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Politik

«Überparteiliche Einigung bringt mehr als Parteiquerelen»

So tickt Simon Binder, der junge SVP-Politiker. Als Parlamentspräsident nimmt er jetzt aber eine andere Position ein: keine.

Simon Binder, der neue Parlamentspräsident in Illnau-Effretikon, wird für ein Jahr die Sitzungen leiten.

Foto: Mel Giese Pérez

«Überparteiliche Einigung bringt mehr als Parteiquerelen»

Neuer Parlamentspräsident in Illnau-Effretikon

Simon Binder wird ein Jahr das Parlament in Illnau-Effretikon leiten. Dafür muss er sich neutral zeigen. Eine Eigenschaft, die dem SVPler einfach fallen wird.

Es gibt zwei Dinge, die an Simon Binder (SVP) auffallen, wenn man ihn persönlich trifft. Erstens: Er kann sehr zuvorkommend sein. Das zeigte sich beispielsweise, als die Redaktion ein Treffen mit ihm ausmachte, um über seine neue Funktion als Parlamentspräsident zu sprechen.

Er hatte nicht nur das Lokal vorgeschlagen, sondern suchte auch gleich die passende Zugverbindung für die Journalistin heraus.

Im Café bot er sein eigenes Gipfeli an, als der Kellner fälschlicherweise das zweite wieder mitnahm. «Aber nimm doch wenigstens die Hälfte davon», meinte er fürsorglich.

Zweitens: Er gehört mit seinen 29 Jahren zum jungen Schlag – im Effretiker Parlament gut vertreten. Dafür bringt er einiges unter einen Hut. Denn seit seiner sechsjährigen Amtszeit im Stadtparlament hat sich viel getan.

Er schloss sein Studium als Agrarwissenschaftler ab, wurde Mitarbeiter beim Strickhof in Lindau, übernahm den elterlichen Hof in Luckhausen, renovierte mit seiner Frau das Wohnhaus und wurde selbst Papi. Gleich zweimal.

Mit dem Nachwuchs auf dem Traktor

Seine Söhne sind eins und vier. Damit er seine Familie nicht vernachlässigt, müssen einige Hobbys hintanstehen – wie beispielsweise das Trompetenspielen. Doch vieles lässt sich gut mit seinen Tätigkeiten vereinbaren.

So arbeitet er gerne morgens für den Kanton als Pflanzenschutzberater. Am Nachmittag ist er auf dem Ackerbaubetrieb tätig. Dort hat er auch die Möglichkeit, seine Familie in sein Berufsleben zu integrieren. «Mein Ältester darf auch mal mit, wenn ich mit dem Traktor unterwegs bin.»

In Binders Leben lassen sich die Welten scheinbar sehr gut miteinander vereinen. Schon seit Beginn des ETH-Studiums plante er mit der einstigen Hofübernahme. Ihm war deshalb auch klar, dass er dort seine eigene Familie gründen wird.

Durch diese Bedingung konnte er sich auch mit einer langfristigen Perspektive in der kommunalen Politik einsetzen. «Junge Menschen sind meistens sehr mobil und ziehen oft um.» Seine Beständigkeit bringe also Vorteile.

Dass er auch noch Bauer ist, bedeutet für ihn, dass er umso mehr am Wohl der Stadt Illnau-Effretikon interessiert ist. Denn den Landwirtschaftsbetrieb könne er nicht verschieben. Gehe es der Gemeinde gut, so würde es auch ihm gut gehen. «Geht es aber der Gemeinde schlecht, so gehe ich mit dem sinkenden Schiff unter.»

Themenpolitik statt Wahl-PR

Seit den Sommerferien ist er aber im Parlament nicht mehr als SVPler präsent, sondern als Präsident. Er zeigt sich sozusagen neutral – was ihm leichtfallen wird. Denn im Gespräch wird schnell klar: Er liebt die gelebte Demokratie. Er mag den Austausch der Parteien, er schätzt, dass sich diese auf einem breiten Spektrum bewegen und ist sich sicher, dass überparteiliche Einigung mehr bringt als «Parteiquerelen».

Neutralität ist wohl kaum eine Eigenschaft, die jedem SVP-Politiker vorgeworfen werden kann. «Nun, ich bin ja nicht immer neutral. Aber ich finde es wichtig, dass man sich in der Politik zuhört und ausreden lässt, statt stur auf der eigenen Meinung zu beharren.»

Vor allem in der Kommunalpolitik sieht er keinen Grund, dass es zu Feindseligkeiten kommt. «Schliesslich wollen wir doch alle dasselbe: Unserer Gemeinschaft soll es gut gehen.»

Dass die SVP auch mal die Grenzen mit ihrer Kommunikation überschreiten kann, ist Binder weder recht noch ein Dorn im Auge: «Es gibt einen Unterschied zwischen Themenpolitik und Wahl-PR. Das Erste ist, was ich gern betreibe. Das Zweite gehört einfach in der Politik dazu. So spricht man schliesslich Wählerinnen und Wähler an.» Irgendwie neutral eben.

Wieso die SVP?

Dass er der SVP beitrat, war bewusst und keinesfalls ein Zufall. Der 29-Jährige sah sich schon immer auf der bürgerlichen, rechten Seite.

Binders Eltern waren politisch nicht engagiert, sehr wohl aber interessiert. Sie hätten gerne mal «Arena» geschaut oder die Debatten des ehemaligen Nationalratspräsidenten Max Binder verfolgt – der Cousin von Simons Vater. «Deshalb wurde auch schon mal am Küchentisch politisiert.»

Der Ansporn kam aber von «den richtigen Personen», die ihn an Treffen der Jungpartei mitnahmen. So kam es, dass er mit der SVP in Berührung kam.

Die Partei vertrat die Werte, die ihm wichtig sind. Da wäre zum Beispiel die Eigenverantwortung: Der Staat soll zwar Grundregulierungen vorgeben, doch jeder «ist seines eigenen Glückes Schmid». «Das ist für mich eine typische Grundeinstellung der SVP», betont der Parlamentspräsident.

Doch was noch viel wichtiger ist: das Mitspracherecht des Volks zu erhalten. «Wir haben ein riesiges Glück, dass unsere Vorfahren uns die einzigartige direkte Demokratie schenkten. Jetzt liegt es an uns, diese zu bewahren.» Seiner Meinung nach ein Anliegen, für deren Erhaltung sich die SVP besonders starkmacht.

Die Tücken, rechts zu sein

Bezeichnet er die SVP überhaupt als eine «rechte» Partei? «Ja natürlich. Es ist ganz einfach: rechts ist das Gegenteil von links. Und auf dem politischen Spektrum bewegen wir uns auf der entgegengesetzten Seite unserer linken Kollegen.»

Vielmehr stört ihn, dass der Begriff «rechts» stigmatisiert ist. «Auch wenn der Wahlanteil der SVP gross ist, so bleibt leider eine gewisse Hemmschwelle, einer rechten Partei zugehörig zu sein.» Früher, im akademischen Umfeld, musste er sich viel mehr für seine Parteizugehörigkeit rechtfertigen.

Da hätten es die Linken viel einfacher: «Ein linker Politiker mit extremen Forderungen wird im schlimmsten Fall als Träumer abgetan.» Als rechter Politiker würde man sich mit «gleichsam extremen Ideen schnell die Finger verbrennen».

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