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Zahlreiche Forderungen

Stadt Uster legt gegen Doppelspurprojekt Einsprache ein

Mit der Doppelspur werden die Wartezeiten vor den Barrieren noch länger. Die Stadt Uster will eine neue Unterführung – die die SBB bezahlen sollen.

Hier beim Bahnübergang Wermatswilerstrasse will die Stadt Uster eine Unterführung. Und das Bundesamt für Verkehr soll für das Gebäude Wermatswilerstrasse 2/4 (rechts im Bild) eine Interessenabwägung vornehmen. Es steht der geplanten Doppelspur im Weg.

Foto: Simon Grässle

Stadt Uster legt gegen Doppelspurprojekt Einsprache ein

Zahlreiche Forderungen

Eine zusätzliche Unterführung, kein neues Technikgebäude und mehr Geld: Als Hauptbetroffene des geplanten Doppelspurausbaus hat die Stadt Uster eine ganze Palette von Forderungen.

Der Weg zur Realisierung des Doppelspurausbaus zwischen den Bahnhöfen Uster und Aathal ist lang und holprig. Es gilt, finanzielle, technische und auch juristische Hürden zu nehmen. Zu Letzteren gehört die Einsprache der Stadt Uster gegen das Grossvorhaben.

SBB sollen Unterführung bezahlen

Sechs Tage bevor die Frist am 22. September abgelaufen ist, hat der Stadtrat eine acht Punkte umfassende Einsprache beschlossen. Die gewichtigste Forderung betrifft den Bahnübergang Wermatswilerstrasse. Mit dem Ausbau auf Doppelspur sollen dort statt wie heute 12 gleich 16 Züge pro Stunde vorbeirollen. Damit werden die Barriereschliesszeiten deutlich länger, von 22 Minuten auf künftig 36 Minuten pro Stunde. Die Stadt will daher eine Unterführung. Diese ist für sie «zwingender Bestandteil des Projekts». Bezahlen sollen die SBB dieses rund 14 Millionen Franken teure Bauwerk. Schliesslich verursachen sie auch die Änderungen am Übergang.

Das Vorprojekt wurde durch die SBB aufgegleist und finanziert. Doch für die Realisierung des Bauwerks sehe sich das Bahnunternehmen «plötzlich nicht mehr in der Pflicht», meint Usters Bauvorstand Stefan Feldmann (SP). «Dies verstösst aus Sicht der Stadt Uster gegen Treu und Glauben und gegen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.»     

Geschlossene Barrieren beim Bahnübergang Wermatswilerstrasse in Uster.
Velofahrer und Autolenker stehen an der Wermatswilerstrasse schon heute oft vor geschlossenen Barrieren. Mit dem Doppelspurausbau würde die Wartezeit noch viel länger.

Zentral ist diese Bahnunterquerung für die Stadt laut Feldmann, weil es östlich des Bahnhofs Uster anders als auf der Westseite keine Unterführung für den Velo- und Fussverkehr gibt.

Furcht vor Ausweichverkehr

Gleich noch ein Einsprache-Punkt betrifft einen Bahnübergang: jenen an der Zürichstrasse bei Werrikon. In jenem Streckenteil westlich des Bahnhofs Uster werden statt wie heute 16 zukünftig 24 Züge stündlich verkehren. Das treibt die Schliesszeiten der Barrieren auch hier nach oben. Heute sind sie dort 29 Minuten pro Stunde geschlossen. Die maximal ununterbrochene Schliessdauer liegt bei dreieinhalb Minuten. Mit der Taktverdichtung lägen diese Werte bei vollen 45 Minuten pro Stunde respektive maximal sechseinhalb Minuten am Stück.

Das dürfte sich kein Automobilist antun, der die Situation kennt. Er wird über andere Strassen ausweichen. Und genau da sieht der Ustermer Stadtrat ein grosses Problem: Ohne flankierende Massnahmen sei die Taktverdichtung «nicht tragbar». Ein Umlagerungsverkehr über die kommunalen Strassen sei zu verhindern. Und dafür zu sorgen hätten Kanton und SBB. Von diesen erwartet die Stadt Uster konkrete Schritte.

Luftaufnahme des Bahnübergangs Zürichstrasse zwischen Uster und  Werrikon.
Wenn der Bahnübergang Zürichstrasse zwischen Uster und Werrikon (oben im Bild) längere Barriereschliesszeiten hat, befürchtet der Ustermer Stadtrat Ausweichverkehr.

Wie Feldmann ausführt, geht es dem Stadtrat hier nicht primär um flankierende Massnahmen auf der Zürichstrasse, sondern um eine Gesamtsicht über die Verkehrssituation im Raum Uster, Volketswil und Greifensee. «Eine solche wurde nach dem Entscheid, dass eine Über- oder Unterführung an der Zürichstrasse nicht möglich ist, durch Kanton und SBB in Aussicht gestellt», betont der Ustermer Bauvorstand. Welche flankierenden Massnahmen sich daraus ergäben und wer für diese zuständig sei, könne erst aufgrund dieser Auslegeordnung gesagt werden.

Uster muss auch bezahlen

Im nächsten Frühling dürfte übrigens das Projekt für die Unterführung Winterthurerstrasse aufgelegt werden. Aktuell finden Gespräche mit den Grundeigentümern statt. Der Regierungsrat sieht die Realisierung dieses Bauwerks nach 2029 vor. Doch hier wird die Stadt Uster trotz kantonalem Projekt in die eigene Schatulle greifen müssen. So betrachtet der Kanton die südliche Wegverbindung für Fuss- und Veloverkehr als eine «Zusatzbestellung» der Stadt Uster. Daher soll diese auch die geschätzten 700'000 Franken für die Baute selbst tragen.

Wie an der Winterthurerstrasse soll zudem an der Aathalstrasse in Oberuster eine Unterführung für Autos vorgesehen werden. Wie der Ustermer Stadtrat festhält, soll diese in Kombination mit den Anpassungen zur geplanten Oberlandautobahn geprüft werden.

Stellwerk soll unter den Boden

Doch zurück zur Kritik des Stadtrats am Bahnprojekt: Ein Dorn im Auge ist ihm auch das geplante Bahntechnikgebäude auf dem heutigen P+R-Parkplatz an der Bankstrasse beim Bahnhof. Die SBB sollen nochmals über die Bücher und prüfen, ob das neue Stellwerk nicht im bestehenden Bahngebäude untergebracht werden könnte. Allenfalls solle der Neubau unter den Boden, «sodass der Raum für eine zukünftige Entwicklung des zentralen Stadtraums nicht beeinträchtigt wird», hält der Stadtrat fest.

Und im Wissen um die optisch nicht über alle Zweifel erhabenen Zweckbauten schiebt der Stadtrat in seinem Entscheid nach: «Das vorgesehene Gebäude bringt keinen Mehrwert für das Erscheinungsbild der Stadt, nimmt keinen Bezug zur Umgebung und verhindert eine zukünftige Entwicklung an diesem bestehenden Standort.»

In seiner Einsprache fordert der Ustermer Stadtrat zudem, dass das Bundesamt für Verkehr für das Doppelhaus Wermatswilerstrasse 2/4 eine «transparente und umfassende Interessenabwägung» zwischen Denkmalschutz und Eisenbahnbau vornimmt. Das Gebäude direkt neben dem Bahnübergang Wermatswilerstrasse, das die Stadt eigentlich unter Schutz stellen möchte, soll nach den Plänen der SBB abgerissen werden.

Und schliesslich möchte die Stadt Uster auch noch Geld sehen. Und zwar für die total 952 Quadratmeter, die sie der Bahn für den Doppelspurausbau abtreten soll. Dabei handelt es sich um Strassen- und Waldparzellen oder Reservezonen. Beim Schulhaus Oberuster muss sogar gleich die Tartanbahn der Eisenbahn weichen. Letztlich sollen die SBB auch noch die Kosten für die Anpassung des Gestaltungsplans Trümpler-Park übernehmen. Diese Anlage wird vom Bahnausbau ebenfalls tangiert.

Uster will notfalls vor Gericht

Angesichts dieser geballten Ladung an Forderungen betont Feldmann, dass die Stadt Uster «grundsätzlich» den Doppelspurausbau Uster–Aathal begrüsst. Es sei allerdings auch die Aufgabe des Stadtrats, dafür besorgt zu sein, dass die Interessen der Stadt Uster finanzieller oder städtebaulicher Art gewahrt blieben. «Im bisherigen Mitwirkungsverfahren sehen wir unsere Wünsche und Bedenken nicht beziehungsweise nicht ausreichend berücksichtigt.» Deshalb habe sich der Stadtrat zu dieser Einsprache veranlasst gesehen.

Wichtig ist dem Stadtrat aber auch, dass er mit dieser Einsprache die Legitimation erhält, «bei weiterhin unzureichender Berücksichtigung Rechtsmittel gegen den Entscheid des Bundesamts für Verkehr beim Bundesverwaltungsgericht einlegen zu können».

Ein Verband, Behörden, Private und Firmen melden sich

Während der einmonatigen öffentlichen Auflage des Gesamtprojekts für einen Doppelspurausbau zwischen Aathal und Uster sowie die Massnahmen für einen dichteren Zugverkehr zwischen Uster und Dübendorf sind beim Bundesamt für Verkehr insgesamt neun Einsprachen eingegangenen. Wie Mediensprecher Michael Müller auf Anfrage erklärt, hatten sich während der am 22. September abgeschlossenen Auflage ein Verband, drei Private, zwei Unternehmen und drei Behörden gemeldet.

Die wohl gewichtigste Einsprache dürfte jene der Stadt Uster sein. Doch daneben finden sich auch solche für ganz besondere Anliegen. Eine davon stammt vom Seegräbner Architekten und Hobbyhistoriker Werner Messikommer. Er setzt sich für die Wiederherstellung der historischen Fusswegverbindung zwischen den Seegräbner Weilern Ottenhausen und Sack ein. Dem einstigen «Heuweg» in die Quere kam die Bahn. Bis in die 1960er Jahre war es laut Messikommer «üblich», einfach über die Gleise zu springen. Mit dem dichteren Fahrplan war das dann nicht mehr möglich. Deshalb soll nun im Rahmen des Doppelspurausbaus bei der ehemaligen Kläranlage im Aatal eine behindertengerechte Fussgängerunterführung erstellt werden.  

Zurzeit wartet das Bundesamt für Verkehr auf die Stellungnahmen der betroffenen Kantons- und Bundesstellen. Anschliessend werden die Einsprachen der SBB zur Stellungnahme unterbreitet – und damit beginnt der Schriftenwechsel. Eine Prognose, wann die Plangenehmigung verfügt werden wird, kann Müller zum heutigen Zeitpunkt nicht geben. (cb)

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