Gemeinderat von Hinwil will Böller einschränken, aber nicht verbieten
Gegenvorschlag zu Initiative
Wie in vielen Gemeinden zuvor stimmt auch Hinwil im März über ein Verbot von lärmendem Feuerwerk ab. Dem Gemeinderat geht ein generelles Verbot zu weit.
Der letzte Silvester ist dem Hadliker Henri Hotz noch einmal besonders eingefahren: «Das hat mit Tradition nichts mehr zu tun», erzählt er. Gemeint sind laute Böller, die auch über Hinwil in den Himmel steigen, oft auch schon in den Tagen vor und nach dem 1. August oder dem Jahreswechsel.
Es werde jedes Jahr noch schlimmer, meint Hotz. Und dann sei da noch der ganze Dreck. Die Entsorgung des Abfalls gehe zulasten der Gemeinde, und die Bauern müssten ihre Wiesen jedes Mal säubern. Er fordert darum mehr Rücksichtnahme. Im Bündnerland, wo schon in vielen Gemeinden ein Feuerwerksverbot gilt, sei das auch möglich.
Hotz hat darum auch in Hinwil eine Initiative für ein Verbot von lärmendem Feuerwerk eingereicht. Am 18. März kommt sie vor die Gemeindeversammlung. Auf Bern und ein eidgenössisches Verbot zu warten, sei keine Option.
Kein «Feuerwerkstourismus» am Bachtel
In immer mehr Gemeinden in der Region ist lautes Feuerwerk bereits nicht mehr erlaubt. «Wenn das Gebiet, in dem ein Verbot gilt, genug gross ist, wird sich auch ein Jumbo überlegen müssen, noch Feuerwerk zu verkaufen», meint Hotz.
Das Verbot müsse jetzt kommen. «Es dauert eine Weile, bis es sich in den Köpfen der Menschen durchsetzt.» Ausserdem könne man so allfälligem «Feuerwerkstourismus» in der Gemeinde am Bachtel vorbeugen.
Gegenvorschlag als Novum
Es sind Argumente, die bei der Gemeinde Hinwil nur teilweise auf Verständnis stossen. Der Gemeinderat lehnt die Initiative ab. Stattdessen hat er einen Gegenvorschlag lanciert – ein Novum in der Feuerwerksdebatte in der Region.
Der Gegenvorschlag sieht vor, dass Feuerwerk weiterhin am 1. August und an Silvester erlaubt bleibt – allerdings eingeschränkt. So dürfte am 1. August nur noch bis Mitternacht, und an Silvester bis 1 Uhr morgens geböllert werden.
Die zuständige Gemeinderätin Brigitte Wälchli (Die Mitte) erklärt, dass dem Gemeinderat die Initiative «zu weit geht, kaum durchsetzbar ist und alle gleichermassen treffen würde – auch jene, die verantwortungsvoll mit Feuerwerk umgehen». Es sei ein Kompromissvorschlag, um zwar dem Initianten entgegenzukommen, aber lautes Feuerwerk nicht generell verbieten zu müssen.
Kontrolle ist schwierig
Offen bleibt, wie die Gemeinde die Einschränkung durchsetzen würde. Denn die Kontrolle durch die Polizei – und hier sind sich Initiant und Gemeinderat einig – ist bei beiden Varianten schwierig. «Da muss man sich nichts vormachen», sagt Henri Hotz.
Während Hotz überzeugt ist, dass sich viele mit der Zeit an das Verbot halten würden, hofft Brigitte Wälchli auf die Sensibilisierung der Bevölkerung durch die aktuelle Debatte. «Der Gemeinderat setzt darauf, dass die Aufklärung das Bewusstsein für das erlaubte Zeitfenster stärkt und die Bevölkerung zu mehr Rücksichtnahme gegenüber Mitmenschen, Tieren und Umwelt bewegt.» Verbote würden hingegen «erfahrungsgemäss eher Trotzreaktionen auslösen».
Darauf angesprochen, dass bereits vor und nach den Feiertagen Feuerwerk gezündet wird, gibt Wälchli zu bedenken, dass viele Menschen gar nicht wissen würden, dass Feuerwerk an diesen Tagen schon jetzt verboten sei. Auch diesbezüglich erwartet die Sicherheitsvorsteherin, dass durch die derzeitige Diskussion «die Aufmerksamkeit für die geltenden Regeln steigt und diese künftig eingehalten werden».
Hoffnung auf schweizweite Regelung
Dem Gemeinderat sei bewusst, dass es in Hinwil viele Gegner von lärmendem Feuerwerk gebe. Es gebe aber auch jene, die ein Verbot ablehnen. Es werde sich zeigen, welche Argumente überzeugen. «Es soll ein demokratischer Entscheid sein.»
Die beste Lösung wäre für Brigitte Wälchli aber eine schweizweite Regelung. Ein wirklich wirksames und einheitliches Vorgehen sei aus Sicht des Gemeinderats nur auf nationaler Ebene möglich. «Solange Feuerwerk überall frei erhältlich ist, wird es auch Menschen geben, die es zünden wollen – unabhängig von Gemeindegrenzen», meint die Gemeinderätin.
Die Gemeindeversammlung findet am Mittwoch, 18. März, um 19.30 Uhr in der reformierten Kirche von Hinwil statt. Zu den weiteren Traktanden gehören Kredite für die Kinder- und Jugendförderung an die Vereine sowie für die offene und aufsuchende Jugendarbeit. (lel)