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«Vorübergehend geschlossen»

Restaurant Sonne in Auslikon geht in Konkurs

Seit mehr als 180 Jahren wird in der «Sonne» in Auslikon gewirtet. Jetzt ist die Geschichte des Traditionshauses um ein trauriges Kapitel reicher.

Vorübergehend geschlossen: Der Pächter der «Sonne» in Auslikon hat Konkurs gemacht.

Foto: Sandro Compagno

Restaurant Sonne in Auslikon geht in Konkurs

«Vorübergehend geschlossen»

Seit mehr als 180 Jahren wird in der «Sonne» in Auslikon gewirtet. Jetzt ist die Geschichte des Traditionshauses um ein trauriges Kapitel reicher.

Der grosse Parkplatz in Auslikon ist an diesem warmen Frühlingstag praktisch leer. An den Tischen vor der Wirtschaft zur Sonne sitzen keine Gäste. Das stattliche Gasthaus direkt an der Pfäffikerstrasse empfängt heute keine Kunden. Auch nicht morgen und nicht übermorgen. «Vorübergehend bleibt das Restaurant geschlossen – danke für das Verständnis» steht in leicht holprigem Deutsch auf dem Beizenschild vor der Eingangstür.

Ein Blick ins Handelsregister bestätigt: Über die «Sonne» in Auslikon wurde der Konkurs verhängt. Das Einzelunternehmen von Pächter Uros Razpet ist pleite.

Das Wirtshaus im Besitz der Familie Spörri-Näf hat bewegte Jahre hinter sich, seit Silvia Näf im Sommer 2016 von der Pfäffiker Aussenwacht nach Wermatswil ins «Puurehuus» wechselte. Die Pächter, die auf die legendäre Wirtin folgten, gingen nach eineinhalb Jahren in Konkurs.

2018 sprangen Silvia Näfs Ehemann Peter und Tochter Nadine Spörri-Näf ein. Vier Jahre lang wirtete das Duo und rückte den angeschlagenen Ruf des Hauses wieder zurecht. Dass sie sich Ende 2022 zurückgezogen hätten, sei nicht etwa daran gelegen, dass das Restaurant nicht rentiert habe, sagt Nadine Spörri-Näf rückblickend: «Ich bin Mutter geworden und wollte den Fokus auf die Familie legen.»

Also wurde die «Sonne» erneut verpachtet. Seit Januar 2023 heisst der Pächter Uros Razpet – und hat jetzt ebenfalls Konkurs gemacht.

Eigentümer des Restaurants sind Nadine Spörri-Näf und ihr Ehemann Patrick, der in Agasul ein Bauunternehmen führt. «Am Ende ging es schnell», sagt Patrick Spörri über die Pleite seines Pächters. Über die Gründe für dessen Konkurs will er sich nicht äussern. Wer auf Tripadvisor nach Informationen über die «Sonne» sucht, der findet deutliche Indizien, warum das Restaurant nicht rentierte. Drei Auszüge aus den letzten drei Bewertungen: «Nie wieder ‹Sonne› Auslikon» – «Alles lieblos» – «Mittelmass».

Die «Sonne» soll Beiz bleiben

Die Eigentümer der «Sonne» sind Bauunternehmer. Zuletzt wurden im Oberland mehrfach Restaurants in Wohnungen umgebaut. So entstehen beispielsweise im oben erwähnten «Puurehuus» in Wermatswil Eigentumswohnungen, dieselben Absichten haben die neuen Besitzer der «Metzg» in Russikon.

Und was passiert mit der «Sonne»? Ein Umbau in Wohnungen sei nicht vorgesehen, sagt Nadine Spörri-Näf: «Wenn ein Dorf keine Beiz mehr hat, stirbt das Dorfleben. Wir wollen, dass es in Auslikon weiterhin ein Restaurant gibt.»

Erste Gespräche mit potenziellen Pächtern laufen bereits. Man suche einen «Gastronomen mit Leib und Seele», sagt Nadine Spörri-Näf. «Das Inventar ist vorhanden, das Restaurant funktioniert. Es ist alles da. Auch wenn der Ruf zuletzt etwas gelitten hat.»

Diesen wieder aufzupolieren, wird die erste Priorität der neuen Pächter sein. Das traditionsreiche Haus hätte es verdient, nicht nur für sein grosszügiges Parkplatzangebot gelobt zu werden.

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