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Budgetdebatte im Parlament

Wetzikon rüstet sich für Bewältigung des Investitionsbergs

Die SVP scheitert im Wetziker Parlament mit vielen Kürzungsanträgen. Und Links-Grün macht mehr Geld für Umwelt und Familienzentrum locker.

Wetzikon wächst und wächst – und mit der Stadt auch der Investitionsbedarf.

Foto: Simon Grässle

Wetzikon rüstet sich für Bewältigung des Investitionsbergs

Budgetdebatte im Parlament

Die Stadt Wetzikon rechnet für 2026 mit einem weiteren Ertragsplus. Gleichzeitig stehen rekordhohe Investitionen an.

Am Montagabend hat sich das Wetziker Parlament während fünf Stunden über das Budget 2026 gebeugt. Wie schon in den Vorjahren versuchte die SVP-Fraktion, mit zahlreichen Kürzungsanträgen das Ausgabenwachstum einzubremsen. 1,7 Millionen Franken weniger sollten es werden. Das hätte nach Ansicht der SVP eine Reduktion des Steuerfusses von 119 Prozent um 2 Prozentpunkte ermöglichen sollen.

Doch so weit kam es nicht, denn Mal um Mal scheiterte die SVP – egal, ob es um Stellenkürzungen, Streichungen im Kulturbereich oder um weniger Ausgaben für Biotopbäume oder Energieberatungen ging. Die SVP-Fraktion musste sich von der links-grünen Seite und der Brücke-Fraktion mit EVP, GLP und Mitte anhören, dass sie ihre Anträge doch gescheiter schon in den vorberatenden Kommissionen eingebracht hätte.

Mehr Geld fürs Frauenhaus und fürs Familienzentrum

Dabei kam die links-grüne Seite dann selbst mit drei Änderungsanträgen. Diese sahen aber nicht Streichungen, sondern Mehrausgaben vor. Mit den aktuellen Mehrheitsverhältnissen im Wetziker Parlament war ihnen mehr Erfolg beschieden. So wird der Beitrag an das Frauenhaus Zürcher Oberland aufgestockt, und zwar für ambulante Beratungen. Mehr Geld erhält auch das Familienzentrum, einerseits für eine Aufstockung der pädagogischen Leitungsstelle, andererseits für eine Lohnerhöhung und die Deckung der höheren Miete.

Eine Kinderzeichnung zeigt Häuser auf einem Stern.
Das Frauenhaus Zürcher Oberland erhält aus Wetzikon mehr Geld für Beratungen. (Archiv)

Ausserdem wird Geld für eine zusätzliche Stelle in der Abteilung Umwelt eingestellt. Kaspar Spörri (Grüne) argumentierte, dass heute die fristgerechte Umsetzung von neuen Vorgaben im Gewässerschutz oder im Grünraumkonzept nicht gewährleistet sei. Der zuständige Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP) meinte, dass es zu früh sei, hier aufzustocken. Ein solcher Antrag müsse nach Klärung der Aufgabenstellung aus der Abteilung selbst erfolgen. «Auch bei einem Ja wird es keine Stelle mehr geben.»

Stadtpolizei erhält nur ein neues Auto

Ganz erfolglos blieb übrigens auch die SVP nicht. Einstimmig – ein grosses Hallo ging durch den Saal – wurde deren Antrag unterstützt, die 7000 Franken, die vom Stadtrat für die Suche von neuen Polizeiaspiranten vorgesehen wurden, zu streichen. Der Grund: Es gäbe für diese gar keine Schulungsplätze. Auch eine Stellenaufstockung bei der Feuerwehr ist noch gar nicht nötig, wie Finanzvorsteherin Sandra Elliscasis (FDP) eingestehen musste. Der Betrag könne gestrichen werden. Er wäre ohnehin nicht ausgegeben worden.

Aufgrund eines SVP-Antrags wird auch die Stadtpolizei nur eines statt zwei Dienstfahrzeuge ersetzen können. Während der VW T6 abgelöst werden darf, muss der Mercedes V-Klasse weiter seinen Dienst versehen.

Polizisten des Korps Wetzikon haben sich vor drei Autos aufgestellt.
Der Fahrzeugpark der Stadtpolizei Wetzikon – hier eine Aufnahme von 2018 – kann nicht so schnell erneuert werden wie vom Stadtrat gewünscht.

Eine Aufwandentlastung gibt es ausserdem in der Abteilung Immobilien. Die Rechnungsprüfungskommission identifizierte zwei Positionen, die es 2026 nicht braucht.

Teurerer Neubetrieb im Jörg-Schneider-Park

Die grössten Veränderungen gegenüber dem ursprünglichen Budget des Stadtrats vom 1. Oktober ergeben sich aber aufgrund von Nachbesserungen, die die Exekutive im November selbst angegeben hat. Wobei die Anpassungen unter dem Strich dazu führen, dass sich der ursprünglich budgetierte Ertragsüberschuss von 7,6 Millionen Franken – bei einem Gesamtaufwand von rund 294 Millionen – reduziert.

Erst im Herbst wurde klar, dass Wetzikon deutlich mehr an den Zürcher Verkehrsverbund zahlen muss. Der Verbund ist unterfinanziert und bittet nun alle Gemeinden zur Kasse. Ausserdem wurden durch das Parlament die Gemeindeabgaben für Strom und Gas im Rahmen der Teilrevision der Gebührenverordnung abgeschafft. Und auch für den Neubetrieb des Kiosks im Jörg-Schneider-Park muss die Stadt mehr Geld auslegen.

Spielplatz mit verschiedenen Spielgeräten. Rechts eine Rutschbahn.
Für einen neuen Pilotbetrieb im Jörg-Schneider-Park hat das Wetziker Parlament nun Geld gesprochen.

Auch die Investitionen werden noch höher. So will der Stadtrat mit einer neuen Personenunterführung am Bahnhof Kempten vorwärtsmachen. Auch die Sanierung respektive der Ersatzneubau für den Komplex Bahnhofstrasse 155/157/159 vor dem Oberland Märt wird forciert.

Steuerfuss wird bei 119 Prozent belassen

Zusammengenommen mit den während der Budgetsitzung vorgenommenen Anpassungen beläuft sich der Ertragsüberschuss im Jahr 2026 auf noch 6,77 Millionen Franken. Da ihre Kürzungsanträge vom Parlament fast durchwegs abgewiesen wurden, zog die SVP-Fraktion ihren Antrag auf eine Reduktion des Steuerfusses zurück. Mit 24 gegen 4 Stimmen wurde der Satz auch für 2026 auf 119 Prozent belassen.

Riesige Investitionsbrocken

Diesen Ertragsüberschuss kann die Stadt Wetzikon gut gebrauchen, da im nächsten Jahr rekordhohe Investitionen von fast 100 Millionen Franken anstehen. «Seit 2016 konnte das Nettovermögen im Steuerhaushalt dank guten Abschlüssen kontinuierlich auf rund 167 Millionen Franken anwachsen», meinte Finanzvorsteherin Elliscasis.

Damit habe sich die Stadt fit für die Bewältigung des Investitionsbergs gemacht. Die grössten Brocken im nächsten Jahr sind Bildungsbauten, hinzu kommen Investitionen in die Stadtwerke, die beschlossene zusätzliche Beteiligung am GZO Spital sowie Auslagen für den Fernwärmeanschluss von Wetzikon.    

Das GZO Spital in Wetzikon im Nebel.
Die beschlossene höhere Beteiligung am GZO Spital schlägt sich massiv im Investitionsbudget der Stadt Wetzikon nieder.

Und mit Blick auf die nächsten Jahre bis 2029 stellte die Stadträtin in Aussicht, dass der Steuerfuss auch weiterhin stabil auf 119 Prozent bleiben könne. Der Selbstfinanzierungsgrad soll bei 10 Prozent liegen und eine «kleine» Ausgabenbremse greifen. «Ich erwarte bis dahin ähnlich gute Rechnungsabschlüsse und Budgets.»                    

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