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Engagement für Personal

Zwischen Tirggel und Millionen-Rettung: Wo steht der Verein Pro GZO?

Mit viel Engagement will der 2024 gegründete Verein Pro GZO dem Regionalspital und seinem Personal unter die Arme greifen. Ein Blick auf das bisher Erreichte.

Chantal Breitenstein (links) und Sonja Preisig wollen mit dem Verein Pro GZO vor allem das Personal des Spitals motivieren und unterstützen.

Foto: Remo Weber

Zwischen Tirggel und Millionen-Rettung: Wo steht der Verein Pro GZO?

Engagement für Personal

Mit viel Engagement will der 2024 gegründete Verein Pro GZO dem Regionalspital und seinem Personal unter die Arme greifen. Ein Blick auf das bisher Erreichte.

Es stellen sich derzeit viele Fragen, wenn es um das GZO Spital Wetzikon geht. Seit am 30. November 2025 die Aktienkapitalerhöhung in Bubikon an der Urne knapp keine Mehrheit fand, ist unklar, wer für das fehlende Geld aufkommen soll. Gleichzeitig steht noch offen, was die Gläubigerversammlung im Mai entscheiden wird.

In diesem unsicheren Umfeld möchte der Verein Pro GZO ein positives Zeichen setzen. Durch Verteilaktionen möchte er dem Personal des skandalgeplagten Spitals Hoffnung, Wertschätzung und Motivation mit auf den Weg geben. Nach einem grossen Wirbel bei seiner Gründung am 3. Juli 2024 ist es letztes Jahr ruhiger um den Verein geworden.

Mit diesen Aktionen engagiert sich der Verein

«Es gab letztes Jahr Todesanzeigen, in denen anstelle von Blumen eine Spende an unseren Verein gewünscht wurde.» Co-Präsidentin Sonja Preisig zeigt sich sichtlich ergriffen. Laut Vizepräsidentin Chantal Breitenstein, die gleichzeitig auch ärztliche Direktorin am GZO ist, war der Verein letztes Jahr sogar aktiver als in seinem Gründungsjahr. Das liege daran, dass er inzwischen bekannter sei.

Im vergangenen Jahr setzte der Verein mehrere Projekte um – hier eine Auswahl:

  • Verteilaktionen: Verteilung von Tirggelherzli und Natürli-Joghurts an die Belegschaft. Spenden erhält der Verein vorzüglich über Mund-zu-Mund-Propaganda.
  • Moralischer Support: Organisation von Snacks und Getränken für das mitfiebernde Personal am Abstimmungssonntag Ende November.
  • Unterstützung der GZO-Inseratekampagne: Flyeraktionen in den Gemeinden Bubikon, Dürnten, Fischenthal und Grüningen.
Zwei Beispiele für Verteilaktionen des Vereins: Links die Tirggelherzli, rechts Joghurts von Natürli.
Zwei Beispiele für die Verteilaktionen des Vereins: Links Tirggelherzli von der Stiftung St. Jakob, rechts Joghurts von Natürli.

So präsent ist der Verein in der Öffentlichkeit

Der Verein versteht sich immer noch als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Spitalpersonal: «Ich glaube, dass wir den Dank der Bevölkerung in das Spital hineintragen. Zurzeit wird viel Negatives über das GZO publiziert. Da wollen wir dem Personal das Zeichen geben, dass sie gebraucht werden.»

Grosse Aufmerksamkeit erhielt der Verein bei seiner Gründung auch dank prominenter Mitglieder, wie zum Beispiel Rolf Knie. Doch die erhoffte politische Schlagkraft blieb bisher eher diskret. Welche Rolle nimmt der grosse Name also wirklich noch ein?

Breitenstein überlegt kurz und sagt: «Als Co-Präsident ist er im Hintergrund immer noch recht aktiv.» Nur um sich wenig später zu korrigieren, dass «im Hintergrund» eigentlich falsch ausgedrückt sei. Letztes Jahr sei er für einen Überraschungsbesuch ins Spital gekommen – «Patienten, Besucher und die Belegschaft waren sehr überrascht». Zudem würden in den Medien immer wieder Interviews mit ihm erscheinen, in denen er auf die Situation der Gesundheitsversorgung aufmerksam macht.

Vor diesen Herausforderungen steht der Verein

Von aussen betrachet stellt sich die Frage, wie viel der Verein mit seinen Aktionen tatsächlich im und um das kriselnde Regionalspital herum bewirkt. Die Verantwortlichen haben hierzu eine ganz klare Meinung. Breitenstein sagt: «Ich finde, dass wir den Zusammenhalt innerhalb des Spitals verstärkt haben. Eine Krise schweisst zusammen.»

Doch wirft man einen Blick hinter die Fassade der Solidarität, so offenbart sich eine gewisse Diskrepanz:

  • Wenig Mitglieder: An der Generalversammlung vom 16. Februar nahmen nur vier Vorstands- und sechs Aktivmitglieder teil. Bei Anlässen werde der Verein jedoch durch zahlreiche Freiwillige unterstützt.
  • Rücktritte: Der Verein Pro GZO sieht sich derzeit mit zwei Rücktritten konfrontiert, für die bisher noch kein Ersatz gefunden werden konnte.
  • Wenig finanzieller Spielraum: Total verfügt der Verein über ein Vermögen von knapp 7500 Franken. Demgegenüber steht eine existenzbedrohende Lücke: 3,12 Millionen fehlen dem GZO.
  • Kein politisches Engagement: Der Verein verzichtet bewusst auf ein politisches Mitmischen. Ihm geht es primär um die Unterstützung des Personals.

So geht es nun weiter

Derzeit erwägt der Verein, eine Spendenaktion zu lancieren, um einen Teil der fehlenden 3,12 Millionen zusammenzukriegen. Das Spital steht unter Druck, da im Juni die Nachlassstundung endet, und diese nur noch für maximal ein halbes Jahr verlängert werden kann. Um einen Konkurs abzuwenden, müsste bis dann ein definitiver Rettungsplan bekannt sein.

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