Nach Brand auf Flugplatz Speck: «Zuspruch aus der Bevölkerung ist gross»
Restaurant wieder offen
Der «Windy Corner» am Flugplatz Speck ist wieder offen. Die Betreiber des Restaurants konnten eine Ersatzlösung finden. Der Brand vor rund zehn Tagen erschüttert noch immer.
Fragt man die Pächterin Sabrina Gisler zehn Tage nach dem Brand, wie es ihr geht, sagt sie nur: «beschissen». In der Tat kommen ihr fast die Tränen. Ihr Partner Markus Zürcher, mit dem sie das Restaurant am Flugplatz Speck und den «Windy Corner» betreibt, klingt hingegen etwas pragmatischer: «Momentan funktioniere ich einfach und suche nach Lösungen. Ich glaube, so richtig emotional begreifen werde ich diesen Schlamassel erst in ein paar Wochen.»
Seit dem Flammeninferno haben die beiden ununterbrochen gearbeitet und schon einiges auf die Beine gestellt. Das Restaurant im Speck und der «Windy Corner» sind bereits seit letztem Samstag mit einem Provisorium wieder offiziell offen. «Wir hatten unglaublich viele Helfer und Unterstützung von allen Seiten», sagt Zürcher erleichtert.
Wertschätzung aus der Bevölkerung
«Viele Menschen sind emotional sehr mit uns verbunden. Das zu erfahren, hat mich überwältigt», fügt seine Partnerin an. Etliche Leute seien nach dem Unglück schnell vor Ort gewesen und hätten freiwillig mitgeholfen.
So konnten Gisler und Zürcher den Betrieb wieder aufnehmen: mit einem gedeckten Zelt, das Platz für 74 Gäste im Trockenen bietet. «Das war auch wichtig für unsere Angestellten, dass es möglichst bald wieder weitergeht.»
Zur Mittagszeit speisen trotz prasselndem Regen rund 20 Gäste im trockenen Zelt am beliebten Ausflugsziel. Zwei pensionierte Männer sitzen an einem Tisch in der Ecke. «Ich komme schon seit Jahren öfters hierher», sagt Erich Müller aus Dübendorf.
Erstaunlich schnell gehandelt
Kurz nach dem Brand sei er mit dem Velo vorbeigefahren und habe ein paar Worte mit der niedergeschlagenen Pächterin gewechselt. «Der Schock sass tief. Wenn man einen Ort so gut kennt, hat man eine tiefere Beziehung dazu.» Müller war klar, dass er bald zu einem Essen vorbeikommen wollte. «Ich staune, wie sie in so kurzer Zeit ein Provisorium aufbauen konnten.»
Sein Kollege Philipp Zollinger aus Ettenhausen pflichtet ihm bei: «Das sind junge Leute, die nicht aufgeben. Das finde ich toll.» Beide sind zufrieden mit der Karte. Das Mittagsmenü wird noch immer von den eigenen Leuten zubereitet – extern und dann mit dem Auto angeliefert.
Auch wenn der «Windy Corner» von den Flammen verschont blieb, stellt der Alltag das Paar und seine Angestellten vor logistische Herausforderungen. Alles ist anders und an einem neuen Ort. «Ich beobachte mich selbst, wenn ich zum Beispiel daran denke, noch schnell etwas im Lager zu holen, und dann merke, dass es das Lager ja gar nicht mehr gibt», erzählt der Pächter Zürcher.
Plötzlich ohne Job?
Auch die Lehrtochter Svea Burgermeister stand kurzfristig vor dem Nichts. «Ich dachte, mein Job habe sich in Luft aufgelöst. Ich habe mir ernsthaft Gedanken gemacht, was ich tun soll», erzählt die 19-jährige Pfäffikerin. Doch nun ist sie dankbar für die neue Lösung. Wenn diese auch nur eine vorübergehende ist. «Natürlich ist es hier jetzt viel enger zum Arbeiten, auf die Dauer geht das nicht.»
Ab Mitte September muss wegen der zunehmend sinkenden Temperaturen sowieso eine mittelfristige Lösung her. «Zum Glück haben wir noch den ganzen August», fügt Gisler hoffnungsvoll an. Das Pächterpaar plant, bis dann das Provisorium im Zelt zu betreiben. Danach soll es eine wetterfeste Baute geben, auf der Wiese, wo früher die Highland Games stattgefunden haben.
Wetterfeste Lösung
«Das ist aber noch nicht spruchreif, da sind wir jetzt einfach einmal am Schauen», erzählt Zürcher. Das Paar hat querbeet für Offerten angefragt. «Primär geht es dann darum, wie lange der Aufbau dauert, und natürlich auch, was das alles kostet.»
Das Pächterpaar ist mit der Organisation nicht allein. «Die Versicherung hat uns unterstützt – auch mit Kontakten zum Zelthersteller», sagt Zürcher dankbar. «Wir sind zum Glück eine grosse Speck-Familie», fügt seine Partnerin an. So suchen die Restaurantbetreiber gemeinsam mit den Vereinen Flugsportgruppe Zürcher Oberland (FGZO) und Skydive Zürich sowie der Seiferle Aviation AG nach langfristigen Lösungen für den Wiederaufbau des Restaurants. Das Gelände gehört der FGZO. «Somit ist der Verein im Lead, wenn es dann um eine definitive Lösung geht.» Fest steht jedoch schon, dass alle Parteien einen definitiven Neubau befürworten.
Aufgrund des Unglücks haben auch einige Gäste ihre geplanten Bankette abgesagt, das belastet das Budget. «Die meisten Gäste reagierten aber sehr verständnisvoll und sagten: ‹Okay, dann kommen wir halt nächstes Jahr wieder.›»
Ursache für Brand noch nicht klar
Wie viel das provisorische Zelt effektiv kostet, kann das Pächterpaar nicht sagen. «Vieles läuft unter dem Begriff Notmassnahmen der Versicherung», sagt Zürcher. Auch ist noch nicht klar, wer das alles bezahlen muss. Da muss erst noch weiter abgeklärt werden, was den Brand überhaupt verursacht hat.
«Brandstiftung kann zwar nicht vollständig ausgeschlossen werden, sie steht aber nicht im Vordergrund», sagt Ralph Hirt, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. Die Ermittlungen laufen noch. Im September kann mit ersten Ergebnissen gerechnet werden. «Ich bin grundsätzlich einfach froh, dass beim Brand kein Mensch zu Schaden kam», sagt Gisler.