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Gesellschaft

So sah das Oberland nach dem starken Regen aus

Regen, Regen und nochmals Regen - das schlechte Wetter fordert die Seen und Böden im Oberland heraus.

Dieser Fischer versuchte sein Glück, da die Fische seiner Erfahrung nach bei Hochwasser näher an den Ufern schwimmen.

Foto: Sandro Compagno

So sah das Oberland nach dem starken Regen aus

Nicht dramatisch, aber erheblich

Überschwemmte Flüsse und Seeufer sowie Camper, die leicht unter Wasser stehen – die starken Regenfälle über das Wochenende fordern die Böden in der Region heraus.

Luca Da Rugna, Sandro Compagno

Die Kempt führt zwar immer noch viel Wasser, aber im Vergleich zum Wochenende ist sie deutlich ruhiger unterwegs. Randvoll ist hingegen der Pfäffikersee, der Pegelstand stieg am Montag noch immer an. Am Nachmittag lag er bei 537,86 Meter über Meer – gut 9 Zentimeter unter der Gefahrenstufe 4, die für «grosse Gefahr» steht.

Der Seequai war am Montagvormittag praktisch menschenleer. Ein paar Hündeler drehten ihre Runden, und ein Fischer versuchte im strömenden Regen sein Glück. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Jungfische bei Hochwasser näher ans Ufer kämen, meinte der Mann, der es auf Hechte abgesehen hatte: «Und mit ihnen kommen auch die Jäger.» Am Nachmittag wurde das Seequai sogar teilweise gesperrt.

Badi Greifensee unter Wasser

Ein ähnliches Bild wie am Pfäffikersee zeigt sich am Greifensee. So stand die Seebadi am Wochenende komplett unter Wasser. Zudem wurden auf dem Waldweg in Richtung Schwerzenbach einige Bäume samt Wurzeln aus dem Boden gerissen.

Am Montagmittag lag der Pegelstand des Greifensees bei 436,24 Metern über Meer und wies die Gefahrenstufe 3 aus. Gegen den frühen Abend stieg der Pegel gar noch etwas weiter auf 436,3 Meter an – 5 Zentimeter von der Gefahrenstufe 4 entfernt.

Ob das Wasser bis zu den nächsten sonnigen Badetagen rechtzeitig versickert, ist derzeit noch ungewiss. Die Böden scheinen mit den grossen Wassermengen derzeit vielerorts schlicht überfordert. Gefordert waren das gesamte Wochenende und auch noch am Montag hindurch viele lokale Feuerwehren, die zu zahlreichen Einsatzorten gerufen wurden.

So musste beispielsweise die Feuerwehr Wetzikon-Seegräben am Montagmorgen zu einem Erdrutsch auf der Gstalderstrasse zwischen Sack und Aathal ausrücken. Die Strasse blieb bis zum Mittag gesperrt.

Trotz Dauerregen kein Camping-Frust

Auch ein Besuch auf dem Campingplatz Rausenbach bei Maur hinterlässt wettertechnisch eher deprimierende Eindrücke. Durchnässte Wiesen und der Seeeinstieg, der keiner mehr ist, stechen sofort ins Auge. Von diesen nassen Umständen lässt sich das Ehepaar Grossenbacher aus dem Kanton Freiburg allerdings nicht die Ferien vermiesen.

«Wir sind am Wochenende angekommen und hoffen natürlich, dass die Wetterprognose der kommenden Tage hält, was sie verspricht», sagt Christine Grossenbacher.

Ein Paar steht bei schlechtem Wetter vor einem Campingwagen.
Für dieses Ehepaar ist das Camping-Erlebnis am Greifensee trotz Dauerregen kein Reinfall.

Bis zum Donnerstag wollen sie noch am Greifensee bleiben, dann ziehen sie auch schon wieder weiter. «Natürlich wünschen sich die meisten Camper sonniges Wetter, aber wenn wir verweichlicht wären, dann würden wir die Ferien im Hotel und nicht auf dem Campingplatz verbringen.»

Früher hätten sie ihre Ferien meist im Hotel verbracht. Nun geniessen die beiden ausgiebig ihre Freiheiten. «Hier muss ich mich nicht rausputzen und kann ganz locker vor dem Wagen frühstücken», sagt Christine Grossenbacher.

Ein Einstieg in einen See, der von Wasser überlaufen ist.
Hier steigen die Gäste vom Campingplatz Rausenbach für gewöhnlich in den See.

Die letzten Nächte seien jedoch etwas kalt gewesen. «In Wohnwagen herrscht für gewöhnlich die gleiche Temperatur wie draussen. Nur im Sommer wird es im Wagen hitzetechnisch ab und an fast unerträglich.» Gegen die Kälte haben die beiden mit ihrem «Würfel», wie sie ihn nennen, die passende Lösung gefunden.

Dabei handelt es sich um einen umweltfreundlichen Heizlüfter, der mit verschiedenen Stufen regulierbar ist und den Verbrauch von 1000 Watt nicht übersteigt. «Sobald die gewünschte Temperatur erreicht ist, schaltet sich das schlaue Gerät von selbst ab, wenn wir schon längst am Schlafen sind.»

Dies ist vor allem deshalb wichtig, da die beiden nur ein gewisses Energiekontingent zur Verfügung haben und ansonsten in der Früh auf ihren Wasserkocher verzichten müssten, mit dem sie ihren Kaffee zubereiten.

Läuft es nach der Wetterprognose, so müssen die beiden wohl nur noch eine nasskalte Nacht überstehen. «Wenn sich das Wetter bessert, kann ich endlich meine Modellflieger über den See steigen lassen», sagt Jürg Grossenbacher. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht mehr, bevor sie am Donnerstag nach Arbon TG am Bodensee weiterziehen.

Die Schwäne freut es

Auf der gegenüberliegenden Seite des Greifensees, an der Station Uster See in Niederuster, ist der Pegelstand von Auge betrachtet gar noch etwas höher. Wo sonst Leute auf dem Holzsteg in die kleinen Boote steigen, steht alles unter Wasser.

Für die Schwäne ist es wohl ein neues Ereignis, da sich ihr Lebensraum wegen des Hochwassers noch etwas erweitert hat. Sie suchen nun dort nach Futter, wo für gewöhnlich Leute am Seeweg bummeln.

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