Stadtkasse mit Blitzer aufbessern? Hat Dübendorf nicht nötig
Ein neuer Blitzkasten, grandiose Stadtfinanzen und ein «schnelles» Schulhaus: Am Dienstag zog der Stadtrat auf Einladung der Dübendorfer Gewerbler die – inoffizielle – Halbjahresbilanz.
Zuerst musste ein Gerücht aus der Welt geschafft werden: Der neue Blitzkasten auf der frisch sanierten Sonnental-Kreuzung füttere nicht etwa die Stadtfinanzen, sondern sei vom Kanton aufgestellt worden, hielt Stadtpräsident André Ingold (SVP) am Dienstag zu Beginn des Behördenzmittag im Restaurant Sonnental fest.
Nachdem das geklärt war, konnte es losgehen mit der inoffiziellen Halbjahresbilanz, die der Stadtrat immer nach den Sommerferien auf Einladung des Gewerbe-, Handels- und Industrievereins (GHI) präsentiert. Diesmal waren etwa 70 Personen anwesend.
Bäumles letzter Auftritt
Seinen letzten Auftritt im Arvensaal hatte Martin Bäumle (GEU/GLP). Der Dübendorfer Finanzvorstand tritt im kommenden Frühjahr nach 28 Jahren in der Stadtregierung nicht mehr zur Erneuerungswahl an.
Da er als Dienstältester um die Steuerfuss-Obsession der Wirtschaft weiss, schaffte er diesbezüglich gleich Klarheit: Nein, aus seiner Sicht sei im kommenden Jahr – trotz grossen Investitionen – keine Erhöhung nötig. «Die städtischen Finanzen sind nach wie vor in einem sehr guten Zustand», sagte er und mahnte scherzhaft, nicht zu viel Geld auszugeben, wenn der Bäumle erst mal weg sei. Sonst fange er dann noch an, Leserbriefe zu schreiben.
«Geben Sie acht aufeinander!»
Susanne Hänni (GEU/GLP) wiederum kennt die Vorliebe der Gewerbler für «Handfestes», sprich: die Schulhausinfrastruktur. Als Update vermelden konnte sie den bevorstehenden Abbruch des Schulgebäudes Birchlen, die ersten Planungsschritte für die Sanierung des Dorf-Schulhauses und den bevorstehenden Bau des Sonnenberg-Modulbaus – des «schnellsten» Schulhauses in Dübendorf: Erst im Mai genehmigte das Volk das 7-Millionen-Projekt, und schon Anfang Oktober werden die Elemente angeliefert.

Hätte Tiefbauvorstand Adrian Ineichen (FDP) alle Strassenbauprojekte aufgezählt, wäre der eine oder die andere im Saal bestimmt mit akuter Schwäche über dem Zmittag-Gedeck zusammengesunken. Ineichen verwies deshalb auf die entsprechende Liste auf der Website der Stadt – und gab stattdessen einen Denkanstoss. Wichtiger als bauliche Massnahmen sei, dass alle Verkehrsteilnehmer ihr Verhalten den Strassenverhältnissen anpassten. Und: «Geben Sie acht aufeinander!»
Keine Angst vor dem Innovationspark
Stadtpräsident Ingold wusste zu berichten, dass das Arbeitsklima in der Verwaltung sehr gut sei. Dies, nachdem sich die städtischen Angestellten mit einer Petition über die Arbeitsbedingungen beschwert hatten. Man habe die Kritik ernst genommen, eine Personalkommission eingesetzt und führe Informationsveranstaltungen durch. Der Wandel zeige sich auch darin, dass aktuell «sehr viele gute Leute» rekrutiert werden könnten.

Auch der Innovationspark war Chefsache. Ingold versuchte hier, allfällige Bedenken zu zerstreuen. Die 12'000 Arbeitsplätze entstünden nicht von heute auf morgen, sondern bis ins Jahr 2050. Parallel dazu werde auch die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut.
Kritik an «Tempo-30-Schikanen»
GHI-Präsident Simon Dietrich schliesslich sprach die laufende Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) an und hinterfragte die Mindestquote für Gewerberaum in gewissen Zonen. Aus dem Publikum kam zu den übergeordneten Vorgaben ebenfalls Kritik, zusammen mit der Befürchtung, dass es mit der Revision der BZO nichts werde, wenn der Stadtrat hier nicht eingreife.
Und was gab es sonst noch? Der Rechtsstreit über die Zoo-Seilbahn ist vor Bundesgericht, das Sportzentrum im Dürrbach kann wohl planmässig Anfang September 2026 eröffnet werden – und alt Stadtrat Willy Beerstecher (SVP) mag die zahlreichen «Tempo-30-Schikanen» auf der Oberen Geerenstrasse noch immer nicht.