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Gesellschaft

Zwei Petitionen von den Ortsparteien

Nur wenige Egger wehren sich gegen Deponien

Die Egger Parteien wollen keine zusätzliche Deponie auf Gemeindeboden. Doch sie können nur wenige Einwohner für ihren Protest gewinnen.

Zwischen der Forchstrasse (rechts im Bild) und der Gossauerstrasse (unten im Bild) soll nach den Plänen des Kantons auf dem Gebiet Erzacher eine neue, grosse Deponie auf Egger und Oetwiler Boden entstehen.

Foto: Michael Trost

Nur wenige Egger wehren sich gegen Deponien

Zwei Petitionen von den Ortsparteien

Es hätte ein Sturm der Entrüstung werden sollen, doch es ist bei einem Lüftchen geblieben: Nur 365 Egger stellen sich gegen die Deponiepläne des Kantons.

Im April 2024 sorgte die Baudirektion für grossen Unmut im Oberland. Von der damals vorgestellten Zürcher «Gesamtschau Deponien» hatten sich einige Oberländer erhofft, dass der eine oder andere Deponiestandort aus der Planung verschwinden würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Laut den Plänen von Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) soll das Gebiet zwischen dem Greifensee und Rüti kantonsweit die höchste Dichte an Deponien erhalten. Über ein Viertel aller Standorte liegt in der Region.

Egg voller Deponien

Absolut einmalig ist die Situation in der Gemeinde Egg: Zu den drei schon im Richtplan verzeichneten Standorten soll noch ein vierter hinzukommen. Keine andere Zürcher Gemeinde weist eine derartige Dichte auf.

Kartenausschnitt mit bestehenden und geplanten Deponien Erzacher, Chrüzlen, Leerüti, Büelholz, Tägernauer Holz in und um Egg,
Gemäss kantonaler Planung sind auf Egger Boden vier Deponiestandorte vorgesehen: in der Chrüzlen (violett), die seit Jahren in Betrieb ist, den beiden geplanten Lagerstätten Büelholz (blau, oben links) und Leerüti (blau, Bildmitte) sowie neu zusätzlich im Erzacher (grün). In nächster Nähe, aber auf Gossauer und Grüninger Boden ist die Deponie Tägernauer Holz (blau, rechts) vorgesehen.

Entsprechend fiel damals die Rückmeldung aus Egg an den Regierungsrat auch am schärfsten aus. «Der Gemeinderat Egg spricht sich dezidiert gegen die neue Deponie Erzacher aus.» Die Festsetzung dieser Deponiestandorte sei sachlich unnötig und auch politisch «unakzeptabel».

Parteien wollen keine neue Lagerstätte

Die Deponiepläne riefen auch die Egger Parteien auf den Plan. Vor allem George Angehrn von der SP Egg, der frühere Präsident des lokalen Natur- und Heimatschutzvereins, machte sich stark gegen die Flut von Deponien. Zunächst lancierte Angehrn unter dem Titel «5 Deponien sind genug – Egg will keine zusätzlichen Standorte» eine Petition, die dem Gemeinderat den Rücken stärken soll.

Verlangt wird darin, dass der Gemeinderat persönlich mit einer Delegation vor der Kommission für Planung und Bau des Kantonsrats die Gründe für die Streichung des neu geplanten Standorts Erzacher erklärt.

Ein Feldweg, Wiesen, Äcker und ein Bach neben einem Bauernhof.
Mitten durch den geplanten Deponiestandort Erzacher fliesst der Aabach.

Sollte der Kantonsrat nicht auf den Erzacher verzichten wollen, solle quasi als «Tauschgeschäft» wenigstens der bereits im Richtplan festgesetzte Standort Büelholz aufgegeben werden. Immerhin handle es sich beim Büelholz um ein Naherholungsgebiet, das heute rege genutzt werde, hält Angehrn fest.

Aufgefüllt, in Betrieb und geplant

Auf heute schon fünf Deponien kommt Angehrn, weil er neben den drei im Richtplan vermerkten Deponien – die Chrüzlen ist in Betrieb, Büelholz und Leerüti sind geplant – auch die mit Phosphatschlämmen aus der Produktion der Chemie Uetikon aufgefüllte Lagerstätte Chüetobel sowie die ebenfalls bereits aufgefüllte Gemeindedeponie Spitzerei in Unterneuhaus dazuzählt. Käme nun noch der Erzacher hinzu, lägen auf Egger Boden volle sechs Standorte.

Der SP-Vertreter freute sich darüber, dass alle Egger Parteien – neben der SP die FDP, die SVP, die GLP, die Mitte sowie die kommunale Pro Egg – sich an der Petition und damit beim Unterschriftensammeln beteiligen wollten.

Es soll nur eine Deponie in Betrieb sein dürfen

Angehrn hatte auch bei den beiden Egger Kantonsräten Ueli Pfister und Tobias Infortuna, beide von der SVP, Rat gesucht. Und Ersterer meinte, dass doch auch eine zweite Petition – «Maximal eine Deponie pro Region» – gestartet werden sollte. Diese hat zum Ziel, dass pro Region maximal eine Deponie, egal, von welchem Typ, in Betrieb sein darf. Im Richtplan heisst es dagegen heute, dass es eine Deponie pro Typ in einer Region geben darf. Und es gibt immerhin fünf verschiedene Typen.

Lastwagen auf der Deponie Chrüzlen.
Seit Jahren wird auf der Deponie Chrüzlen – hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2012 – Kies abgebaut und die Grube mit Material wieder aufgefüllt.

Die Idee hinter der zweiten Petition war, dass die Egger Parteien ihre «Schwesterparteien» entlang der Forchstrasse informieren und auch aus diesen Gemeinden Unterschriften beigesteuert werden. Obwohl die zweite Petition viel breiter gestreut wurde, kamen bis zum Sammelschluss Ende Oktober gerade einmal 289 Unterschriften zusammen.

Bei der ersten Petition «5 Deponien sind genug» wurde dagegen nur in der Gemeinde gesammelt, und dennoch kamen in den letzten Wochen 365 Unterschriften zusammen. Angesichts der über 8800 Einwohner und vor allem der knapp 5600 stimmberechtigten Eggerinnen und Egger ist das eine bescheidene Zahl.

Enttäuschter Petent

Entsprechend ist Angehrn enttäuscht vom Ergebnis. In den 1980er Jahren startete er mithilfe von Freunden und Bekannten bereits einmal eine Petition mit der Aufforderung, dass der Gemeinderat Egg sich gegen die Standorte Büelholz und Leerüti stellt.

«Dazumal sind 600 oder 700 Unterschriften zusammengekommen», erinnert sich der umtriebige Naturschützer. Angesichts der «einmaligen» Einstimmigkeit der sechs Ortsparteien jetzt dachte er sich, dass «gleich viele oder sogar mehr Unterschriften zusammenkämen».

Die tiefe Unterschriftenzahl erstaune ihn umso mehr, als es bei den Sammlungen am Sommermärt und vor der Egger Migros durchwegs positive Rückmeldungen von den Passanten gegeben habe. Eine einzige negative Reaktion hat er erlebt. Als die angesprochene Person erfahren habe, dass die Sammler von der SP seien, habe sie nicht unterschrieben.  

Ob es vonseiten der Parteien nun zu weiteren Aktivitäten gegen die geplanten Deponien kommt, weiss Angehrn nicht. «Meinerseits ist die Enttäuschung zu gross, um jetzt etwas anzustossen», wirft er ein. Schiebt dann aber gleich nach: «Aber wer weiss, was nach einer gewissen ‹Abkühlungszeit› noch möglich ist.»

Die Petition «5 Deponien sind genug» hat Angehrn Anfang Woche nun dem Gemeinderat übergeben. Die zweite, «Maximal eine Deponie pro Region», hat er Kantonsrat Ueli Pfister überreicht, der sie an die zuständige Kommission weiterleiten wird.

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