Lob von höchster Stelle für den 700 Meter höheren Bachtel
Einweihung des Berggasthauses
Prachtwetter für ein Prachtwerk: Hunderte feiern auf dem Oberländer Hausberg den gelungenen Umbau des Restaurants Bachtel-Kulm.
Seit bald einem Jahr strahlt das komplett sanierte Berggasthaus Bachtel-Kulm mit seinem hellen Schindelkleid und dem glänzenden Blechdach ins Oberland und – bei schönem Wetter – darüber hinaus. Doch erst jetzt ist das Werk nach fünfjähriger Planungs- und Bauzeit offiziell eingeweiht worden.
Zum grossen Eröffnungsfest hat die Eigentümerin, die Genossenschaft Bachtel-Kulm, auf Samstag eingeladen. Und offenbar hat auch Petrus seine Freude am leuchtenden Restaurant, jedenfalls packt er strahlende Sonne und blauen Himmel über den feiernden Besuchern aus.
Restaurant finanziert den Gipfelunterhalt
Die Vorstandsmitglieder der Genossenschaft präsentieren ein reichhaltiges Festprogramm, das vor allem Musik, Essen und natürlich Reden beinhaltet. Präsident Hubi Rüegg erinnert daran, dass die Genossenschaft noch immer denselben Zweck verfolgte wie bei ihrer Gründung vor über 100 Jahren: der Öffentlichkeit unentgeltlich eine attraktive Bachtel-Kuppe als Ausflugsziel zu bieten. «Um das zu ermöglichen, braucht es ein funktionierendes Restaurant.»


Das sei auch der Anstoss für die Gesamtsanierung des in die Jahre gekommenen Gasthauses gewesen. Die grossen Herausforderungen waren die Finanzierung und die Baubewilligung für einen solchen Umbau an einer so exponierten Lage.
Zweitere konnte dank einer gelungenen Architektur, die sich an das Erscheinungsbild des Restaurants vor 100 Jahren anlehnt, eingeholt werden. Und Ersteres wurde mit über 3 Millionen Franken an Spenden erreicht, darunter grosse Beiträge der Berghilfe, der Hinwiler Belimo, Zustüpfe eines speziellen Sponsorenclubs sowie einer Million Franken aus dem Gemeinnützigen Fonds des Kantons. Zudem konnte die Zahl der Genossenschafter auf fast 800 erhöht werden.
Nebel als Win-win-Faktor
Der Zürcher Finanzdirektor Ernst Stocker bekundet vor versammelter Runde, dass er sich noch gut an die grosse Delegation aus dem Oberland erinnere, die um Unterstützung für das Bauvorhaben nachsuchte. «Für den Kanton war klar, dass es auf dem Bachtel eine gute Lösung braucht», unterstreicht Stocker – und weist gleichzeitig auf die aussergewöhnliche Lage dieses Ausflugsziels hin: «Der Bachtel kommt dann besonders zur Geltung, wenn unten Nebel herrscht.»


Und in diesem Winter hat es 47 Nebeltage gegeben, so viele wie seit 30 Jahren nicht mehr. «Das bescherte den neuen Pächtern hier oben ein gutes Geschäft. Und das wiederum ist gut für die Genossenschaft.» So verhelfe Nebel hier zu einer Win-win-Situation und sei Lohn für den gelungenen Umbau.
Hinwils Gemeindepräsident Andreas Bühler (SP) zeigt sich erfreut, dass ein Vertreter der hohen Zürcher Regierung vom 700 Meter tiefer gelegenen Regierungsgebäude in Zürich hier auf den Bachtel gekommen ist. «Dies ist ein Ort, der Weitsicht verschafft.» Er hoffe, dass alle davon ein Stück mit nach Hause nähmen.
Grosse Fronarbeit
Was in den Reden nur am Rande erwähnt worden ist, streichen mehrere Besucher heraus: das riesige Engagement, das die kleine Genossenschaftsführung für dieses grosse Werk ehrenamtlich während Jahren an den Tag gelegt hat.


«Ich bin wirklich beeindruckt», betont der 63-jährige Rolf Rüegg aus Seegräben. Er ist der Bruder des Genossenschaftspräsidenten. Der Bau habe mit der schmalen und steilen Zufahrt logistische Herausforderungen gebracht, die auch eine gute Koordination bedingt hätten. «Die Architektur hier überzeugt. Besonders der Saal gefällt mir gut», hält Rolf Rüegg fest. Seinen letzten Geburtstag, der gleichzeitig seine Pensionierung brachte, hat er im ganz frisch eröffneten Bachtel-Restaurant gefeiert. «Dabei erlebte ich auch einen sehr freundlichen und aufmerksamen Service.»
Rüeggs Familie ist mit dem Bachtel eng verbunden. So servierte seine Mutter hier oben. Und sein Vater waltete lange Jahre als Genossenschaftspräsident – das Amt, das vor einem Jahr an seinen Bruder überging. «Dass das Erbe meines Vaters so weiterleben kann, erfüllt mich mit Stolz.»



Auch die 70-jährige Regula Knecht, die in Illnau daheim ist, hat einen engen Bezug zum Bachtel – schliesslich ist sie in einem Kilometer Luftlinie auf dem Hof Hintersennenberg aufgewachsen. Auch sie ist des Lobes voll für die auf dem Kulm geleistete Arbeit: «Ich bin tief beeindruckt, was die Genossenschaft an Fronarbeit geleistet hat.» Der Stil und die Materialwahl sind für sie toll und das Farbkonzept stimmig. «Das Gesamtbild ergibt eine stimmige Komposition, ein echtes Bijou.»
Erinnerungen an früher
Gleich mit drei Generationen ist die Familie Strehler aus Gibswil an diesem Samstag auf den Bachtel gekommen. «Das ist unser Hausberg», hält Irina Strehler fest, die mit ihren beiden Kindern Livio und der erst zwei Monate alten Flurina sowie ihren Eltern Priska und Werni neben dem neu gestalteten Spielplatz und der neuen Tafel mit der Bachtel-Geschichte einen freien Tisch gefunden haben,



«Wir sind froh, dass das Restaurant wieder offen ist.» Ihnen gefällt das viele Holz – «überhaupt ist alles schön gemacht». Die junge Mutter schätzt auch, dass neben den neuen Spielgeräten auch einige alte erhalten geblieben sind: «Das weckt Kindheitserinnerungen.»
Erinnerungen an früher weckt unterdessen auch der Männerchor Hinwil mit dem Bachtel-Lied. Immerhin kann dieser Chor für sich in Anspruch nehmen, den Bachtel zu einem Ausflugsziel gemacht zu haben. 1850 wurde der Gipfel gerodet und eine Trinkhütte erstellt, in der an schönen Sonntagen die Sänger die Gäste bewirtet haben. An diesem Festtag 176 Jahre später beschränken sie sich aber auf ihre Kernkompetenz.