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Vor der Judo-EM in Georgien

Sie richtet den Blick beharrlich nach oben

Die Ustermerin Gioia Vetterli hat sich näher an die internationale Spitze herangearbeitet. Doch der Weg Richtung Olympia bleibt schwierig – nicht zuletzt wegen der starken internen Konkurrenz.

Gioia Vetterli (rechts) kann gerade im Bodenkampf ihre physischen Stärken ausspielen.

Foto: SJV/Paco Lozano

Sie richtet den Blick beharrlich nach oben

Vor der Judo-EM in Georgien

Die Ustermerin Gioia Vetterli hat sich näher an die internationale Spitze herangearbeitet. Doch der Weg Richtung Olympia bleibt schwierig – nicht zuletzt wegen der starken internen Konkurrenz.

Im dritten Anlauf soll es klappen. Zweimal ist Gioia Vetterli an Europameisterschaften bislang auf Elite-Stufe bereits im Startkampf ausgeschieden – in der georgischen Hauptstadt Tiflis bietet sich ihr am Samstag die nächste Chance, das zu ändern.

Grund zur Zuversicht gibt es genug. Die 27-Jährige vom Judoclub Uster hat sich in den vergangenen Monaten näher an die internationale Konkurrenz herangearbeitet und tritt zunehmend konstant auf. Ein nächstes Zeichen setzte sie im Februar mit dem siebten Rang beim Grand Slam in Paris. Es war ihre erste Platzierung auf höchster Turnierstufe. «Es geht Schritt für Schritt vorwärts», sagt sie und formuliert für die EM einen Rang in den Top 7 als Ziel.

Gioia Vetterli vom Judoclub Uster am Grand Slam von Paris.
Beim Grand Slam von Paris erreichte Gioia Vetterli den siebten Platz.

Zu ihren Stärken zählen ihre physische Präsenz, ihre taktische Reife und ihre Gefährlichkeit im Bodenkampf, wo sie Kämpfe jederzeit entscheiden kann. In dieser Saison strebt sie erneut die Qualifikation für die Weltmeisterschaften an und will sich international in den vorderen Rängen etablieren.

Mögliche Nachfolgerin von Kocher

Die Europameisterschaften sind nicht nur ein sportlicher Höhepunkt, sondern auch eine wichtige Standortbestimmung mit Blick auf die im Sommer beginnende Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Als aktuelle Weltnummer 50 besitzt Vetterli realistische Chancen in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm. Sie könnte damit dereinst in die Fussstapfen der Riedikerin Fabienne Kocher treten, die an den Sommerspielen 2021 Bronze nur ganz knapp verpasste.

Wie einst bei Kocher ist auch bei Vetterli die interne Konkurrenz gross. Dass pro Gewichtsklasse nur eine Athletin für die Olympischen Spiele selektioniert werden kann, verschärft die Situation zusätzlich.

Vor Tokio 2021 lieferten sich Kocher und Evelyne Tschopp ein enges Duell – mit dem glücklichen Ende für die Judoka des Judoclubs Uster. Drei Jahre später blieb Kocher eine zweite Olympia-Teilnahme hingegen knapp verwehrt, als sie sich der aufstrebenden Binta Ndiaye geschlagen geben musste.

Ihre Konkurrentin trumpft auf

Vetterli sieht sich nun mit einer der grössten Schweizer Judo‑Nachwuchshoffnungen konfrontiert. April Fohouo gewann 2025 Gold und Silber an den U21‑Welt- und ‑Europameisterschaften und sorgte auch auf Elite‑Stufe bereits für Furore – zuletzt beim erwähnten Grand-Slam-Turnier in Paris, wo die 20‑jährige Waadtländerin erst im Final unterlag.

Dank konstant starken Resultaten ist sie im Weltranking bereits auf Platz 9 vorgerückt.

Chancenlos ist Vetterli im Rennen um das Olympia‑Ticket dennoch keineswegs. Bereits wenige Resultate auf hohem Niveau können die Ausgangslage rasch verändern. Darauf weist auch Dominique Hischier, Chef Leistungssport beim Schweizerischen Judo- und Ju‑Jitsu‑Verband, hin: «In internationalen Trainingslagern kann Gioia mit den Topathletinnen mithalten. Nun geht es darum, dieses Niveau auch im Wettkampf abzurufen.»

Vetterli selbst nimmt die Situation gelassen. «Es ist eben so», sagt sie – und betont zugleich das gute Verhältnis zu ihrer nationalen Konkurrentin. «Wir sind viel zusammen unterwegs und verstehen uns gut.»

Kein Thema ist für die Ustermerin ein Wechsel der Gewichtsklasse – trotz der starken internen Konkurrenz –, wie ihn etwa Evelyne Tschopp nach ihrem knapp verlorenen Olympia-Duell mit Kocher vollzog.

Vetterli richtet den Fokus klar auf ihre eigene Entwicklung. Die Europameisterschaften in Georgien sind dafür der nächste Gradmesser – und vielleicht auch der Schritt über den Startkampf hinaus.

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