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Politik

1,2 Millionen Franken sollen den gordischen Knoten lösen

Das Bahnhofareal in Unterwetzikon soll zu einem attraktiven Quartier heranwachsen. Das Planungsbüro Metron AG soll zeigen, wie das geht.

Für das gesamte Wetziker Bahnhofareal wird nun eine Masterplanung angepackt.

Foto: Christian Merz

1,2 Millionen Franken sollen den gordischen Knoten lösen

Geplant worden ist auf dem Wetziker Bahnhofareal in den letzten Jahren schon viel. Umgesetzt worden ist davon aber kaum etwas. Das soll sich ändern. Statt Einzelvorhaben umzusetzen wird nun eine Gesamtschau für die Entwicklung von Unterwetzikon erarbeitet. Und von Beginn an werden Politik und Anwohner in die Planung miteinbezogen.

Breite Abstützung angestrebt

«Ich glaube daran, dass wir so den gordischen Knoten lösen können», meint Planungsvorsteherin Susanne Sieber (FDP). «Ein Faktor gegenüber der verlorenen Abstimmung über die Neugestaltung des Bushofes im 2015 ist heute anders: Wir haben eine breite politische Abstützung für die Planung. Die Ende 2019 überwiesene Motion für einen Masterplan ist ein guter Boden.»

Doch nicht nur die Politik, auch die Anwohnerschaft soll frühzeitig Gehör finden. «Beim Planungsprozess für den Bushof gab es wenig Partizipation. In der Bevölkerung kam dadurch die Vorstellung auf, dass es für den Bau des Bushofes eine einfache Lösung gebe», schiebt Sieber nach. Eine solche einfache Lösung habe die Stadt darauf zu finden versucht. Letztlich scheiterte sie aber an den SBB, die mehr Platz für ein Perron sichern wollten.

Ein Bushof und viele Wege

Damit die schwierige Aufgabe diesmal gelöst werden kann, sassen die Stadt, die SBB und die Verkehrsbetriebe Zürichsee Oberland (VZO) zusammen und steckten ihre Interessen ab. Ziel soll die gestalterische Aufwertung des gesamten Bahnhofareals zu einem «attraktiven, pulsierenden Lebensraum für Begegnungen». Dabei steht ein neuer, regionaler Bushof im Vordergrund. Ebenso wichtig ist aber auch die Verbindung zu den Stadtteilen rund um den Bahnhof.

Unterstützung geholt hat sich die Stadt auch bei dem erfahrenen Projektleiter Heinz von Moos. Dieser hatte bereits den Masterplan für den Stadtraum Bahnhof Winterthur umgesetzt. Um eine professionelle Kommunikation im ganzen Prozess sicherzustellen, ist das Kommunikations- und Moderationsbüro Moderat GmbH engagiert worden. Dieses soll etwa eine spezielle Projekthomepage und Medienmitteilungen erstellen, aber auch Workshops mit Grundeigentümern, Anwohnern, Gewerblern und der Politik moderieren.

«Letztendlich soll die Entwicklung des Gebiets rund um den Bahnhof den Vorstellungen möglichst breiter Bevölkerungskreise aus Wetzikon entsprechen», unterstreicht Sieber. Eine erste Informationsveranstaltung ist im Frühjahr vorgesehen. Im Herbst folgt der erste Workshop.

Metron machte das Rennen

Für die eigentliche Ausarbeitung des Masterplans setzt die Wetziker Stadtplanung auf ein interdisziplinäres Team, das ein derart komplexes Vorhaben leiten kann und sich in Sachen Architektur, Verkehrs- und Raumplanung und Grünraum auskennt – und auch die Termine und Kosten im Griff behält.

Arbeiten am Masterplan Unterwetzikon beginnen

10.02.2022

Infoveranstaltung im Frühling

Der Stadtrat Wetzikon hat die planerische Gesamtleitung zum «Stadtraum Unterwetzikon» an die Metr Beitrag in Merkliste speichern Nach einem zweistufigen Verfahren wurde von den vier Bewerbern schliesslich das bekannte Planungs- und Architekturbüro Metron ausgewählt. Diese Firma hat etwa in Davos ein Gesamtkonzept für das Zentrum erstellt, in Steckborn eine Testplanung vorgenommen oder den Campus Horw entwickelt. Es erhält die Gesamtleitung für die ersten beiden Schritte im Planungsprozess. Im laufenden Jahr wird eine Vorstudie erstellt und letztlich aus mehreren Gestaltungsvarianten die beste ausgewählt.

Bis 2024 gilt es, ein Vorprojekt auszuarbeiten. Das Augenmerk liegt dann auf der Machbarkeit und den Kosten. Und Kosten ist auch das Stichwort, das schliesslich den Ausschlag für Metron gegeben hat. «Die Angebote der beiden bestplatzierten Anbieter lagen auf hohem Niveau nahe beieinander. Den knappen Ausgang zu Gunsten der Metron AG gab das Zuschlagskriterium des Preises», führt Sieber aus.

SBB werden sich beteiligen

Im 2024 soll dann der eigentliche Masterplan erstellt werden. In jener Phase wird auch der genaue Kostenteiler zwischen der Stadt und den SBB festgelegt. Und in der ersten Jahreshälfte 2025 werden die Wetziker über den Rahmenkredit befinden.

Für die ganzen Planungskosten bis zur Abstimmung rechnet die Stadt mit Aufwendungen von 1,174 Millionen Franken. Der grössere Teil davon entfällt auf die Gesamtleitung und die Projektbegleitung. Der Rest auf die Ausarbeitung der Machbarkeitsstudien. Einen guten Drittel dieser Auslagen dürften die SBB übernehmen.

Fünf mögliche Teilprojekte

Diese geschätzten Planungsaufwendungen von knapp 1,2 Millionen Franken beruhen auf der Annahme, dass letztlich fünf Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben werden.

Die Bahnhofunterführung an der Wetziker Spitalstrasse.

Diese könnten die Teilprojekte Bushof, Personenunterführung, Veloparkierung, Parkplätze sowie Grünraumgestaltung umfassen. Sieber will sich da noch nicht festlegen lassen: «Es könnten auch mehr oder weniger oder andere Teilprojekte werden. Das wird sich im Laufe des Planungsprozesses weisen.»

Geschätzte 48,1 Millionen Franken

Wie viel die Realisierung dieser Teilprojekte kosten wird, darüber gibt es heute wenigstens eine Grobschätzung: 48,1 Millionen Franken brutto. Diese Zahl basiert noch immer auf den Schätzungen, die in der Weisung über die Bushof-Abstimmung im 2015 angegeben worden sind. Damals wurden die Gesamtaufwendungen allerdings noch zehn Millionen Franken höher angesetzt. «Diese waren aber schon damals als einsparbar angegeben worden. Das haben wir nun gleich vorgenommen», erklärt Sieber.

Die Planungsvorsteherin unterstreicht, dass für die spätere Finanzierung der Teilprojekte mit namhaften Kostenbeteiligungen der SBB, des Bundes, des Kantons über Beiträge via ZVV und allenfalls auch mit Beiträgen von Nachbargemeinden an den Bushof gerechnet werden dürfe.

Bahnhofareal und Umfeld im Fokus

Der Perimeter, der nun bearbeitet wird, umfasst die vier Gestaltungsplangebiete Bahnhof West, Ost, Mitte und Süd. Er wird durch die Zürcher-, Rapperswiler-, Grüninger-, Guyer-Zeller- und Schellerstrasse begrenzt. In diesem Bearbeitungsperimeter werden die konkreten Teilprojekte erarbeitet.

Bearbeitung- und Betrachtungsperimeter des Masterplans Unterwetzikon.

Doch um die Vernetzung mit den umliegenden Gebieten zu gewährleisten, ist auch ein weiter gefasster Betrachtungsperimeter geschaffen worden. Das Bahnhofareal im Bearbeitungsperimeter soll nicht zur Insel werden, sondern rundum verkehrsmässig und gestalterisch Anschluss finden. «Dadurch kann dem Anliegen der Motionäre entsprochen werden, dass die Übergänge zu den umliegenden Räumen, Aufenthaltsorten und Quartieren sowie deren Entwicklungen berücksichtigt sind», unterstreicht Sieber.

Zu diesem Betrachtungsperimeter gehören auch die beiden an der Rapperswilerstrasse gelegenen Gestaltungsplangebiete Mattacker und Pestalozzistrasse. Dort haben sich die Planungsarbeiten schon über Jahre hingezogen und immer wieder verzögert.

Doch jetzt hat die Planungsvorsteherin eine frohe Botschaft: «Der Kanton hat seine Vorprüfung abgeschlossen. Er und die Stadt sind nun bereit.» Jetzt wartet die Stadt einzig noch auf die Zustimmungserklärung von vier Eigentümern. «Ich bin zuversichtlich, dass diese kommen werden. Schliesslich haben wir nun eine Konsenslösung gefunden.» Sind auch diese Zusagen eingetroffen, kann der Stadtrat die beiden Pläne festsetzen.

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