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Trotz Gegenvorschlag

Nächste Gemeinde zieht nach: Auch Hinwil erhält ein Feuerwerksverbot

Mit grossem Mehr verbannen die Hinwilerinnen und Hinwiler lautes Feuerwerk vom Gemeindegebiet. Umstrittener war ein Kredit für die aufsuchende Jugendarbeit.

Werden Raketen und Böller zu Ladenhütern? Auch in Hinwil gilt bald ein Verbot von lautem Feuerwerk. (Symbolbild)

Foto: Simon Grässle

Nächste Gemeinde zieht nach: Auch Hinwil erhält ein Feuerwerksverbot

Trotz Gegenvorschlag

Mit grossem Mehr verbannen die Hinwilerinnen und Hinwiler lautes Feuerwerk vom Gemeindegebiet. Umstrittener war ein Kredit für die offene und aufsuchende Jugendarbeit.

Wirklich überzeugen musste Initiant Henri Hotz am Mittwochabend in der reformierten Kirche von Hinwil kaum jemanden mehr. Die grosse Mehrheit der 217 an der Gemeindeversammlung Teilnehmenden war sich einig: Lautes Feuerwerk gehört verboten.

«Die extreme Knallerei ist für viele Menschen zu viel», sagte Hotz in seinem Plädoyer. Neben dem «stillen Leiden der Lebewesen und dem grossen Stress» nannte er die Belastung der Umwelt oder den drohenden Feuerwerkstourismus als Gründe für ein Verbot.

Und nicht zuletzt sei Feuerwerk eine chinesische und keine Schweizer Tradition wie Fackeln, Höhenfeuer oder Fahnen am 1. August. «Ich bin anders aufgewachsen», sagte er.

Drohender Feuerwerkstourismus

Spätestens bei der Diskussion wurde die Unterstützung für ein Verbot deutlich. «Ich stimme Ja für mein Büsi», meinte ein Votant. Gleich mehrere Sprecherinnen und Sprecher waren sich einig, dass die Auswirkungen durch die bereits geltenden Verbote in umliegenden Gemeinden spürbar seien.

Schon jetzt würden vermehrt Menschen nach Hinwil kommen, um am 1. August und an Silvester Raketen und Böller zu zünden. «Wollen wir zu einem Hotspot für Feuerwerk werden?», fragte darum Linda Bruggmann, die Präsidentin der Grünen Hinwil, rhetorisch. Vor allem im Bezirk Hinwil haben sich die Verbote ausgebreitet, seit die Stimmberechtigten in Bubikon vor anderthalb Jahren als Erste sich dafür ausgesprochen hatten.

Immerhin zwei kritische Stimmen gab es dann doch noch. Ein Familienvater meinte beispielsweise, dass sich seine Kinder immer am Feuerwerk erfreuen würden. «Ein 1. August ohne Feuerwerk ist wie eine Geburtstagstorte ohne Kerzen», hätten sie ihm gesagt. Er sprach sich deshalb für den Gegenvorschlag des Gemeinderats aus.

Gegenvorschlag war chancenlos

Dieser hätte vorgesehen, dass sämtliches Feuerwerk in Hinwil weiterhin erlaubt bliebe. Allerdings hätte es am 1. August nur noch bis Mitternacht und an Silvester bis 1 Uhr morgens gezündet werden dürfen.

Feuerwerk sei zwar noch eine junge, aber eben doch eine Tradition, meinte Sicherheitsvorsteherin Brigitte Wälchli (Die Mitte). Ausserdem hätten laute Böllerschüsse als Ausdruck der Freude in der Schweiz durchaus eine lange Vergangenheit.

Von einem Verbot wären aber vor allem Kinder und Jugendliche betroffen. Zu strenge Regeln könnten ausserdem zu Trotzreaktionen führen. «Der Gemeinderat appelliert darum an die Eigenverantwortung», sagte Wälchli mehrfach.

Doch sie hatte mit ihren Argumenten für die Kompromisslösung einen schweren Stand. Nur 35 Stimmberechtigte sprachen sich für den Gegenvorschlag aus. 172 Anwesende unterstützten das Verbot von lautem Feuerwerk. Die definitive Annahme der Initiative mit grossem Mehr war dann in der Schlussabstimmung nur noch Formsache.

Jugendarbeit sorgt für Diskussionen

Deutlich umstrittener war zuvor ein Kredit von knapp einer Million Franken für eine offene und aufsuchende Jugendarbeit. Auch hier waren Hotspots ein Thema. Diesmal ging es um Jugendliche, die sich beispielsweise bei den Schulhäusern oder am Bahnhof treffen.

Das schüchtere Kinder auf den Pausenplätzen ein, meinte Sozialvorsteherin Gabriela Casutt (FDP). Aber auch sie habe am Bahnhof «ein mulmiges Gefühl, weil ich nicht weiss, wer dort herumhängt».

Die offene und aufsuchende Jugendarbeit zeichne sich dadurch aus, dass sie die Jugendlichen dort abhole und unterstütze, wo sie sich aufhielten. Einen solchen Ansatz kannte Hinwil bisher nicht. Ziel sei es, die jungen Menschen möglichst früh durch den Aufbau von Vertrauen niederschwellig zu begleiten. Das diene auch als Prävention gegen mögliche Gewalt.

Etablierte Stiftung übernimmt

Das vorgelegte Konzept sei noch zu schwammig, war nur einer der Kritikpunkte, der in der anschliessenden Diskussion vorgebracht wurde. Der Umfang und die Ziele des Projekts müssten klarer definiert werden. Auch SVP-Gemeinderatskandidat Tobias Bachofen zeigte sich kritisch, als er die ablehnende Haltung seiner Partei vertrat. «Wir sind nicht davon überzeugt, dass der Erfolg messbar ist», meinte er.

Bereits 2024 hatte der Gemeinderat beschlossen, den Auftrag an die Stiftung Mojuga zu vergeben, die schon in zahlreichen Gemeinden für die Jugendarbeit zuständig ist.

Gabriela Casutt erklärte, dass die Details der Leistungsvereinbarung erst nach dem Go durch die Gemeindeversammlung erarbeitet würden. Ausserdem habe eine Beschwerde für Verzögerungen gesorgt. «Die aufsuchende Jugendarbeit ist aber dringend nötig.»

Mit 122 Ja- zu 72 Nein-Stimmen nahmen die Stimmberechtigten den Kredit dann trotz allen Vorbehalten an. Damit stehen in der bewilligten Pilotphase bis 2029 jährlich 324’000 Franken für die offene und aufsuchende Jugendarbeit zur Verfügung.

Ausserdem …

… hat die Gemeindeversammlung bis 2030 jährliche Beiträge über 70’000 Franken zur Kinder- und Jugendförderung an die Vereine mit grossem Mehr bewilligt. Von den Beiträgen profitieren nicht nur ortsansässige, sondern auch auswärtige Vereine, in denen Hinwiler Jugendliche aktiv sind. Dazu zählt beispielsweise die Nachwuchsabteilung der ZSC Lions. (lel)

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