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Neue Ziele für Bäretswilerin

Ihr Fokus liegt auf 2030 – und auf vielen offenen Fragen

Curlerin Elena Mathis hat seit ihrem Wechsel nach Italien viel Erfahrung auf Weltklasseniveau gesammelt. Nun werden die Karten nach Misstönen neu gemischt.

Elena Mathis an den Winterspielen in Cortina: In vier Jahren will sie erneut für Italien an Olympia starten.

Foto: WCF

Ihr Fokus liegt auf 2030 – und auf vielen offenen Fragen

Neue Ziele für Bäretswilerin

Curlerin Elena Mathis hat seit ihrem Wechsel nach Italien viel Erfahrung auf Weltklasseniveau gesammelt. Nun werden die Karten nach Misstönen neu gemischt.

Im italienischen Curling bleibt kein Stein auf dem andern. Medien schreiben gar von einer Revolution. Das ist plakativ, aber nicht ganz falsch. Denn es ist tatsächlich ein Umsturz im Gange. Mittendrin die Bäretswilerin Elena Mathis. «Es ist schon speziell, und man hat das nicht kommen sehen», sagt sie.

Seit 2023 spielt die schweizerisch-italienische Doppelbürgerin für Italien. Je drei WM- und EM-Teilnahmen sind seither zusammengekommen, eine EM-Silbermedaille als bestes Resultat – und als Krönung die Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo im Februar. 79 Spiele, 40 Siege, 39 Niederlagen. Mathis hat sich im Team von Skip Stefania Constantini von der Newcomerin zur erfahrenen Weltklasse-Curlerin entwickelt.

Doch nun fällt dieses Team auseinander – und das nicht ohne Nebengeräusche. An der WM gab es vor laufenden Kameras ein Wortgefecht zwischen Skip Constantini und Marta Lo Deserto. Mathis war daran nicht beteiligt, und sie will auch nicht von einem Streit im Team sprechen, sondern von Unstimmigkeiten. «Es gab Dynamiken im Team, die es nicht mehr erlaubt haben, auf diesem Niveau miteinander zu arbeiten», sagt Mathis. «Aber wir haben unsere Leistung auch unter schwierigen Umständen erbringen müssen.»

Für diese schwierigen Umstände sorgte der italienische Verband mit personellen Wechseln im Trainerstab. Viele verschiedene Teamkonstellationen wurden dann mit Blick auf Olympia ausprobiert, «wir haben mit ganz vielen anderen Athletinnen Turniere gespielt und praktisch nicht mehr als Team trainiert», sagt Mathis. Und die Olympia-Selektion selber sorgte für viel Wirbel, als die junge Rebecca Mariani, Tochter des Sportchefs im Verband, dem langjährigen Teammitglied Angela Romei vorgezogen wurde.

Stimmung bombastisch, Resultate enttäuschend

«Die äusseren Faktoren haben viel gemacht mit uns. Die Harmonie, die man für gute Leistungen braucht, fehlte», sagt Mathis. Der 9. Rang an den Spielen in Cortina ist die Folge davon, und Mathis hat es noch nicht ganz verdaut. «Die positiven Gefühle überwiegen, es war eine bombastische Stimmung. Aber das Resultat war enttäuschend, und der Gedanke daran, dass wir spielerisch mehr drauf hätten, ist schon noch präsent», sagt Mathis.

Doch nun hat sie ein neues Team und einen neuen Fokus. Mit ihren beiden bisherigen Teamkolleginnen Giulia Zardini Lacedelli (als Skip), Marta Lo Deserto und mit Rachele Scalesse, die bisher ebenfalls Nationalkaderstatus hatte, hat sie sich zusammengetan. Das Quartett hat in der vergangenen Saison in sehr ähnlicher Konstellation schon zusammengespielt. Und doch ist es quasi ein Aufbruch ins Ungewisse – im Bewusstsein, dass alle am selben Strick ziehen.

«Wir haben dieselben Vorstellungen davon, was unsere Ziele sind, was wir dafür investieren wollen und woran wir arbeiten müssen», sagt Mathis. Das langfristige Ziel sind die Olympischen Winterspiele 2030, kurzfristig allerdings gibt es noch ganz viele offene Fragen.

Vieles hängt vom Verband ab

Eine zentrale davon: Was passiert im italienischen Verband, wo im Juni Wahlen anstehen? Wie sieht der Selektionsmodus danach aus? Ähnlich wie in der Schweiz, wo sportliche Resultate darüber entscheiden, welches Team an einer EM oder einer WM teilnimmt? Oder bleibt der bisherige Modus, in dem es zwar Klubteams gibt, der Verband aber das Nationalteam aus einem Kader zusammenstellt? Die Curlerinnen hoffen auf eine Modusänderung. «Das wäre fair für alle. So könnte man sich als Team gemeinsam weiterentwickeln.» Und es ist absehbar, dass es mehrere ambitionierte Teams geben wird.

Auch finanziell hängt vieles vom Verband ab. Bisher waren Mathis und ihre Teamkolleginnen stets als Nationalteam unterwegs, die meisten Kosten wurden vom Verband übernommen. Diese Sicherheit gibt es vorerst nicht mehr. Das neue Team spielt für den CC Dolomiti in Cortina, dort war das alte Team zeitweise schon beheimatet, und Mathis sagt: «Der Klub ist sicher bereit, uns zu unterstützen. Aber wir sind uns auch bewusst, dass wir jetzt auf Sponsorensuche gehen müssen.»

Für Mathis selber gilt das im verstärkten Mass. Sie arbeitet zwar mit einem Teilzeitpensum als Social Media Creator für den Zürcher Turnverband und hat so ein Einkommen. Im Gegensatz zu ihren Teamkolleginnen ist sie aber nicht bei der italienischen Finanzpolizei unter Vertrag und kann damit nicht von diesem Fördergefäss profitieren. Der Grund: Sie hat ihren Wohnsitz nicht in Italien und plant derzeit auch nicht, die Schweiz zu verlassen.

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