ÖV-Strategie neu geordnet: Kleinbusse in Wetzikon bleiben ein Wunschbild
Eine Frage des Geldes
Zusätzliche Kleinbusse? Selbstfahrende Fahrzeuge? Für eine bessere Erschliessung in Wetzikon gibt es viele Konzepte. Der Stadtrat hat nun einige geprüft.
Die Verkehrssituation in Wetzikon bleibt ein Dauerthema. Während der Bahnhof Wetzikon gut erschlossen ist, zeigt sich am Bahnhof Kempten weiterhin ein Loch im Netz. Auch verschiedene Aussenwachten und Quartiere – etwa Robenhausen, Schöneich oder Frohberg – sind nur unzureichend an den öffentlichen Verkehr angebunden. Längere Fusswege und Wartezeiten gehören zum Alltag.
Daraus entstand eine GLP‑Motion für ein Kleinbuskonzept. Das bestehende Busnetz sollte nicht nur ergänzt, sondern grundsätzlich neu gedacht werden: Kleinbusse im Linienbetrieb während der Stosszeiten, Rufbusse per App in den Nebenverkehrszeiten, zusätzliche Haltestellen in den Quartieren und saisonale Angebote wie eine Sommerlinie zur Badi Auslikon. Auch technologische Innovationen wie selbstfahrende Kleinbusse sollten Teil des Konzepts sein.
Der Stadtrat hätte dafür ein umfassendes Konzept mit Finanzierung, Rechtsanpassungen und raumplanerischen Massnahmen ausarbeiten müssen. Die Motion wurde vom Stadtrat jedoch nicht entgegengenommen, weil sie nach seiner Einschätzung in ein laufendes Planungsgefüge eingreift, das teilweise dieselben Ziele bereits verfolgt.
Stadtrat hat Varianten geprüft
Anfang 2025 verabschiedete die Stadt ihre neue Mobilitätsstrategie, der das Gesamtverkehrskonzept folgte, in dem die zentralen Forderungen der Motion – etwa bessere Erschliessungen, neue Linienführungen und die Anbindung Kemptens – ohnehin geprüft werden.
Das separate Kleinbuskonzept hätte aus Sicht des Stadtrats eine Doppelspurigkeit erzeugt und zusätzliche Ressourcen gebunden. Damit die Anliegen aber nicht verloren gehen, wurde aus der Motion ein Postulat. Der entscheidende Unterschied: Ein Postulat verlangt keine Umsetzung, sondern lediglich eine Prüfung. Diese liegt nun vor.
Der Stadtrat präsentiert darin zwei Varianten: Beide beinhalten drei zusätzliche Buslinien, die im halbstündlichen Takt verschiedene Quartiere – unter anderem Vogelsang, Guldisloo oder Frohberg – besser erschliessen sollen.
Beispielhafte Varianten
Der Stadtrat prüfte zwei Varianten für die Erschliessung der Quartiere Vogelsang, Leisihalden/Weinbergstrasse, Guldisloo, Robenhausen Dorf, Aawiesen, Frohberg/Morgenhalden. Dabei handelte es sich jedoch nicht um fertige Konzepte, sondern um beispielhafte Varianten.
Variante A

Variante B

Und der Stadtrat schätzt bereits die Kosten ein. So rechnet er mit jährlichen Kosten zwischen 350'000 und 500'000 Franken pro Linie, insgesamt bis zu 1,5 Millionen Franken im Jahr.
Weil die betroffenen Quartiere gemäss kantonalen Vorgaben bereits als «genügend erschlossen» gelten, müssten diese Kosten vollständig durch die Stadt getragen werden. Auch ein Kostendeckungsgrad von 30 Prozent, den der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) für eine spätere Übernahme verlange, wäre kaum erreichbar, heisst es im Bericht des Stadtrats.
Kempten als Knotenpunkt verworfen
Nicht prioritär sind für den Stadtrat deshalb alle Erschliessungen, die in sehr dünn besiedelte Gebiete führen, wie etwa Medikon oder Linggenberg. Auch ein Busknoten am Bahnhof Kempten sei kaum zielführend, da die meisten innerstädtischen Wege sich ohnehin am Zentrum Oberwetzikon orientieren würden.
Gleiches gilt für Rufbusse: Die Stadt hält sie aufgrund tiefer Nachfrage, höherer organisatorischer Hürden und ungünstiger Kostenfolgen für nicht zweckmässig. Und auch saisonale Busse wie etwa zur Badi werden abgelehnt, da der ZVV diese nicht finanziert und die Nachfrage stark schwankt.
Trotzdem würdigt der Stadtrat das Anliegen: Kleinbusse könnten in einzelnen Quartieren tatsächlich spürbare Verbesserungen bringen. Doch zum jetzigen Zeitpunkt seien Aufwand, Kosten und Nutzen nicht ausgewogen.
Selbstfahrende Kleinbusse könnten unter Umständen entscheidend werden, da sie den Betrieb günstiger machen und damit das Verhältnis von Kosten zu Nachfrage verbessern könnten. Die Stadt beobachtet die laufenden Pilotprojekte, will aber keine Vorreiterrolle einnehmen. Solche Projekte seien in «ferner Zukunft» in Betracht zu ziehen. Der Bericht des Stadtrats wird dem Parlament am 26. Januar zur Beschlussfassung unterbreitet.