Stabile Führung, stockende Projekte: Lindau vor der Bewährungsprobe
Der Gemeinderat zeigt sich konstant. Gleichzeitig drängen Themen wie der Dorfkern. Die kommende Legislatur wird zur Prüfung, ob personelle Kontinuität auch in konkreten Resultaten mündet.
Er ist der Gemeindepräsident, der im Bezirk Pfäffikon am längsten amtiert: Bernard Hosang (FDP) ist seit 14 Jahren der oberste Lindauer. Der Gemeindepräsident war bereits bei den letzten Wahlen konkurrenzlos angetreten. Und auch am 8. März wird ihm niemand das Präsidium streitig machen.
Hosang war vor seiner Zeit als Präsident bereits sechs Jahre Mitglied des Gemeinderats. Davor war er vier Jahre in der Schulpflege tätig. Sein Behördenengagement dauert also bereits über zwei Dekaden.
Offensichtlich geniesst er das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler als unangefochtener Politiker. Wobei er dies etwas anders sieht: «Von wegen unangefochten: Als Gemeindepräsident steht man quasi unter Dauerbeobachtung, und das ist gerade in der direkten Demokratie gut so», schreibt Hosang auf Anfrage.
Kontinuität weist nicht nur das Präsidium auf, auch im Gemeinderat wird es keine Wechsel geben. Dies macht dessen Arbeit bestimmt nicht einfacher. Denn auch für die kommenden vier Jahre steht die Gemeinde vor Herausforderungen wie unter anderem dem Dauerthema des knappen Schulraums. In den nächsten Schuljahren sollen beispielsweise im Oberstufenschulhaus Grafstal zusätzliche Klassen eröffnet werden.
Lindauer Dorfkern wird beschäftigen
Um dies zu bewältigen, braucht es nicht bloss Erfahrung. Diese ist definitiv vorhanden. Es braucht aber eben auch Geld. «Die permanente Weiterentwicklung der Gemeinde ist mir ein grosses Anliegen, wobei gesunde Gemeindefinanzen ein zentraler Pfeiler unserer Politik sind und bleiben», bestätigt Bernard Hosang. «Insbesondere Investitionen werden uns beschäftigen.»
Eine davon wird der Lindauer Dorfkern darstellen. Die Planung dafür liegt schon einige Jahre zurück, was den Druck für die kommende Legislatur verschärft. Der Gemeinderat muss der Bevölkerung ein angemessenes Projekt vorlegen und das Vorhaben konkretisieren.
Umstritten war die Aufwertung des Dorfkerns grundsätzlich nicht. Auch ein Neubau des Gemeindehauses wurde von den Lindauerinnen und Lindauern unterstützt. Trotzdem konnten sich der Gemeinderat und die Stimmberechtigten in den letzten Jahren nicht einigen.
Lange Vorgeschichte, neuer Ansatz
Der Gemeinderat insistierte, den Dorfkern und den Neubau als ein Projekt zu koppeln, was jedoch nicht im Sinne des Stimmvolks war. Bei einer Info-Veranstaltung im Sommer 2024 machte dieses deutlich, dass es das Vorhaben so nicht gutheissen würde.
Vor allem das neue Verkehrskonzept, das mit der Verlegung der Bushaltestelle auf der Tagelswangerstrasse zusammenhängt, sorgte für Unverständnis. Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) stufte das Projekt zudem als zu teuer ein.
Der Gemeinderat jedoch bestand bis zur Urnenabstimmung darauf, dass nur gemeinsam über die beiden Projekte abgestimmt werden konnte. Es folgte eine deutliche Ablehnung des Kredits von 12,34 Millionen Franken.
Nach langen Vorbereitungen haperte es also lediglich am Vorgehen, weswegen der Gemeinderat wieder über die Bücher muss. Konkrete Pläne gibt es noch nicht. So viel konnte Hosang im letzten Jahr bereits verraten: Es sei unwahrscheinlich, dass man versuchen werde, den Dorfkern und das Gemeindehaus erneut aneinanderzubinden.
Doch dieses Projekt zeigt, was Hosang auch so schon weiss: Lindaus Gemeinderat steht unter Dauerbeobachtung. Denn die Konstanz zeigt sich nicht nur in seiner Zusammensetzung, sondern auch im Fehlen eines angemessenen Dorfkerns.
Die Kandidaten für den Gemeinderat Lindau
Urs Christen (SVP, bisher)
Esther Elmer (SP, bisher)
Bernard Hosang (FDP, bisher), auch als Präsident (bisher)
Stephan Schori (SVP, bisher)
Claudio Stutz (SVP, bisher)
Andreas Vonwyl (parteilos, bisher)