Losar in Rikon: Wenn Neujahr weit mehr ist als nur ein Fest
Für die tibetische Gemeinschaft hat soeben das neue Jahr begonnen. Im Tibet-Institut Rikon wurde traditionell gefeiert. Für viele Tibeter hat das Fest einen deutlich höheren Stellenwert als ein gewöhnlicher Silvester.
Am Mittwochmorgen machten sich in Rikon Menschen jeden Alters auf den steilen Weg zum Tibet‑Institut. Eisige Temperaturen hielten sie nicht ab: Sie wollten Losar, das tibetische Neujahr, feiern – den wichtigsten Feiertag des Lands. Der tibetische Kalender richtet sich nach den Mondphasen, weshalb das Neujahr meist zwischen Februar und März auf einen Neumond fällt.
«Traditionell dauert das Fest drei Tage, doch der erste ist der bedeutendste», erklärt Sonam Pünkang. Sein Vater kam 1963 als Waisenkind mit einer der ersten Gruppen aus dem Tibet in die Schweiz, seine Mutter im Jahr 1980. Tibet hat Pünkang, der als Medienberater bei der Zürcher Oberland Medien AG arbeitet, nie gesehen. «Ein Visum von der chinesischen Botschaft zu erhalten, ist fast unmöglich», sagt er. Das Land steht seit Jahrzehnten unter massivem Druck und strenger Kontrolle.
Für viele Exil‑Tibeter ist Losar deshalb weit mehr als ein Jahreswechsel. Es ist ein Fest der Identität – und der Weitergabe von Traditionen an die nächste Generation. Auch unser Arbeitskollege nutzt die Feier, um dem Kloster in Rikon einen Besuch abzustatten.
Der Andrang ist am ersten Tag besonders gross. Schnell wird spürbar, wie eng die Gemeinschaft ist: Menschen aus der ganzen Schweiz sind angereist, viele scheinen sich zu kennen. «Es isch chli wie Familie», bestätigt Sonam Pünkang. Ein Kopfnicken hier, ein kurzer Schwatz dort, dann eine herzliche Umarmung.

