Abo

Wahlen

Ausgangslage vor den Wahlen

SVP will in Illnau-Effretikon endlich wieder in den Stadtrat

Die Stadt steht vor Herausforderungen, die vor allem linke oder rechte Anliegen beflügeln könnten. Doch Obacht, die Parteien im Zentrum haben ihre Schlüsselfunktionen.

Am 8. März entscheidet das Stimmvolk von Illnau-Effretikon, wer künftig regelmässig bei den Sitzungen im Stadthaus dabei sein wird. (Archiv)

Foto: Simon Grässle

SVP will in Illnau-Effretikon endlich wieder in den Stadtrat

Die Stadt steht vor Herausforderungen, die vor allem linke oder rechte Anliegen beflügeln könnten. Doch Obacht, die Parteien im Zentrum haben ihre Schlüsselfunktionen.

Während es Gemeinden im Oberland gibt, die Mühe haben, ihre Wahllisten zu füllen, kennt Illnau-Effretikon dieses Problem nicht. Für die Erneuerungswahlen am 8. März kommen auf sieben Stadtratssitze neun Kandidierende.

Erik Schmausser (GLP) wird den Stadtrat verlassen, Parteikollege und Kantonsrat Andreas Hasler will dessen Nachfolge antreten. Hasler war von 2010 bis 2019 Parlamentarier und kandidiert nicht zum ersten Mal für den Stadtrat. Als Kantonsrat, findet er, habe er einen Vorteil: «Ich kann auch über die Kommunalebene hinaus Türen öffnen», sagt Hasler. Heutzutage müssten sich Fragen zu Umwelt und Gesellschaft mit liberalen Werten vereinen können, wofür er einstehen wolle.

Zudem findet er eine GLP-Vertretung im Stadtrat notwendig. «Gerade jetzt, wo zwischen links mit der Wohnungsnot und rechts mit den Steuern polarisiert wird, braucht es einen Ausgleich dazu», sagt er. «Langfristige Lösungen entstehen immer im politischen Zentrum.»

Im Stadtrat ist die Verteilung wie folgt: Drei Sitze besetzen die FDP, zwei die SP, einen Sitz die GLP und einen die Mitte. Eine SVP-Vertretung sucht man schon seit zwei Legislaturen vergebens.

Nicht, weil es die SVP nicht versucht hätte. Bei den letzten Erneuerungswahlen wollte René Truninger (SVP) das Stadtpräsidium übernehmen. Dieses Jahr tritt Stadtpräsident Marco Nuzzi (FDP) aber konkurrenzlos auf. Trotzdem haben es zwei SVPler auf die Besetzung im Stadtrat abgesehen: die Parlamentarier Daniel Huber und Simon Binder.

SVP will in den Stadtrat

Huber amtiert seit 16 Jahren im Stadtparlament und kandidiert nicht zum ersten Mal für den Stadtrat. Er findet, dass die SVP zwingend in den Stadtrat gehört. «Ich denke, die Zeit ist überreif, dass wir als wählerstärkste Partei wieder adäquat im Stadtrat vertreten sind», erklärt er auf Anfrage.

Dass er den Einzug gleich mit Binder zusammen machen will, ist kein Zufall: «Wir ergänzen uns ideal in vielfacher Hinsicht, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir beide das nötige Rüstzeug für den Stadtrat mitbringen.»

Mitstreiter Binder ist seit acht Jahren Parlamentarier und war im letzten Jahr höchster Illnau-Effretiker. «Die Zeit in der Legislative war eine extrem wertvolle Schule, aber ich habe gemerkt, dass ich ein Exekutivtyp bin», erklärt er auf Anfrage. «Ich möchte nicht mehr nur länger den Schlussentscheid fällen, sondern von Anfang an die Ärmel hochkrempeln und Verantwortung für die Umsetzung übernehmen.»

Bürgerliche Dominanz im Parlament

Die SVP ist zwar nicht im Stadtrat vertreten, sie ist aber im Parlament mit neun Sitzen die grösste Fraktion. Die FDP und die SP belegen jeweils sieben Sitze, die Mitte und die GLP jeweils vier, die Grünen haben drei Sitze, und die EVP ist mit zwei Mitgliedern im Parlament vertreten.

Dass dieses Jahr sogar die Juso Zürcher Oberland zumindest einen der 36 Sitze in der Legislative übernehmen wollen, zeigt, dass das ganze politische Spektrum mitmischen will. Aktuell dominieren klar die Bürgerlichen mit der SVP und der FDP.

Diese Dynamik ist im Parlament des Öfteren zu beobachten. Ein Beispiel ist die Annahme der Volksinitiative zum Verkauf des alten Werkhofs. Diese verlangt, das Grundstück ohne Auflagen zu verkaufen. Konkret soll auf die 50 Prozent des geplanten Wohnraums zur Kostenmiete verzichtet werden. Die FDP, die SVP und die EVP schafften es gemeinsam, dass der Stadtrat die Initiative nun ausarbeiten muss.

Schlüsselrolle der kleinen Parteien

Auch Ende 2024 spannten die FDP und die SVP einheitlich gegen eine Steuerfusserhöhung auf 113 Prozent zusammen. Jedoch übernahmen die kleineren Parteien aus dem Zentrum die Schlüsselrolle, die das knappe Ergebnis ausmachte.

Die Auswertungen dieser Redaktion zur Umfrage über die Probleme in der Gemeinde haben ergeben, dass steigende Steuern und schwindender bezahlbarer Wohnraum zu den Kernsorgen der Bevölkerung gehören. Ausserdem ist nicht zu vergessen, dass Illnau-Effretikon im Gegensatz zur letzten Legislatur finanziell gesehen schlechter dasteht: Vor Kurzem hat der Stadtrat ein Sparpaket erarbeitet, denn es stehen grosse Investitionen an, die Ressourcen bleiben aber knapp. Der Stadtrat meinte auch bereits, dass eine Steuerfusserhöhung für 2027 nicht gänzlich auszuschliessen ist, wenn sich die finanzielle Lage nicht bessern sollte.

Diese Themen polarisieren. Doch gerade diese Polarisierung könnte den kleineren Parteien im Parlament einen Vorteil verschaffen: Schon bei den letzten Wahlen hat sich in Illnau-Effretikon gezeigt, dass die Wählerschaft den rechten und den linken Pol etwas geschwächt hat, denn die SVP und die SP büssten jeweils einen Sitz ein, während die Mitte und die GLP davon profitierten.

Die Kandidaten für den Stadtrat Illnau-Effretikon

Simon Binder (SVP, neu)

Andreas Hasler (GLP, neu)

Daniel Huber (SVP, neu)

Michael Käppeli (FDP, bisher)

Marco Nuzzi (FDP, bisher), auch als Präsident (bisher)

Rosmarie Quadranti (Die Mitte, bisher)

Brigitte Röösli (SP, bisher)

Philipp Wespi (FDP, bisher)

Samuel Wüst (SP, bisher)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.