Sie ist unter Zugzwang. Muss etwas riskieren, da sie mit einer kleinen Wertung im Hintertreffen liegt. Die Zeit verrinnt unerbittlich. Fabienne Kocher greift an.
Doch die Britin Chelsie Giles kontert. Sekunden später liegt die Riedikerin auf der Matte. Blitzschnell dreht sie sich auf den Bauch, blickt zum Schiedsrichter, wobei sie längst realisiert hat: Der Kampf ist vorbei.
Die Hoffnung auf eine Olympia-Medaille ist geplatzt. Kocher hat in der legendären Kampfsport-Halle Nippon Budokan in Tokio auch ihre zweite Chance nicht nutzen können. Ihre Augen werden feucht, ungläubig blickt sie ins Leere.
Die Enttäuschung überdeckt am Sonntag im ersten Moment alles. Dass sie sich in der Kategorie bis 52 Kilogramm durch ein hochkarätiges Tableauviertel in den Halbfinal vorgekämpft hat, in dem neben ihr die Nummern 1 bis 3 der Welt standen, dass sie mit Rang 5 so gut platziert ist wie noch nie eine Schweizer Judoka an Olympia, dass sie ein Diplom gewann – alles bedeutungslos.
«Wenn man im Halbfinal steht und ohne Medaille nach Hause muss, ist das der Worst Case», sagt sie in einer ersten Reaktion.

