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Betrieb bis 2028 gesichert

Greifensee-Schiffe fahren weiter – die Herausforderungen bleiben

Der Untergang ist abgewendet. Die Gemeinden im Bezirk Uster greifen der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee unter die Arme. Einzig Egg knausert.

Von 2026 bis 2028 wird die Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee (SGG) von den Gemeinden im Bezirk Uster unterstützt. (Archiv)

Foto: André Gutzwiller

Greifensee-Schiffe fahren weiter – die Herausforderungen bleiben

Betrieb bis 2028 gesichert

Der Untergang ist abgewendet. Die Gemeinden im Bezirk Uster greifen der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee unter die Arme. Einzig Egg knausert.

Die Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee (SGG) navigiert in unruhigen Gewässern. Die Passagierzahlen sind seit Jahren rückläufig, das kleine Unternehmen schreibt rote Zahlen.

Von 2020 bis 2024 hatte die SGG Verluste von insgesamt knapp 800’000 Franken eingefahren, allein im Jahr 2024 betrug der Jahresverlust knapp 250'000 Franken. Das Genossenschaftskapital ist auf 850'000 Franken gesunken. Die Jahresrechnung für das vergangene Jahr liegt noch nicht vor, budgetiert ist ein Minus von 85'000 Franken.

Was stark auf die Jahresergebnisse drückt, sind Rückstellungen für die vorgeschriebenen turnusgemässen Revisionen der Flotte. Die beiden grösseren Schiffe, «Stadt Uster» und «David Herrliberger», müssen dazu mit grossen Kränen aus dem See gehoben werden – das kostet jedes Mal einen sechsstelligen Betrag.

Nachdenklich stimmt die Entwicklung der Fahrgastzahlen: Von «zirka 90'000 beförderten Passagieren pro Jahr» schreibt die SGG auf ihrer Website. Diese Zahl stammt aus Vor-Covid-Zeiten und ist überholt: 2024 waren es gerade mal 57'000 Menschen, die eines der Schiffe der SGG nutzten. Sei es im Linienverkehr zwischen Maur und Uster oder für eine Rundfahrt auf dem zweitgrössten See des Kantons Zürich.

In vier Jahren ein Konkurs?

Rechnet man den Jahresverlust von 2024 hoch, wäre das Eigenkapital der SGG in spätestens vier Jahren aufgebraucht, der Konkurs würde Tatsache. «So darf man das nicht rechnen», wehrt sich Verwaltungsratspräsident Gianluca Di Modica. «2024 war witterungsbedingt ein absolutes Ausnahmejahr. Beim budgetierten Minus von 2025 blieben uns zehn Jahre.» Einen Konkurs schliesst der Unternehmer und Ustermer FDP-Gemeinderat kategorisch aus: «Im Worst-Case-Szenario würden wir eine ordentliche Geschäftsaufgabe in die Wege leiten.»

Damit es nicht so weit kommen muss, hat Di Modica bei allen zehn Gemeinden des Bezirks Uster ein Unterstützungsgesuch eingereicht. Pro Einwohnerin oder Einwohner sollen während dreier Jahre 50 Rappen in die SGG fliessen. Der Beitrag ist à fonds perdu und nicht an Bedingungen geknüpft.

Im Mai 2025 hatte Di Modica sein Gesuch gestellt, mittlerweile haben alle Gemeinden einen Entscheid gefällt: Neun Gemeinden unterstützen die SGG während der kommenden drei Jahre. Grösster Zahler ist die Stadt Uster mit 18’200 Franken pro Jahr vor Dübendorf, das 16’200 Franken einschiesst.

«Eine Grundsatzfrage»: Egg knausert

Am anderen Ende der Skala sind die kleinen Gemeinden Mönchaltorf und Greifensee mit 2200 beziehungsweise 2700 Franken jährlich. Und dann ist da noch Egg. Dreimal 4400 Franken hätte die 8800-Einwohner-Gemeinde der SGG überweisen sollen. Der Gemeinderat unter dem Präsidium von Thomas Bolliger (FDP) erteilte der Greifensee-Schifffahrt eine schnöde Absage.

Man sei der Ansicht, dass sich «ein privates Unternehmen ohne Beteiligung von Steuergeldern finanzieren muss», begründet die Egger Exekutive ihre Ablehnung. Der Beitrag der Gemeinde sei zwar sehr klein: «Es geht jedoch um eine Grundsatzfrage.»

Auch ohne die prinzipientreu-knausrigen Egger fliessen bis 2028 jährlich rund 67'000 Franken in die Kassen der SGG. Danach muss die Genossenschaft selbsttragend sein. «Das ist ambitioniert, aber es ist unser klares Ziel», sagt Di Modica, der den Entscheid von neun der zehn angefragten Gemeinden dankbar als «starkes Committment» bezeichnet.

Mehr Passagiere und Aufnahme in den ZVV

Die Zuversicht des VR-Präsidenten, die Genossenschaft wieder in ruhigere Gewässer zu führen, fusst auf zwei Annahmen: Einerseits sollen die Passagierzahlen, die sich nach der Covid-Pandemie nie erholt haben, wieder steigen. Schon 2025 sei besser gelaufen als das von Hochwasser geprägte Jahr 2024, betont Di Modica. Er stelle ein steigendes Interesse an den Rundfahrten fest: «Dabei hilft uns sicher auch, dass wir mit der Eröffnung des Seerestaurants in Uster wieder über eine intakte Gastronomie rund um den See verfügen.»

Andererseits strebt die SGG die Aufnahme in den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) an. Die Kursschifffahrt zwischen Maur und Uster ist Teil des ZVV, nicht aber die Rundfahrten. Di Modica: «Eine vollständige Integration in den ZVV würde uns sehr helfen. Wir könnten die Tarife senken und dadurch mehr Fahrgäste gewinnen.»

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ist kein Transportunternehmen, sondern eine Dachorganisation verschiedener Verkehrsbetriebe, die durch eine einheitliche Tarifstruktur verbunden sind.

Im Zonentarifsystem des ZVV ist für eine Fahrt nicht die zurückgelegte Distanz entscheidend, sondern die Anzahl der durchfahrenen Zonen. Ein Ticket gilt stets für alle Verkehrsmittel innerhalb der gelösten Zonen.

Bei der SGG ist lediglich die Verbindung zwischen Maur und Uster (Zonen 130 und 131) Teil des ZVV. Bei der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) sind auch die Rundfahrten vollständig in den ZVV eingebunden. Dabei fliessen sämtliche Einnahmen an den Verbund, der auch alle Kosten der Fahrten übernimmt.

Das bedeutet, dass die ZSG für ihre Rundfahrten Preise weit unter jenen der SGG anbieten kann. Um ein Beispiel zu machen: Die 90-minütige kleine Seerundfahrt von Zürich nach Thalwil, Erlenbach und zurück umfasst die drei Zonen 110, 140 und 150 und kostet ohne Halbtax weniger als 10 Franken. Die etwa gleich lange Rundfahrt auf dem Greifensee schlägt mit 32 Franken zu Buche. (sco)

Di Modica wünscht sich gleich lange Spiesse wie die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG), deren Rundfahrten komplett in den ZVV integriert sind. Ein Gesuch um Aufnahme in den Verbund ist in Arbeit. Ob aus dem frommen Wunsch innert nützlicher Frist eine Realität wird, ist aber fraglich.

Das Budget des ZVV wird jeweils für zwei Jahre vom Kantonsrat festgelegt. Das budgetierte Defizit für die Jahre 2025/2026 beträgt total 872 Millionen Franken; Anträge, die weitere Kostensteigerungen mit sich bringen, sind wenig populär.

«Wir haben einige Kantonsrätinnen und -räte aus dem Bezirk. Ich erhoffe mir, dass sie Druck im Kantonsrat machen», sagt Di Modica. «Aber es ist mir bewusst, dass es Zeit braucht.» Etwas Zeit konnte er sich jetzt mit seiner erfolgreichen Betteltour durch die Gemeinden des Bezirks verschaffen.

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