privaten Bauvorhaben zur Aufwertung des Stadtraums Unterwetzikon koordinieren.
2022 hat der Stadtrat zusammen mit den SBB die Arbeiten am Masterplan aufgenommen – und dabei auch zahlreiche Mitwirkungsveranstaltungen durchgeführt.
Am Montagabend kam nun der fertige Masterplan nach über fünf Jahren zurück ins Parlament. Dieses Mal mit einem Preisschild: Der Stadtrat beantragte einen Rahmenkredit von 90 Millionen Franken, um verschiedene Schlüsselelemente des Plans umzusetzen – beispielsweise neue Veloparkplätze oder den Ausbau der Unterführung bei der Spitalstrasse.
Ein teures «Filetstück»
Für den Masterplan Unterwetzikon hatte das Parlament eine eigene Spezialkommission eingesetzt. Deren Präsidentin Daniela Oriet (SP) würdigte die Arbeit der vergangenen Jahre. «Wir freuen uns auf die Aufwertung der Stadt.» Doch auch für die Kommission war der Knackpunkt schnell bestimmt: die Kosten. «Wir stufen die Kreditsumme sehr hoch ein, eine Zustimmung an der Urne ist nicht selbstverständlich.»
Der Stadtrat rechnet zwar damit, dass rund ein Drittel der Kosten durch Bund, Kanton, SBB, Nachbargemeinden und Private übernommen wird. Doch eine definitive Zusicherung gibt es noch nicht. Dafür brauche es – wie Stadtrat Stefan Lenz (FDP) ausführte – in der Regel ein baureifes Projekt und vertiefte Verhandlungen.
Trotz den hohen Kosten beliess eine Mehrheit der Kommission den vom Stadtrat vorgeschlagenen Masterplan mit insgesamt 14 Schlüsselelementen. Das Gremium wollte jedoch den Spielraum des Stadtrats einschränken. Anstatt einen Rahmenkredit beantragte die Spezialkommission 14 Objektkredite, die sich gegenseitig bedingen. Diese umfassen die 13 einzelnen Schlüsselelemente sowie die Umgebungsgestaltung.
Die Schlüsselelemente

1. Neubau Bahnhofplatz
2. Neubau Bahnhofpark
3. Neubau Bushof – Poststrasse inklusive Witterungsschutz und Freiraumgestaltung
4. Neubau Bushof – Guyer-Zeller-Strasse
5. Neubau Fussgängerquerungen und Knotengestaltungen Rapperswilerstrasse
6. Personenunterführung Mitte: Neubau Rampe Spitalstrasse
7. Personenunterführung Mitte: Neubau Zugänge Bushof Guyer-Zeller-Strasse
8. Personenunterführung Nord: Neubau Zugänge Bushof Poststrasse
9. Neubau Veloabstellplätze dezentral (Bahnhofpark und Guyer-Zeller-Strasse)
10. Neubau unterirdische Velostation – Personenunterführung Nord
11. Neubau unterirdische Velostation – Personenunterführung Mitte
12. Neubau ebenerdige Parkplätze
13. Neubau Park and Ride Bosshard-Bühler-Areal
Weitere Visualisierungen und zusätzliche Informationen zum Projekt findet man auf der Website stadtraum-bahnhof-wetzikon.ch.
Dies änderte zwar an der Summe nichts, sollte aber verhindern, dass Geld zwischen den einzelnen Projekten umverteilt wird.
Im Fokus: 250 Veloabstellplätze
Mit den hohen Kosten nicht zufrieden waren die bürgerlichen Parteien. Und so stellten die SVP- sowie die FDP/EDU-Fraktion drei verschiedene Anträge.
Einer wollte die eingeplante Reserve von 10 Prozent streichen, der zweite auf die Schlüsselelemente sechs und elf verzichten und der dritte gar beides. Unter Beschuss standen somit der Neubau der Rampe in der Unterführung bei der Spitalstrasse sowie die dort geplante unterirdische Velostation.
Urs Bürgin (FDP), der ebenfalls Teil der Spezialkommission war, kritisierte die hohen Kosten für diese beiden Elemente von insgesamt fast 28 Millionen Franken. Der Neubau der Rampe von über 22 Millionen Franken sei nur nötig für die Erschliessung von 250 Veloabstellplätzen. «Diese nützen nichts», war Bürgin überzeugt. Das Mobilitätskonzept der Stadt könne auch ohne diese Veloabstellplätze erfüllt werden.
Dagegen hielt unter anderen Jonathan Assenberg von der SP. Er warnte vor einer «Operation am offenen Herzen» beim Streichen von einzelnen Schlüsselelementen.
Und für Stadtrat Stefan Lenz ging es bei der Unterführung nicht nur um die Veloabstellplätze, sondern auch um die Sicherheit.
Denn die Unterführung ist heute nicht gerade, sondern hat eine Kurve. «Wenn man durchläuft, weiss man nicht, wer hinter dieser ‹Nase› wartet.» Dies beeinträchtige das Sicherheitsgefühl, vor allem von Frauen.
8 Millionen weniger
Eine Mehrheit des Parlaments wollte die unterirdische Velostation und den Umbau der Unterführung nicht aus dem Masterplan streichen. Doch der Antrag der SVP zum Verzicht auf die eingeplanten Reserven fand eine Mehrheit.
«Ein Puffer vom Puffer scheint verfehlt», argumentierte Zeno Schärer und verwies darauf, dass die Kosten wohl ohnehin vorsichtig hoch veranschlagt wurden. Der Antrag reduziert die Gesamtkosten auf rund 82 Millionen Franken.
In der Schlussabstimmung nahm der Masterplan dann die erste politische Hürde mit 23 zu 9 Stimmen. Nun muss das Volk entscheiden, ob es die Umgestaltung von Unterwetzikon in die Wege leiten will. Stadtrat Stefan Lenz zeigt sich nach der Sitzung aber bereits erfreut: «Die erste Weichenstellung in Richtung Zukunft ist nun gelungen.»
Die weiteren Traktanden
Das Parlament …
… genehmigte den Planungskredit in Höhe von rund 600’000 Franken für die Gesamtsanierung und Erweiterung des Schulhauses Guldisloo;
… schrieb die Postulate «Wetzikon inklusiver machen» von Brigitte Meier Hitz (SP) und «Kleinbus-Konzept für den ÖV in Wetzikon» von Bernhard Schärer (GLP) ab;
… hörte die Beantwortung der Interpellation «Gewinn Eigenwirtschaftsbetrieb Marktdienstleistungen» von Elmar Weilenmann (Die Mitte);
… genehmigte die Fristerstreckung für die Motion «Einleiten einer Planung für eine Parkanlage an der Binzackerstrasse» von Daniela Oriet (SP);
… nahm die Begründung von drei neuen Postulaten zur Kenntnis: «Fitnessgeräte im Jörg-Schneider-Park und in anderen Orten» von Gerhard Schwabe (GLP), «Blühendes Wetzikon» von Kaspar Spörri (Grüne) und «Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt» von Brigitte Meier Hitz (SP).