Kanton und Spitäler über mögliches GZO-Aus: Versorgung ist gesichert
Wo werde ich im Notfall behandelt, wenn Wetzikon schliessen sollte? Diese Frage treibt die Bevölkerung im Oberland und Kantonsräte um. Jetzt ist eine Antwort des Regierungsrats da.
Archivfoto: Roger Hofstetter
Es vergeht aktuell kaum ein Tag, an dem das GZO Spital Wetzikon nicht in den medialen Fokus rückt: Da war zunächst die Bekanntmachung der elf Besitzergemeinden, selbst für die fehlenden 3,12 Millionen Franken der Aktienkapitalerhöhung aufzukommen. Anfang Woche beschlossen dann die Aktionärsgemeinden die 50-Millionen-Finanzspritze als Sanierungsmassnahme. Am selben Tag verwehrte jedoch der Kanton neuerlich dem Regionalspital die Unterstützung. Er gewährt dem GZO keine Garantie in Höhe von 50 Millionen Franken, mit denen das Spital den Neubau fertigstellen wollte.
Der Regierungsrat hält fest: Ein Neubau sei unnötig und die Zukunft auf der Spitalliste völlig offen. Andere Listenspitäler wären bei Bedarf problemlos in der Lage, die Wetziker Leistungen zu übernehmen, ein Versorgungsnotstand sei nicht zu befürchten.
Die Frage nach der Versorgungssicherheit trieb nicht nur immer wieder die Oberländer Bevölkerung, sondern auch hiesige Kantonsräte um. Mit zwei Vorstössen forderten sie Antworten zur GZO-Krise und grundsätzlich zur Spitalplanung. In den nun vorliegenden Antworten macht der Regierungsrat erneut deutlich: Das GZO ist kein systembedingter Härtefall, sondern ein hausgemachtes Problem.
Verbesserung der finanziellen Lage
Während die Oberländer Kantonsräte von einer «ernsten finanziellen Lage» der Akutspitäler sprechen, winkt der Regierungsrat ab. Die Lage habe sich seit 2025 «deutlich entspannt». Als Beweis führt er Gewinne des Universitätsspitals Zürich (36 Millionen Franken) und sogar des kleinen Spitals Affoltern (2,2 Millionen Franken) an.
Auch ausserkantonale Spitäler wie die Insel Gruppe Bern oder die Gruppe Health Ostschweiz schliessen das Jahr 2025 positiv ab. Es scheine demnach eine finanzielle Trendwende erreicht, folgert der Regierungsrat.
Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer sich finanziell verhebt, muss die Konsequenzen selbst tragen. Das gilt ganz besonders für den unvollendeten Neubau des Spitals Wetzikon. Dazu erklärt der Regierungsrat, dass er nie in die Planung des Gebäudes involviert war. Ob überhaupt jemals eine seriöse Bedarfsanalyse für das Projekt erstellt worden sei, entziehe sich seiner Kenntnis. Die Verantwortung für Investitionen liege ausschliesslich bei den Trägerschaften, das Amt für Gesundheit prüfe jährlich die wichtigsten Finanzkennzahlen der Listenspitäler.
Kapazitäten in umliegenden Spitälern
Die zentrale Frage für die Bevölkerung – «Wo werde ich im Notfall behandelt, wenn Wetzikon schliesst?» – beantwortet die Regierung mit einer bereits durchgeführten Risikoanalyse. Das Amt für Gesundheit kommt zum Schluss, dass die umliegenden Spitäler die Leistungen von Wetzikon «vollumfänglich» und «innerhalb kurzer Zeit» kompensieren könnten.
Die Zahlen stützen diese These: Im Jahr 2024 verzeichnete das GZO durchschnittlich 6,4 stationäre Notfallaufnahmen via Rettungsdienst pro Tag. Zum Vergleich: Das Stadtspital Zürich stemmt fast 20, das Spital Uster knapp 6.
Die durchschnittliche Zahl ambulanter Notfälle pro Tag, also solche ohne Übernachtung im Spital, beläuft sich beim GZO auf rund 44. Das entspricht 5 Prozent aller Fälle im Kanton. In Uster liegt die Quote mit 7,2 Prozent (62 Fälle) leicht höher, in den Spitälern Männedorf mit 4 Prozent und Zollikerberg mit 3,6 Prozent tiefer.
Nachfragen bei den Nachbarspitälern bestätigen denn auch: Man ist vorbereitet. Das Spital Uster erklärt, dass man derzeit nicht alle Stationen mit maximaler Bettenzahl betreibt. Eine Station sei seit 2022 sogar komplett ausser Betrieb – Infrastruktur ist also vorhanden. «Mit einer gezielten personellen Verstärkung können zusätzliche Patientinnen und Patienten in kürzester Zeit übernommen werden.»
Auch das Spital Männedorf bestätigt regelmässige Gespräche mit der Gesundheitsdirektion über eine Eventualplanung und betont, Kapazitäten innerhalb weniger Wochen hochfahren zu können.
Die Angst, eine Grund- und Notfallversorgung der Region könne ohne das GZO nicht sichergestellt werden, sei unbegründet. Die Grund- und Notfallversorgung bleibe weiterhin gewährleistet, heisst es aus Uster. Wo man zudem einen alles andere als neuen, aber doch, weil offiziel formuliert, bemerkenswerten Umnutzungsvorschlag bringt: «Zudem wäre in Wetzikon auch der Betrieb eines ambulanten Notfall- und Gesundheitszentrums denkbar. Somit könnte ein eventueller Neubau auch anderweitig umgenutzt werden.»
Absprachen beim Rettungsdienst
Trotz den beruhigenden Worten aus Zürich und den Nachbargemeinden bleibt ein Restrisiko. Der Regierungsrat räumt, ohne konkret zu werden, ein, dass bei einer Schliessung des GZO «regional und individuell etwas längere Weg- und Wartezeiten» in Kauf zu nehmen wären. Im Versorgungsbericht zur Zürcher Spitalplanung aus dem Juni 2021 ist festgehalten, dass 78 Prozent der kantonalen Bevölkerung innerhalb von 10 Minuten ein Spital erreichen, bei 15 Minuten sind es gar 98 Prozent.
Für die Rettungsdienste seien zudem die Gemeinden verantwortlich. «Diese haben bereits erste Abklärungen mit dem regionalen Rettungsdienst getroffen, um sicherzustellen, dass der Betrieb weiterhin gewährleistet ist», schreibt der Regierungsrat.
Systemrelevanz als Einzelfallanalyse
Auf die Forderung der Kantonsräte nach einer Liste mit verzichtbaren Spitälern geht die Regierung jedoch nicht ein. Stattdessen pocht sie darauf, dass für die Beurteilung der Verzichtbarkeit einzelner Spitäler grundsätzlich immer das im Einzelfall vorliegende Szenario zu betrachten sei. Als Kriterien für diese Einzelfallprüfung zieht der Kanton unter anderem die Fallzahlen, die theoretischen Fahrzeiten und den kantonalen Marktanteil heran.
Der Regierungsrat hält zudem fest, dass der Ausfall kleinerer oder mittlerer Spitäler mit breitem Angebotsspektrum leichter zu kompensieren sei als jener von Spezialkliniken. Dies untermauert er mit einem statistischen Vergleich: Von den rund 233'500 Spitalaustritten im Jahr 2024 im Kanton entfiel mehr als die Hälfte auf das Universitätsspital, das Kantonsspital Winterthur, das Stadtspital Zürich und die Klinik Hirslanden. Die restlichen Fälle verteilten sich auf die übrigen 17 Listenspitäler.